von Bernd Perplies
Im Zentrum von „The Force Unleashed“, das eigentlich anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Lucas’schen Sternenkriegs im November 2007 durchstarten sollte, aus technischen Gründen aber auf den September diesen Jahres verschoben wurde, steht ein Videospiel gleichen Namens für aktuelle Spiel-Konsolen wie die Playstation 3, die Xbox 360 oder die Wii. Doch es bleibt nicht bei dem Spiel allein. Wie es sich für ein Multimedia-Projekt gehört, wird die digitale Zerstörungsorgie für Jünger der Dunklen Seite von zahlreichen Nebenprodukten begleitet, etwa einem Roman, einem Comic, einem Making-of-Band, LEGO-Spielzeug, Actionfiguren und einigem mehr.
Während das Videospiel je nach Vorgehen des Spielers mehrere Entwicklungen der Handlung zulässt (einige davon explizit nicht-kanonisch), bietet der Begleitroman, der von Sean Williams nach einem Konzept von Projektleiter Haden Blackman verfasst und hierzulande von Panini Books herausgegeben wurde, laut offizieller Seite den kanonischen Verlauf der Handlung – mit dem für die sich anschließende klassische Trilogie notwendigen Ausgang.
Die Handlung von „The Force Unleashed“ ist zwei bis drei Jahre vor der Schlacht von Yavin und der Zerstörung des ersten Todessterns angesiedelt. Erzählt wird die Geschichte des anfangs namenlosen Schülers von Darth Vader, den dieser im Geheimen ausbildet, damit er für ihn die letzten verbliebenen Jedi jagt und ihm (so sagt der Dunkle Lord zumindest) irgendwann beim Sturz des Imperators zur Seite steht – das war, bevor Vader von der Existenz seines Sohnes Luke Skywalker wusste.
Unter dem Codenamen Starkiller (Kennern als Referenz auf Anakin Starkiller, dem Helden eines frühen „Star Wars“-Manuskripts, ein Begriff) begibt sich Vaders Schüler an Bord des Stealth-Raumers „Rogue Shadow“ auf seine Reise durch die Galaxis. Im zur Seite stehen die imperiale Pilotin Juno Eclipse, die als sein Chauffeur dient, sowie der Holo-Droide PROXY, der Dank ausgeklügelter Lichttechnik imstande ist, die Gestalt jeder beliebigen Person anzunehmen, und dessen Primärprogrammierung in dem Bestreben besteht, seinen Meister umzubringen. Seinen Ursprung als Trick der Spiele-Entwickler, um auch namhafte Protagonisten und Antagonisten des „Star Wars“-Universums gegen den Spieler antreten lassen zu können – darunter Obi-Wan Kenobi oder Anakin Skywalker –, lässt sich dabei kaum verhehlen.
Im Laufe der 379 Seiten umfassenden Geschichte kämpft sich Starkiller durch Horden von Gegnern und besucht dabei so abwechslungsreiche Schauplätze wie eine imperiale TIE-Jäger-Fabrik, die exotische Pflanzenwelt Felucia, die galaktische Giftmülldeponie Raxus Prime (bereits bekannt aus dem „The Clone Wars“-Videospiel), die Wookiee-Heimat Kashyyyk und die geschichtsträchtige Ruine eines Wachturms auf Corellia. Dabei warten Herausforderungen wie die Jedi-Meisterin Shaak-Ti, die nach zwei geschnittenen Todesszenen in „Die Rache der Sith“ hier endlich ihr Ende findet, die Zerstörung eines Atmosphärenlifts und ein vom Himmel fallender Sternenzerstörer auf den „Helden“.
Um dem Ganzen auch etwas Gewicht innerhalb der „Star Wars“-Saga zu verleihen, kommt ein perfider Plan Vaders ins Spiel. Denn natürlich wäre das Ganze ziemlich langweilig, wenn Starkiller nur von Kampf zu Kampf reisen würde – schon die vier Duelle im ersten Drittel des Romans, dem vor allem zu Beginn die Levelstruktur des zugrunde liegenden Videospiels stark anzumerken ist, beginnen sich zu ziehen. Daher wird eine kuriose Wendung eingebaut, als Vader plötzlich seinem Schützling aufträgt, eine Rebellenbewegung zu gründen, die Palpatine gerade genug beschäftigt, dass er Vaders Machtgelüste nicht mitbekommt. Diese Geheimmission wird nicht nur zur Herausforderung der Fähigkeiten des Schülers, sie wird auch zum Prüfstein für seine Zukunft, denn sukzessive kehrt die Vergangenheit zu dem namenlosen Mann zurück, und mit ihr wird die Saat des Zweifels gelegt. Wer ist der wahre Feind?
„The Force Unleashed“ ist für „Star Wars“-Fans in zweierlei Hinsicht ein irgendwie unbefriedigender Roman: Zum einen wird – wie schon gesagt – das Leveldesign des Videospiels stellenweise stark spürbar, denn kurzen Gesprächsszenen folgt immer eine ausgedehnte Actionsequenz. Die von dieser Seite drohende Eintönigkeit umschifft Williams immerhin halbwegs elegant, indem er gegen Ende die Kämpfe so knapp wie möglich beschreibt und sich auf die Rahmenhandlung konzentriert. Schwerer wiegt, dass man das Gefühl hat, der Roman bricht mit einigen Kanon-Tabus. So wird nicht nur der Todesstern eigentlich viel zu früh gewissen Protagonisten der Saga enthüllt, auch gewisse Rebellenführer kommen bereits so früh mit dem Imperium in Konflikt, dass man sich fragt, wie sie die folgenden Jahre bis „Eine neue Hoffnung“ – und darüber hinaus – überleben konnten. Hier wird zu viel investiert, um „The Force Unleashed“ eine tiefere Bedeutung innerhalb der Saga zu geben. Weniger wäre aber eindeutig mehr gewesen!
Fazit: Der Roman „The Force Unleashed“ ist vor allem actionlastig und bleibt dabei eher oberflächlich – was vermutlich dem zugrunde liegenden Videospiel geschuldet ist. Positiv hervorzuheben sind die coolen neuen Charaktere und die exotischen Schauplätze. Hier hat das Designteam (denn Sean Williams ist ja nur Auftragsschreiber) ganze Arbeit geleistet. Die Handlungsprämisse dürfte jedoch den Unmut nicht weniger „Star Wars“-Fans nach sich ziehen – ich sage nur „Geburt der Rebellion“. Auch die eine oder andere Kanon-Klippe wurde durch „The Force Unleashed“ geschaffen. Dennoch: Wer heiß auf das Spiel ist, dem ist der Roman als Appetithappen durchaus zu empfehlen – auch wenn man sich damit die Aha-Momente beim Zocken versaut. (Anders herum dürfte die Lektüre nach dem Spiel aber eher langweilig sein.)
P.S. eines Fans: Wer bitte kam auf die Idee, den Helden Jacob zu nennen? Dieser Name passt ja nun überhaupt nicht ins „Star Wars“-Universum! Schaut euch den Burschen auf dem Cover an. Ist das ein Jacob? Für mich nicht.
Star Wars – The Force Unleashed
Film/Serien-Roman
Sean Williams
Panini Books 2008
ISBN: 978-3-8332-1737-1
379 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,95
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