Way of the Daimyo

"Kämpfe ehrenvoll, so wirst du zum Helden. Regiere ehrenvoll, so wirst du zu einer Legende."

- Der wahre Herrscher, Toturi III -

 

Was mag wohl aus dem ehrgeizigen Krieger werden, der Titel und Rang erworben hat? Wie wird wohl das Leben eines Helden sein, der in der Hierarchie aufgestiegen ist? Sind damit alle Abenteuer vorbei oder fängt hier das Rollenspiel erst richtig an?

von Jens Peter Kleinau

 

Das vorliegende Quellenbuch zu dem Rollenspiel "Legend of the Five Rings" gibt die Antwort auf die oben genannten Fragen und vieles mehr. Während andere Rollenspielautoren dazu nur wenige Worte verlieren und offensichtlich hoffen, dass die Helden ihre Karriere in Dungeons beenden, gehen die Jungs und Mädels von Alderac einen Schritt weiter – auch wenn dieses Quellenbuch in der Veröffentlichungsliste nicht an die Spitze gerückt war. Das Buch ist als duales Regelbuch konzipiert und unterstützt so die Anhänger der d20-Fraktion (Dungeons & Dragons), wie auch diejenigen, die dem „Five Rings“-Regelwerk treu bleiben wollen.

Es wäre unwahrscheinlich, wenn ein Mitglied des niederen Adels (ein Samurai einer angesehenen Familie), der sich im Feld als Held und ehrwürdiger Krieger bewiesen hat, nicht auch entsprechende Karrierechancen erhält. Der Charakter des Rollenspielers kann somit in Rang und Ansehen steigen und ein führendes Mitglied der Herrscherriege werden. Welche neuen und speziellen Aufgaben und Abenteuer dort auf ihn warten, davon berichtet dieser Quellenband. Dabei werden verschiedene, typische Karriereleitern und Positionen vorgestellt. Jede Darstellung enthält entsprechende Feats, Schulen und Prestige-Klassen. Zusätzlich werden die Aufstiegschancen erläutert und ergänzende Regeln, mögliche Ereignisse angeführt.

Der Provinz-Statthalter ist der Gouverneur einer Region des Kaiserreiches. Dieses Amt ist mit höchsten Würden, aber auch mit höchstem Neid der anderen bekleidet. Von allen Ämtern ist dies das anspruchsvollste, sowohl für den Spieler wie den Spielleiter. Ein Statthalter kann als der oberste Verwalter eines kleinen Dorfes beginnen und sich dann auf der Karriereleiter nach oben arbeiten, bis er eine gesamte Provinz oder sogar das Reich verwaltet. Dabei nimmt die Verantwortung, aber auch die Arbeit deutlich zu. Und auch die Neider werden nicht weniger. Die Verwaltung einer kleinen Festung, eines Dorfes, einer Stadt oder einer Region sollte sich durch die Regeln leicht abbilden lassen. Dazu werden einige Kennzahlen entwickelt, die bei genauer Betrachtung auf ziemlich wackligen Beinen stehen und nicht wirklich glücklich machen. So erhält der Verwalter so genannte "Duty"-Punkte, die er dann für die Bestimmung der Einrichtungen und Größe seiner Stadt ausgeben kann. Das klingt auf den ersten Blick einfach und ist es regeltechnisch auch. Doch das Ausarbeiten des Ambientes dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. Denn um diese Figur im Spiel lebendig erscheinen zu lassen, muss das Umfeld einfach stimmen. Nur ein wenig hilfreich ist dabei die Tabelle möglicher Ereignisse im Leben des Statthalters.

Der Botschafter (Ambassador) ist eine weitere Figur, die ein gut ausgearbeitetes Ambiente benötigt. Denn sein Guthaben ist das Netzwerk an Personen, die ihm ein Gefallen schulden oder bei denen er Informationen erhalten kann. Sein Fachgebiet ist die Intrige. Dabei beginnt ein Botschafter eventuell als Heiratsvermittler und kann bis zu Beraterfunktion bei Hofe erreichen. Mit entsprechenden Fähigkeiten ausgestattet knüpft er sein Netz an Beziehungen und Verpflichtungen. Sein Kapital sind die Alliierten, die er im Laufe seiner Karriere gewonnen hat und die ihm verpflichtet sind. Die Regeln dafür sind einfach und schnell abgehandelt.

