von Jens Krohnen
Illustrator Thorsten Kiecker zeichnete früher für das „MOSAIK“-Magazin und war auch lange Zeit für die Entwicklung der „Abrafaxe“ verantwortlich. Zusätzliche Erfahrung sammelte er beim Zeichentrickfilm. Mit „RIA Buch 1: Same der Hoffnung“ legt er mit der Unterstützung von Fred und Mary Pullin seine eigene, fantasievolle Fantasy-Geschichte vor.
Alles beginnt mit einem unvorsichtigen Jagdausflug des „jungen wilden“ Loan. Dieser katzenartige Humanoide – ein Tuscas – ist der letzte Überlebende seines Stammes, welcher vor Jahren bei der Invasion eines finsteren Herrschers und seiner Heerscharen vernichtet wurde. Noctus – so der Name des Finsterlings – gebietet über skelettartige Monstren, die Shaden. Auf eben jene trifft Loan nun wieder und muss sich nach einem kurzen Kampf zurückziehen. Bei seiner Flucht stolpert er in eine Höhle und entdeckt eine junge Frau, die dort in einer Art Kokon schläft. Natürlich weckt Loans Anwesenheit die Fremde.
Kurzerhand entschließt sich der junge Krieger, die Schöne mit sich zu nehmen – und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, deren Tragweite er heute kaum ermessen kann. Denn die Unbekannte ist niemand anders als die letzte Tochter der Lichtkönigin, welche nun lange vor ihrer prophezeiten Wiedergeburt auf den Plan tritt und selbst noch keine Ahnung hat, welche Aufgaben vor ihr liegen. Glücklicherweise gibt es den alten Uri, eine Art Zauberer, welcher den letzten freien Völkern, die sich vor Noctus Heerscharen verstecken, zur Seite steht. Er wird Rat wissen – oder?
Abgerundet wird der erste Band mit einigen Seiten voller Skizzen, in denen die Hintergrundgeschichten einiger vorkommender Charaktere näher beleuchtet wird. Das weiß insbesondere bei einem Einführungsband natürlich zu überzeugen und liefert neben einem Einblick in die Entstehung der Optik auch gleich noch gehaltvollen Inhalt mit.
Der erste Band der „RIA“-Reihe macht so ziemlich alles richtig. Zum einen dürfen wir einen tiefen Blick in die Welt riskieren und erhalten genügend Informationen, um das grundsätzliche Konstrukt zu verstehen. Gleichzeitig wird mit der jungen Lichtkönigin ein Mysterium eingeführt, auf dessen Erforschung wir uns in kommenden Bänden freuen dürfen. Eine bunte Mischung unterschiedlichster Charaktere rundet die freudige Erwartungshaltung ab. Allerdings kommen dabei bislang einige der vorgestellten Figuren nicht über typische Archetypen und Abziehbilder klassischer Fantasy-Klischees hinaus. Uri scheint die Rolle des Gandalf zu übernehmen, während Loan offensichtlich der ungestüm-junge Held am Beginn seiner Heldenreise sein darf. Auch Noctus scheint in erster Linie an Eroberungen um der Eroberung willen interessiert zu sein, und darf bislang noch keine tieferen Schattierungen zeigen. Wettgemacht wird das allerdings durch viele liebenswerte Nebencharaktere, welche charmant und eloquent die etwas farblose Figurenriege bereichern.
Über jeden Zweifel erhaben ist wiederum die optische Gestaltung dieser Graphic Novel. Kicker versteht sein Handwerk, und der für die Farben zuständige Fabian Schlaga versorgt die einzelnen Seiten mit kräftigen, satten Farbtönen, welche die Fremdartigkeit der Welt nur noch mehr betont. Dabei sind insbesondere die Farbwechsel bei Szenenwechseln interessant zu beobachten, zeigt doch tiefer Purpur zumeist die Gegenwart von Noctus oder seinen Schergen an, während ruhige Passagen eher in Blautönen gehalten sind. Es sind Details wie diese, welche die optische Eleganz der Zeichnungen noch unterstreichen. Wie vom Splitter-Verlag gewohnt, erscheint „RIA“ als großformatiger Hardcoverband, der Langlebigkeit verspricht. Technisch gibt es damit überhaupt nichts zu meckern.
Fazit: Der erste Band der Comic-Reihe „RIA“ macht Lust auf mehr! Damit erfüllt er wohl alle Anforderungen, den man an den Anfang einer Geschichte haben kann.
RIA Buch 1: Same der Hoffnung
Comic
Thorsten Kiecker, Fabian Schlaga u. a.
Splitter-Verlag 2011
ISBN: 978-3-86869-300-3
64 S., Hardcover, deutsch
Preis: 13,80 EUR
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