von Bernd Perplies
Mensch, ist das lang her, dass Luke Skywalker noch ein unbedarfter Farmerjunge war, Han Solo ein egozentrischer Schmuggler und Prinzessin Leia eine glühende Verfechterin der Rebellenallianz, die soeben ihren Heimatplaneten verloren hatte – sicher gefühlte 30 Jahre. Wenn man daran denkt, wie viel die Helden von damals in der Zwischenzeit durchgemacht haben (Heiraten, Kinderkriegen, Thrawn, der Klonimperator, Admiral Daala, die Yuuzhan Vong und aktuell den Bürgerkrieg zwischen Corellia und Coruscant), wie mächtig sie geworden sind, wie zynisch, wie gereift, dann bekommt man wirklich den Eindruck, durch ein Fenster in der Zeit zu schauen, wenn man davon liest, dass Luke kaum ein Lichtschwert halten kann, Han Solo lieber heute als morgen der Rebellion den Rücken kehren würde und Leia von tiefer Trauer erfüllt auf die Trümmer ihres Heimatplaneten Alderaan blickt.
Es gab bislang nicht viele literarische Ausflüge in jene Jahre zwischen „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ und „Episode V: Das Imperium schlägt zurück“. Alan Dean Foster schrieb noch 1978 „Skywalkers Rückkehr“, ein Roman, der sich noch heute nur mit Biegen und Brechen in den Kanon einfügen lässt – und heutzutage werden ja sogar Marvel-Comics kanonisiert! Und Timothy Zahn verfasste 2007 einen (deutlich besseren) Roman namens „Treueschwur“, der neben unsere Heroen auch die frühen Jahre von Mara Jade zum Inhalt hatte. Ansonsten aber war jene Zeit mehr oder minder Tabu für Autoren, abgegrast schon vor Jahrzehnten von der Comic-Industrie, hier insbesondere den Marvel-Heftchen und den Zeitungs-Comic-Strips von Archie Goodwin und Al Williamson. Es waren eher wilde Abenteuer, die dort erzählt wurden, aber die Zeitlinie schien so lückenlos, dass neue Autoren dort nur schwer hineindrängen konnten.
Alex Wheeler hat es „Rebel Force: Im Fadenkreuz“ jetzt versucht (und ignoriert dabei geflissentlich all die zeitgleich angesiedelten Bildergeschichten). Im Detail: Nach der Vernichtung des Todessterns haben die Rebellen zwei Probleme. Zum einen sucht das Imperium fieberhaft nach dem Piloten, der für die Zerstörung der Kampfstation verantwortlich ist (auch dazu gab es schon Comics). Zum anderen gingen bei der Vernichtung Alderaans ein Großteil der Geldmittel der Allianz verloren. (Der Roman zur Finanzkrise sozusagen. :-) ) Die letzte Hoffnung der Rebellen sind die geheimen Bankkonten in der Schweiz – pardon: auf Muunilinst –, dem ehemaligen Sitz des intergalaktischen Bankenclans und Zentrum des galaktischen Geldwesens. Luke, Han, Leia, Chewie und die Droiden C-3PO und R2-D2 machen sich daher auf den Weg dorthin. Doch der beste Attentäter des Imperiums ist ihnen bereits auf der Spur.
Auf der Habenseite verzeichnet der Roman sicher für sich, dass die Figuren allesamt sehr gut getroffen sind. Luke ist noch immer der unbedarfte Junge von Tatooine, der noch nichts von der Welt gesehen hat und für den die Macht kaum mehr als eine raunende Stimme im Hinterkopf ist. Han gibt den großmäuligen Schurken, der aber irgendwie doch nicht von der Rebellion loskommt. Und Leia … naja, eigentlich habe ich es oben ja schon geschrieben. Der vielleicht interessanteste Charakter ist hingegen der Neuzugang X-7, ein imperialer Attentäter, dessen Identität durch Folter gelöscht wurde und der jetzt der perfekte Undercover-Agent ist. Er schleicht sich bei der Rebellion ein, um nach den Leuten zu suchen, die den Todesstern zerstört haben. Wie sich seine Figur entwickelt, dürfte zu den spannenderen Fragen der Romanreihe gehören.
Einigen netten kleinen Gastauftritten von „klassischen“ Charakteren wie General Dodonna und Crix Madine (zu dieser Zeit noch ein Imperialer) stehen leider ein paar eher uninspirierte „Verbindungsstreifen“ zur Prequel-Trilogie gegenüber. Dass die Helden ausgerechnet nach Muunilinst müssen, mag ja noch angehen. Warum sie aber dort unbedingt in ein Podrennen verwickelt werden müssen, wie weiland Obi-Wan und Qui-Gon Jinn mit dem jungen Anakin, frage ich mich wirklich. Als gäbe es seit „Episode I“ keine anderen Risikosportarten mehr im Universum. Hier hat Alex Wheeler die Geschichte dann doch ein wenig zu deutlich aus Filmversatzstücken zusammengebastelt, statt Eigenes in das Universum einzubringen.
Fazit: „Star Wars – Rebel Force 1: Im Fadenkreuz“ ist ein sehr gradliniges kleines Abenteuer, das seine Charaktere gut einfängt, allerdings einige Classic-Feeling-Punkte dadurch verschenkt, dass mal wieder die Politik verfolgt wird, Prequel-Zeit und klassische Trilogie durch Orte, Ereignisse und Personen zu verknüpfen. Es fehlt zudem ein wenig an ungewöhnlichen eigenen Ideen. Netter Lesestoff für Zwischendurch – allerdings mit einem Preis von fast 8 Euro etwa 2 Euro zu teuer.
Star Wars – Rebel Force 1: Im Fadenkreuz
Film/Serien-Roman
Alex Wheeler
Panini Books 2009
ISBN: 978-3-8332-1878-1
176 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 7,95
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