Der Warlord ist eine relativ selbstständige Figur mit großer Verantwortung für seine Kämpfer. Er kann als kleiner Scharführer gesehen werden oder mit Ruhm und Erfolg gesegnet sich zu einem großen Kriegsherr entwickeln. Für die Aufstellung eines Heeres, die Aufwendungen dazu und auch über die Heeres- und Kriegsführung entscheiden Fähigkeiten, das Würfelglück und selbstredend Regeln. Diese sind sehr speziell gehalten, aber nach einmaligem Durchlesen verständlich und nachvollziehbar.

Der Tempelmeister ist ein weit gedehnter Begriff. So geht es in der Hauptsache darum, dass die Charakterfigur ein mehr oder weniger großes Gebäude als Tempel hütet. Je nach Erfolg der Figur ist dies ein kleiner Schrein oder eine großartige Tempelanlage. Egal ob klein oder groß, sie muss unterhalten werden, es braucht ein paar Besucher und der Status und der Zustand des Tempels muss beachtet werden. Dies wird durch recht einfache Regeln abgedeckt. Wie der Sensei, so kann auch der Tempelmeister eigene Techniken bzw. Zauber entwickeln oder erforschen.

Der Sensei, der Meister einer Kampfschule, kann in einer großen Schule eingebunden sein oder seine eigene Kampfschule mit eigener Kampftechnik errichten. Hier drehen sich die Fertigkeiten und Regeln um den Aufbau und Unterhalt einer Kampfschule, um das Entwicklen eigener Techniken.

Sympathisch wirken sich noch die Interaktionsbeschreibungen der Statuscharaktere untereinander aus. Wie geht der Botschafter mit dem Warlord und der Tempelmeister mit dem Sensei um, und was haben diese mit dem Gouverneur zu tun?

Ein allgemeines System des Ruhmes (Glory) und des Status versinnbildlicht den sozialen Aufstieg des Charakters. Dabei werden manche Gruppen bewusst ausgenommen, deren Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs in der allgemeinen Anerkennung doch recht eingeschränkt sind. So werden beispielsweise Ninjas und auch die herrenlosen Samurai kaum eine hohe Stellung außerhalb der eigenen Strukturen erhalten. Ihre Möglichkeiten in diesen Rollen sind begrenzt. Das Buch wird durch einen Appendix abgeschlossen, der für den Spielleiter betreffend Kampfschulen und Clans ein paar Tipps bereit hält.

“Way of the Daimyo” ist sicherlich kein Buch für den Anfänger, weder in "Legend of the Five Rings Roleplaying Game“ noch in "Dungeons & Dragons: Oriental Adventures“ (d20), deren jeweilige Grundbücher für das Quellenbuch benötigt werden. Doch wer seine Charaktere auf das Niveau eines Gouverneurs oder Warlords gehoben hat, der wird sicherlich auch nicht zum ersten Mal mit dem Regelwerk oder einem Würfel konfrontiert worden sein. Somit entspricht das Buch in der Komplexität, die bei aller Vereinfachung noch prägend ist, absolut der Zielgruppe.

Ein Ruhmesblatt ist das Buch allerdings auch nicht. Die Optik des Dualregelwerkdrucks ist eher störend und glücklich macht es nicht, den gleichen Text einmal in Schwarz und einmal in Dunkelblau zu lesen, nur weil die Tabellen geringfügig andere Werte und Bezeichner enthalten.

Fazit: Trotz kleiner Minuspunkte kann ich das Buch, auch aufgrund der gewissen Einzigartigkeit, die durch das hierarchische Rogukan sicherlich unterstützt wurde, durchaus empfehlen. Wer jemals über den normalen Dungeoncrawler hinaus auf der sozialen Leiter steigen will, der ist mit “Way of the Daimyo“ schon sehr gut bedient.


Way of the Daimyo
Quellenbuch
Shawn Carman, Jed Carleton, Rob Drake, Chris Hand u. a.
Alderac Entertainment Group 2004
ISBN: 1594720258
96 S., Softcover, englisch
Preis: $ 24,95

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