Star Wars: Dunkles Nest II: Die verborgene Königin

Der Krieg zwischen den blauhäutigen Chiss und den insektoiden Killiks konnte abgewendet werden, die Killiks bekamen neue Welten zur Besiedelung zur Verfügung gestellt, das Dunkle Nest schien überwunden. Am Ende des ersten Bandes der „Dunkles Nest“-Trilogie von Troy Denning dachte Luke Skywalker, jetzt sei alles in Ordnung. Selten hat der Jedi-Meister so falsch gelegen. Der Konflikt hat gerade erst begonnen.

von Bernd Perplies

Trilogien haben im „Star Wars“-Franchise eine lange Tradition. Das beginnt mit der klassischen Filmtrilogie und später der Prequel-Trilogie und setzt sich auch im Expanded Universe in zahlreichen Romantrilogien fort: Timothy Zahn „Erben des Imperiums“-Trilogie, K. W. Jeters „Kopfgeldjäger“-Trilogie, Roger McBride Allens „Corellia“-Trilogie und, nun aktuell, Troy Dennings „Dunkles Nest“. Bemerkenswert ist dabei, das ein Konflikt, der in Band 1 losbricht, auch in Band 1 gelöst wird – nur um in Band 2 mit doppelter Härte wiederzukehren. Ich sage nur: „Das Imperium schlägt zurück“.

Die Käfer schlagen zurück

Hier schlagen die Killiks zurück. Dabei wirkte am Ende von „Die Königsdrohne“ alles in Butter. Die Grenzkonflikt zwischen den Chiss und den Killiks, der am Rande der bekannten Galaxis schwelte, war durch das Angebot der Galaktischen Allianz, den Insekten eine Reihe neuer Welten zum Siedeln anzubieten, scheinbar beigelegt worden. Auch das Dunkle Nest, ein verborgener Teil des Insektenvolks, der durch zwei gefallene Jedi (Lomi Plo und ihren Schüler Welk) korrumpiert worden war und durch seinen negativen Einfluss auf das kollektive Unterbewusstsein der Insektenspezies die aggressive Expansionspolitik der Killiks erst hervorgerufen hatte, schien ausgeschaltet – auch wenn Lomi Plo entkommen konnte und die Twi’lek-Jedi Alema, eine Mitschülerin der Solo-Sprößlinge Jacen und Jaina, der Dunklen Seite verfallen war.

Doch das Folgejahr sollte zeigen, dass die Killiks mitnichten auf Frieden aus sind. Piraten und Schmuggler stören das Leben in der Galaktischen Allianz und so genanntes Schwarzes Membrosia (irgendein Raschmittel) macht die Insektenvölker der Galaxis den Killiks hörig – oder stürzt sie ins Chaos. Doch auch die Killiks selbst haben Probleme. Ihre neuen Heimaten im Utegetu-Nebel werden vom Fizz heimgesucht, einer seltsamen Seuche, die Insekten und deren Technik gleichermaßen angreift. Da die Killiks die Jedi für ihre Lage verantwortlich machen – immerhin schenkten diese ihnen diese Planeten –, ist es an Luke Skywalker, zu beweisen, dass dem nicht so ist. Die Galaktische Allianz unter Staatschef Cal Omas hat derweil alle Hände voll zu tun, die Insekten davon abzuhalten, in ihre alte Heimat zurückzukehren und die Chiss zu einem neuen Krieg zu provozieren.

Schwacher Start, aber stark in der Zielgeraden

„Die verborgene Königin“ beginnt so banal, dass man sich fragt, ob man in die alten Zeiten zurückgekehrt ist, in denen „Star Trek“-Autorinnen „Star Wars“-Romane ohne „Wars“ verfassten. Insekten, die Piraten anheuern, für Unruhe zu sorgen. Eine Seuche namens Fizz. Die Galaxis schaudert angesichts solcher Bedrohungen. Abgesehen davon fragt man sich nach Hundert Seiten ernsthaft, wie lange die Jedi noch auf das doppelte Spiel hereinfallen wollen, das die Killiks unter der Herrschaft des einstigen Jedi Raynar Thul (er war mit Lomi Plo und Welk seinerzeit auf der Killik-Welt Yoggoy abgestürzt und sich – wie sie – zum Herrn der Fliegen… äh… Killiks aufgeschwungen) treiben.

Interessanter sind die persönlichen Konflikte, die Denning aus dem Zyklus „Das Erbe der Jedi-Ritter“ mitnimmt und in Richtung der nach seiner Trilogie folgenden Reihe „Wächter der Macht“ (engl. „Legacy of the Force“) aufbaut. So verwandelt sich Jacen Solo zunehmend in einen undurchsichtigen und selbstsüchten Charakter, der spürbare Parallelen zu Anakin Skywalker aus der Zeit der Klonkriege aufweist. Interessanterweise wird Anakins Skywalkers Fall sogar zeitgleich zum Thema einer Nebenhandlung rund um R2-D2, der offenbar alle Schlüsselszenen zwischen Anakin und Padmé während den Ereignissen von „Die Rache der Sith“ mitgefilmt hat und diese nun – höchst widerwillig – Luke, Mara und Jacen preisgibt. Dass Jacen die Hinwendung Anakins zur Dunklen Seite miterleben darf, und wie er darauf reagiert, ist ein spannender Vorverweis auf sein eigenes Schicksal und zeigt, wie generalstabsmäßig die „Star Wars“-Historie mittlerweile geplant wird.

Gegen Ende zeigt sich dann, dass ein Krieg gegen die Killiks kaum noch abzuwenden ist – und eine furiose Raumschlacht, die entbrennt, als die Galaktische Allianz versucht, den Insekten den Ausbruch aus dem Utegetu-Nebel zu verweigern, lässt den Roman, wie es sich für einen guten zweiten Teil einer Trilogie gehört (Ich sage nur: „Angriff der Klonkrieger“) mit einem dramatischen Cliffhanger enden: Begonnen die Schwarmkriege haben…

Fazit: Der Roman „Die verborgene Königin“ hat sowohl seine Schwächen als auch seine Stärken. Der Anfang rund um den mysteriösen „Fizz“ wirkt ein wenig banal – der Handlungsstrang wird auch einfach unaufgelöst fallengelassen. Dafür gefallen die persönlichen Konflike, etwas Jacens sukzessive Abkehr von der hellen Seite der Macht oder der Konflikt zwischen dem Jedi-Orden und der Führungsspitze der Galaktischen Allianz. Das Ende ist gleichzeitig der Auftakt des Schwarmkriegs, der in Band 3 ausgefochten wird.

PS: Übrigens sieht das Cover mit der Photoshop-Leia ganz seltsam aus. Hier wurde offenbar ein Promo-Still aus „Das Imperium schlägt zurück“ genommen, dann verpasste man der Prinzessin ein paar graue Strähnen und ein Lichtschwert, das, wie es scheint, von Männerhänden gehalten wird. Sehr surrealer Effekt…


Star Wars: Dunkles Nest II: Die verborgene Königin
Film/Serien-Roman
Troy Denning
Blanvalet 2008
ISBN: 978-3-442-26567-1
382 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,95

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