Star Wars - Republic Commando: True Colors

„Noch niemals zuvor waren die Spezialaufträge der Elite-Kommandos der Klonkrieger so brisant wie jetzt... Eine tödliche Bedrohung stellt den Sieg der Republik in Frage und die Mitglieder der Omega Squad machen eine Entdeckung, die ihre Loyalität auf eine harte Probe stellt. Während die Grenzen zwischen Freund und Feind immer mehr verschwimmen, sehen sich die Soldaten und Bürger der Republik plötzlich mit einem neuen Gegner konfrontiert: Der Zweifel, der in ihren eigenen Herzen nagt! Das nahende Inferno wird jeden einzelnen dazu zwingen, endgültig Farbe zu bekennen.“ – Klappentext

von Frank Stein

Ich gehöre normalerweise nicht zu den Menschen, die Klappentexte zitieren, so als würden mir die eigenen Worte für den Teaser-Abschnitt meiner Rezension fehlen. Diesmal mache ich eine Ausnahme, um auf den krassen Unterschied zwischen Schein und Sein aufmerksam zu machen. Und um mich darüber aufzuregen.

Zunächst einmal eine ehrliche Gratulation an den Texter dieses Roman-Anreißers. Klingt nach einer actiongeladenen Story um die coolen Jungs aus dem ebenso coolen „Star Wars“-Ego-Shooter. Ich würde das Buch sofort kaufen und spannende Unterhaltung erwarten – na gut, wenn ich Karen Traviss nicht kennen würde beziehungsweise bereits die zwei Vorgängerromane „Feindkontakt“ und „Triple Zero“ gelesen hätte.

Da ich sie aber gelesen habe, habe ich mir zumindest schon mal gedacht, dass es neben der Action noch reichlich traute Familienseligkeit zwischen ihrem Lieblings-Protagonisten, dem knorrigen Mandalorianer-Sergeant Kal Skirata, und seinen „Jungs“, dem Omega Squad, (sowie der erweiterten Familie, bestehend aus den Null-ARC-Troopern Mereel und Ordo, Mandalorianer-Kollege Walon Vau, den unorthodoxen Jedi-Rittern Bardan Jusik und Etain Tur-Mukan, der Schatzamtsagentin Besany Wennen und dem Polizei-Captain Jaller Obrim) geben würde.

Aber was hier geboten wird, habe ich nun nicht erwartet. Wie sagt Fixer, einer der Commandos des aus dem PC-Spiel bekannten Delta Squads (am Ende die einzig wirklich Coolen in diesem Roman) auf S. 413 des Buchs so schön: „Mir hat's besser gefallen, als wir noch Sachen hochgejagt und Geonosianer zerfetzt haben. Diese ganze Denkerei endet doch bloß in Tränen.“ Leider hat er Recht: in den Tränen des Lesers.

Denn Karen Traviss lässt in ihrem Roman wirklich zu viel denken. Von einem objektiven Standpunkt aus betrachtet sind es gar nicht mal dumme Gedanken, die sich ihre Protagonisten machen dürfen. Es wird über die Ausnutzung der Klonsoldaten diskutiert, über ihre unmenschliche Verheizung im Feld, über den Mangel an Zukunft, der ihnen geboten wird, die leeren Versprechungen von Politikern, die Unsinnigkeit des Krieges. (Wäre man gemein, würde man ihr unterstellen, sie wolle George Lucas unter die Nase reiben, wie unmoralisch seine Ideen in „Angriff der Klonkrieger“ waren, wie wenig Ahnung er von den Sorgen und Nöten von Militärs wirklich hat.)

