von Daniel Pabst
„Absolute Martian Manhunter“ von Deniz Camp und Javier Rodríguez, erschienen 2026 bei Panini Comics, gehört zur neuen „Absolute“-Reihe von DC Comics, in der klassische DC-Ikonen in überraschenden, oft experimentellen Versionen neu interpretiert werden. So stammt der sonst steinreiche Erbe Gothams Bruce Wayne alias Batman nun aus der Arbeiterklasse, und Wonder Woman wurde in der Hölle statt auf der Insel der Amazonen großgezogen. Solche Änderungen der Vergangenheit können die bekannten Mitglieder der Justice League und das DC-Universum nachhaltig verändern.
So auch in diesem Werk: Das eher unbekannte (außerirdische) Gründungsmitglieder der Justice League mit Namen Martian Manhunter (der FBI-Agent John Jones) wird Opfer einer Explosion. Jemand trachtet ihm nach dem Leben und hätte bei diesem Anschlag auch beinahe Erfolg gehabt. Statt wie von seiner Partnerin und seinem Arzt empfohlen, Abstand zu nehmen, sich auszuruhen und nichts zu übereilen, stürzt sich Jones in die eigenen Ermittlungen.
Was zunächst wie ein klassischer Noir-Krimi beginnt, entwickelt sich sehr bald zu etwas Bizarrem und Traumhaften. Jones nimmt die Gedankenwelt der Menschen wie bunte Rauchwolken wahr und muss mit einer außerirdischen Präsenz ringen. Sind dies nur Nachwirkungen der Explosion? Warum scheint ihn niemand zu verstehen? Wird er verrückt? Die Geschichte entfaltet sich zwischen Wahrheit und Wahn, während auch ein Antagonist im Laufe der Handlung auftaucht.
Besonders hervorzuheben sind die Farben und Zeichnungen von Javier Rodríguez, welche er beispielsweise bereits im Werk „Die Geschichte des Marvel Universums“ unter Beweis stellte. In „Martian Manhunter“ wird sein Talent noch einmal freier und kreativer eingesetzt. Die psychedelisch-expressive Gestaltung mit intensiven Farben, verzerrten Formen und ungewöhnlichen Panel-Layouts erzeugt eine Atmosphäre voll kosmischer Fremdheit und beklemmender Unmittelbarkeit. Für Fans klassischer Superhelden-Storys mag dies befremdlich wirken, doch wer offene, experimentelle Comics schätzt, findet hier ein visuell packendes Erlebnis.
Die cleveren Ideen der Handlung und der Bilder lassen die Leserinnen und Leser ebenso wie John Jones selbst ständig hinterfragen, was real ist und was nur in seinem Kopf stattfindet. Da der Comic die Zahl 1 im Titel trägt, darf man schon jetzt gespannt sein, was da in Zukunft noch so auf einen wartet. Ein sonderbares Comic-Erlebnis für Experimentierfreudige!
Fazit: Psychedelisch, bizarr und unvorhersehbar, so lässt sich dieser Comic charakterisieren. Den Lesenden wird ein wildes visuelles Abenteuer geboten, welches bekannte Superheldencomics völlig auf den Kopf stellt. Sowohl als eigenständige Geschichte als auch für DC-Kenner bietet der Comic somit spannende Einblicke – vorausgesetzt man mag Ungewöhnliches.
Absolute Martian Manhunter 1
Comic
Deniz Camp, Javier Rodriguez
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-4844-1
152 S., Softcover, deutsch
Preis: 20,00 EUR
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