von Frank Stein
Der vorliegende Softcover-Band enthält die ins Deutsche übersetzten Ausgaben der US-Comics „Star Wars: The High Republic Adventures (Phase III)“ #17-20, die zwischen April und Juli 2025 erschienen sind. Bei uns ist das Ganze im April 2026 im Softcover bei Panini Comics erschienen. Geschrieben wurde die Geschichte von Daniel José Older. Die Zeichnungen stammen von Harvey Tolibao, die Farben von Michael Atiyeh. Im Finale wurde also auf das bewährte Kernteam zurückgegriffen.
Zu Beginn brennt nach wie vor der Himmel über Eriadu City. Die Nihil unter Generalin Viess haben praktisch alles aufgefahren, was an Truppen verfügbar war, um den rebellischen Planeten in einem Exempel zu zerschmettern. Doch die Eriaduaner wehren sich ebenso tapfer wie die dort versammelten Truppen der Republik, ganz zu schweigen von einer großen Riege Jedi-Ritter und ihrer Begleiter, die eben noch die Hochzeit von Zeen Mrala und Lula Talisola gefeiert haben und jetzt die Waffen sprechen lassen.
Vor allem der Jedi Farzala steht dabei vor einer dramatischen Entscheidung. Der Aufseher, ein fieser Unterboss der Nihil, greift den Lava-Reaktorkern des benachbarten Bri-Phrang-City ein. Würde dieser destabilisiert, käme es zur Katastrophe mit Millionen Toten. Farzala sitzt zwar an einer gewaltigen Schiffsabwehrkanone, aber die Zielerfassung ist schlecht. Wenn er danebenschießen würde, wäre er persönlich für die Pulverisierung ganzer Häuserblocks im benachbarten Bri-Phrang City verantwortlich. Eine Entscheidung, die für den jungen Jedi beinahe unmöglich ist …
Wie gesagt: Am Ende kracht es nochmal so richtig über Eriadu City. Unterstützt durch den wimmeligen Zeichenstil von Harvey Tolibao schreibt Daniel José Older Action und persönliches Drama von der ersten bis zur … nun ja … 58. Seite. Vor allem Farzala muss dabei über sich selbst hinauswachsen und seine Vergangenheit loslassen. Interessant ist, wie Older Farzalas Ringen mit sich selbst als Lichtschwertkampf mit seinem alten, exzentrischen Meister Obratuk inszeniert, eine Wahl, die natürlich für mehr Dynamik und schicksalhafte Tiefe sorgt, als wenn Farzala einfach hadernd in seiner Feuerleitstelle gesessen hätte. Aber nicht nur er ist gefordert; auch alle anderen, von Zeen Mrala und Lula Talisola über Quort und Yaddle bis hin zu Crash, Gavi, Meisterin Sav, Sian und wie sie alle heißen müssen noch einmal alles für die Freiheit von Eriadu geben.
Am Ende steht ein Sieg – natürlich. Die Comic-Reihe ist vorbei und auch das Projekt „Die Hohe Republik“ findet ihren Abschluss. Es folgt eine stille Zeremonie in den Trümmern der Stadt, die der Toten dieses Krieges gedenkt und dann, von Panel zu Panel mehr, in eine Feier übergeht, die Neuanfang symbolisiert. Auch hier wählt Older eine interessante Form, denn die letzten 16 Seiten werden komplett ohne Dialog montiert, nur untermalt von dem Lied, das schon so viele Male in dieser Comic-Reihe zu hören war. „Erinnerungen wogen schwer …“ Ritter werden ernannt, Orden verteilt, es wird ein Baum gepflanzt und getanzt und dann dürfen sie sich küssen.
Was bleibt? Die „Abenteuer“-Reihe hat es einem nicht immer leicht gemacht. Oft herrschte ein Potpourri an Geschichten vor, das Mosaiksteinen gleich zwar zum großen Ganzen des Projekts „Die Hohe Republik“ beitrug, aber für sich genommen ein wenig belanglos blieb. Dabei wurde das Personal immer größer und größer, da auch Figuren aus Phase II recht schmerzlos zu langlebigen Aliens erklärt wurden, die alle auch in Phase III noch umherspringen. In den letzten Sammelbänden ging es sehr lang um die Bedrohung auf Eriadu, mit teils spektakulärer Action, aber doch wenig Inhalt.
Wofür die Reihe aber ganz klar mehr als jeder andere Beitrag des Literaturprojekts stand, war Vielfalt. Mehr Diversität bezüglich Hautfarben, Liebes- und Lebensmodellen gab es wohl nirgends. Alles in allem grell und bunt und etwas ziellos wie ein Jahrmarktsbesuch – und mit fortschreitender „Stunde“ dennoch zunehmend unterhaltsam.
Fazit: „Star Wars – Die Hohe Republik: Abenteuer 16 – Das Ende des Krieges“ ist ein gelungener Abschluss der Comic-Reihe und fügt sich gefällig in die Riege der verschiedenen Abschlüsse in Roman- und Comic-Form ein. Nach einem finalen persönlichen Drama, das der ganz im Fokus stehende Jedi Farzala durchleben musste, können die Nihil endlich geschlagen werden – und den Schluss bildet nach all dem Tod eine gefühlvoll inszenierte Feier des Lebens. Ich war, ganz ehrlich, nicht mit jedem Band der „Abenteuer“-Reihe glücklich. Dieser letzte versöhnt mich aber doch sehr.
Star Wars – Die Hohe Republik: Abenteuer 16 – Das Ende des Krieges
Comic
Daniel José Older, Harvey Tolibao, Michael Atiyeh
ISBN: 978-3-7416-4605-8
100 S., Softcover, deutsch
Preis: 15,00 EUR
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