Doch da sie aus Gründen der Kanon-Kontuität keine Folgen aus diesen Gedanken ableiten darf, stellt sie dem verwerflichen Konzept der Großen Armee der Republik eine unverhohlene Liebeserklärung zur Kultur der Mandalorianer entgegen – die als aufrechte Krieger mit starkem Familiensinn porträtiert werden (der klassische Boba Fett würde bei dem Gedanken in seinen Helm kübeln). Entsprechend besteht ein Großteil von „True Colors“ aus „Space Soap Opera“ in Reinkultur: „Jungs“ werden adoptiert, ein Baby wird geboren, ein Kamerad schwer verletzt und aufopferungsvoll gepflegt und man führt viele Gespräche über Familie, Zukunft, die Liebe und das Desertieren aus der GAR.

„Ist das noch „Star Wars“?“, frage ich mich mit ganz subjektiver Verzweiflung. Mehr als 500 Seiten Familientreffen mit Klonsoldaten? Zwischendurch jagt man die Chefgenetikerin der Kaminoaner, Ko Sai, um sie zu zwingen, den „Jungs“ eine normale, statt einer halbierten Lebenserwartung zu schenken. Aber viel mehr passiert einfach nicht. Als „brisante Spezialaufträge“ kann man die kurzen, weitgehend episodisch bleibenden Planetenoperationen der Commandos mit einer großzügig gefassten Definition von „brisant“ vielleicht gerade noch bezeichnen, eine „tödliche Bedrohung“ aber gibt es ebenso wenig wie einen durchdachten und konstant ansteigenden Spannungsbogen. Reine Schönrednerei eines Romans, in dem es eigentlich um nichts geht, als eine Gruppe von Menschen rund um Kal'buir, die alle gerne echte Mandos wären. (Und in ihrem Elitedenken den Rest der Galaxis „nicht mitspielen“ lassen will.)

Es tut mir fast leid, hier so polemisch zu werden. Vermutlich hatte es Karen Traviss nicht einfach. Vermutlich war der Spielplatz, den man ihr innerhalb des Expanded Universe zugewiesen hat, denkbar klein, mit einem einzelnen Karusell drauf, auf dem sie sich immer nur um sich selbst drehen durfte: Entsprechend treten außer ihren eigens erfundenen Protagonisten (von Cameos durch Ko Sai und Delta Squad abgesehen) keine namhaften Helden oder Schurken auf, und diese Protagonisten kümmern sich – wie gesagt – auch nur um ihre eigenen Probleme, die für die Galaxis im Ganzen völlig folgenlos bleiben. Nicht mal das „nahende Inferno“, die drohende Order 66, die immerhin zu einem interessanten Konflikt zwischen Commandos und ihren Jedi-Freunden geführt hätte, hat es in den Roman geschafft, sondern wird erst, wie ich nachträglich lese, in Band 4 „Order 66“ ausgerufen. (Und dabei hatte ich mich 480 Seiten darauf gefreut...)

Fazit: Karen Traviss dritter Teil ihrer „Republic Commando“-Romanreihe erzählt auf 500 Seiten überraschend wenig. Sie macht sich kluge Gedanken über das Schicksal von Klonsoldaten, die in einem Pulp-Universum wie dem von „Star Wars“ allerdings ein wenig zu ernst wirken, und ansonsten begnügt sie sich darin, die Zusammengehörigkeit ihrer Protagonisten zu beschwören – ein paar aufrechte Mando'ade gegen den Rest der Galaxis. Das alles wäre okay, wäre es der B-Plot zu einem dramatischen Abenteuer. Aber es ist der A-Plot und die B-Plots werden nur angedacht und bleiben dann in der Luft hängen (Stichwort: Untergrund-Trooper, geheime Klonarmee usw.). Für Fans der Mandalorianer-Kultur frei nach Traviss sicher eine herrliche Fundgrube, begeisterte Zocker des Ego-Shooter „Republic Commando“ sollten lieber einen Bogen um die Geschichte machen: denn kultige Action ist was anderes.


Republic Commando: True Colors
Film/Serien-Roman
Karen Traviss
Panini Books 2008
ISBN: 978-3-8332-1653-4
505 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,00

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