von Bernd Perplies
Der achte Roman der zehnbändigen Jugendbuchreihe von Jude Watson trägt den Titel „Gegen das Imperium“, und der Titel ist in der Tat Programm auf den 133 Textseiten (plus Glossar). In mehreren Handlungssträngen werden einige der Schrecken des Vorgängerbandes wieder gutgemacht. So tüftelt die Widerstandsgruppe auf dem Planeten Belassa eine Rettungsmission für eine der ihren aus, die im letzten Roman bei der Infiltration einer imperialen Anlage entdeckt wurde. Auf Coruscant hat sich der junge Trever Flume unterdessen in die Imperiale Akademie eingeschrieben, um den machtbegabten Knaben Lune zu retten, der mit seiner Mutter Astri bei den Rebellen um Dexter Jettster lebte, nun aber von seinem Vater, dem imperialen Gouverneur Bog Dinivan, entführt worden war. Dieser hat Großes mit seinem Sohn vor, weswegen er ihn auch freiwillig Darth Vader für ein fragwürdiges Experiment zur Verfügung stellt.
Vader nämlich will endlich seine Vergangenheit hinter sich lassen. Die Erinnerung an seine Zeit als Anakin Skywalker – und an seine Liebe zu Padmé – steckt ihm wie ein Dorn im verbrannten Fleisch. Daher lässt er gefährliche Drogen-Experimente an „Freiwilligen“ durchführen, die es ihm letztlich ermöglichen sollen, eine innere Distanz zwischen sich und diese unliebsamen Fragmente in seinem Geist zu legen. Zur gleichen Zeit verfolgt Ferus Olin, neben seinem offiziellen Auftrag für den Imperator, weitere Jedi aufzuspüren, sein Privatprojekt, hinter das Geheimnis des Mannes mit der schwarzen Maske zu kommen. Sein Weg führt ihn dabei in das ImPal, den gewaltigen Medo-Komplex, in dem Vader (wie wir Kenner von „Episode III“ wissen) einst das Licht der Welt erblickte.
Eins muss man Jude Watson lassen: In den Romanen der Reihe „Der letzte Jedi“ passiert auf 133 Seiten so viel, wie in den Romanen anderer Autoren auf 300 Seiten nicht. „Hastig“, würde der Skeptiker diesen Stil beschreiben, „verdichtet“ wäre wohl der freundlichere Ausdruck. Alles geht schnell: entweder schnell gut oder schnell schief. Das zeigt sich vor allem im Handlungsstrang um Trever, der kaum zwei Tage in der Akademie verbringt, bevor er schon wieder flieht. Wer gehofft hat, ein bisschen etwas über das Leben in den Ausbildungsstätten des Imperiums zu erfahren, muss sich mit wenigen Häppchen zufriedengeben. Überraschend, aber eigentlich ganz nett, ist die Fluchthilfe, die Trever am Ende erhält – wenngleich der Begriff „Deus ex machina“ an dieser Stelle durch die Seiten zu geistern scheint.
Wie in jeder guten Serie gelingt es Watson, den Leser nicht zuletzt dadurch bei der Stange zu halten, dass etliches nicht verraten wird. Kommt Ferus Vader auf die Spur und was passiert dann? Wer ist die geheimnisvolle Flame, die alle versprengten Widerstandszellen gegen das Imperium zu einem Netzwerk verknüpfen will? Und welche Cameos zaubert die Autorin als nächstes aus dem Hut? (Diesmal grüßt, nicht nur vom Cover, einmal mehr Obi-Wan Kenobi aus dem fernen Exil auf Tatooine.) Auf all diese Fragen erhofft man sich baldige Antwort – und es mögen bitte gute Antworten sein (gerade im Hinblick auf die Geschichte Vader-Ferus), denn der „Star Wars“-Kanon verzeiht nicht so leicht, wie ich es tue. ;-)
Fazit: Nach dem eher unbefriedigenden letzten Band, mischt Watson in „Gegen das Imperium“ die Karten neu und errettet übergangsweise mal all ihre Figuren aus den Klauen des Bösen. Der Plot bewegt sich dabei an vielerlei Schauplätzen rasch voran, wobei vor allem Ferus Olins Jagd nach Vaders wahrer Identität für Spannung sorgt, während der Ausflug von Trever an die Imperiale Akademie eher kurz und oberflächlich bleibt.
Star Wars – Der letzte Jedi 8: Gegen das Imperium
Film/Serien-Roman
Jude Watson
Dino 2007
ISBN: 978-3-8332-1514-8
157 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 7,95
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