Star Trek – Vanguard 3: Ernte den Sturm

Wer Wind sät… kann auch im „Star Trek“-Universum den Sturm ernten. Und dieser Sturm droht den Taurus Sektor, die Raumstation Vanguard und die gesamte Föderation ins Chaos zu stürzen. Nur das Team um Commodore Reyes kann die Katastrophe noch abwenden, aber nur auf Kosten eines furchtbaren Preises…

von Andreas Loos

 

David Mack, der Autor des ersten „Star Trek – Vanguard“-Romans „Der Vorbote“, meldet sich zurück, um die Ereignisse rund um die Raumstation Vanguard eindrucksvoll und spannend in Szene zu setzen.

Und Action bitte…

Im Gegensatz zum letzten Band „Rufe den Donner“ verläuft die Handlung jetzt gradliniger, ohne jedoch an Komplexität oder Spannung einzubüßen. Vielmehr legt Mack noch etxra nach und brennt ein wahres Actionfeuerwerk ab. Aber auch die bereits in Gang gesetzten Intrigen der einzelnen Protagonisten werden gekonnt weitergesponnen. Der Leser kann sich freuen: Hier wird aus dem Vollen geschöpft, obwohl einige Aktionen der Protagonisten etwas pathetisch daherkommen.

Ungefähr sechs Wochen nach den Ereignissen des zweiten Bandes steht die Taurus Region kurz davor, Kriegsschauplatz zu werden. Die Klingonen und die Föderation jagen weiterhin den Geheimnissen des Metagenoms und den rätselhaften Artefakten, die in der Region verstreut sind, hinterher. Die Tholianer wollen unter allen Umständen verhindern, dass die beiden anderen Mächte mehr darüber erfahren. Die Schöpfer des Metagenoms, die uralten Shedai, sind aus ihrem Schlaf erwacht und haben ihre eigenen Pläne, die weit über die Taurus Region hinausgehen…

Wie die Zauberlehrlinge vor dem belebten Besen stehen die Protagonisten vor der Erkenntnis, dass das Metagenom mehr ist, als nur die Hinterlassenschaft einer toten Rasse, und dass die Bemühungen, das Rätsel zu lösen, mächtige Geister heraufbeschworen hat, denen man ziemlich machtlos gegenübersteht. Alles deutet darauf hin, dass der Schlüssel der Geheimnisse der Taurus Region auf dem vierten Planeten in dem abgelegenen Jinoteur System zu finden ist.

Das kleine Spähschiff U.S.S. Sagittarius wird deshalb zu einer Erkundungsmission entsandt. Mit an Bord befindet sich der Xenoarcheologe Lt. Ming Xiong, der ausnahmsweise keine Gewissensbisse haben muss, etwas auszuplaudern, denn diesmal ist die Besatzung in die Geheimnisse der Mission eingeweiht. Die Mission zum Jinoteur System verläuft (natürlich) nicht ganz so glatt, wie es sich Ming Xiong und die Crew der U.S.S. Sagittarius erhofft haben. Wie auf dem Cover des Buches (stammt übrigens aus der Feder von Doug Drexler, einem weiteren Veteranen des „Star Trek“-Franchise) unschwer erkennbar ist, stößt das kleine Spähschiff auf einen Klingonischen D-5 Kreuzer, was gemessen an den anderen Gefahren des Jinoteur Systems allerdings nur ein kleineres Problem darstellt.

Unterdessen wird die Psyche von Commodore Reyes, dem Kommandanten der Raumstation Vanguard, auf eine besondere Zerreißprobe gestellt. Die Kolonie auf Gamma Tauri IV, einem Fundort des Metagenoms, möchte auf den Schutz der Föderation verzichten. Die Klingonen strecken bereits ihre Finger nach dem System aus. Dass seine Exfrau Jeanne Vinueza die eingesetzte Präsidentin der Kolonie ist, verkompliziert die Situation zusätzlich.

Reyes hat immer wieder die hehren Ideale der Sternenflotte für die Bewahrung der Geheimnisse des Metagenoms kompromittiert. Nun muss er erkennen, dass diese Geheimnisse möglicherweise nur auf Kosten eines hohen Blutzolls bewahrt werden können.

Die Tätigkeiten der JAG Anwältin Rana Desai treten in der Handlung eher in den Hintergrund, dennoch stellt sie weiter Nachforschungen an, die auf beunruhigende Weise auf eine Verbindung zwischen ihrem Liebhaber, Commodore Reyes, und den Orionischen Kaufmansprinzen und Verbrecherboss Ganz hinweisen.

Der Pate des Taurus Systems gewährt dem Leser indessen einen Einblick in das kaum vorhandene Privatleben eines Syndikatschefs und gibt dabei einige mehr oder weniger überraschende Fakten preis. Auch Föderationsbotschafter Jetanien, der Rigelianische Chelone, bekommt relativ wenig Handlung zugewiesen, was ich persönlich schade fand.

Botschafter Jetaniens persönliche Assistentin Anna Sandesjo, die als Doppelagentin für die Föderation und die Klingonen tätig ist, sieht sich mittlerweile auf einen Interessenkonflikt zwischen ihrer Loyalität zu ihrem Auftraggeber, dem Klingonischen Geheimdienst, und der leidenschaftlichen Affäre mit der labilen Vulkanierin T’Prynn zusteuern. Der Verrat an ihrem Klingonischen Erbe belastet sie genauso sehr, wie die augenscheinliche Gleichgültigkeit ihrer Liebhaberin.

Die Geheimdienstoffizierin T’Prynn hat mittlerweile große Mühe, ihre psychischen Probleme zu verbergen. Die ständigen Intrigen, welche die Vulkanierin gesponnen hat, sorgen nun dafür, dass sie sich in dem errichteten Netz aus Lügen und Täuschungen selbst verfängt. Ihre instabile Psyche ruft die beiden Stationsärzte M’Benga und Ezekiel Fisher auf den Plan, deren Bemühungen, T’Prynns Gesundheitszustand zu untersuchen, zusätzliche Komplikationen schafft. In dieser Stresssituation trifft sie folgenschwere Entscheidungen, an deren Auswirkungen Sie endgültig zu zerbrechen droht.

Indessen hat sich zwischen Tim Pennington, dem diskreditierten Journalisten, und dem heruntergekommenen Piloten Cervantes Quinn eine echte Freundschaft entwickelt (was sich darin wieder spiegelt, dass die beiden weniger zynische Kommentare austauschen). Jedoch kommen die beiden nicht lange in den Genuss, die aufgebaute Freundschaft auf einer ausgiebigen Zechtour auszukosten, denn auch sie werden erneut in die Geschehnisse in der Taurus Region hineingerissen.

Die Persönlichkeiten des offiziellen „Star Trek“-Universums üben wie auch in den vorangegangen Bänden dezente Zurückhaltung. Lediglich Carol Marcus („Star Trek II – Der Zorn des Kahn“) bietet den kongenialen (und von mir heimlich erwarteten) Konex zum offiziellen „Star Trek“-Kanon. Kleiner zusätzlicher Tipp: Erstes Buch Mose ;-).

Das Lektorat und die Übersetzung sind nach einigen ärgerlichen Ausrutschern im Vorgängerband „Rufe den Donner“ zu der Qualität des ersten Bandes zurückgekehrt. Damit löst sich auch der größte und im Großen und Ganzen einzige Kritikpunkt, den ich im Vorgängerband zu vermelden hatte, in Wohlgefallen auf.

Minipedia voller Spoiler

Als Extra wird diesmal ein ausführliches Lexikon mit Daten über die wichtigsten Personen, Orte und sonstige Begriffe der bisher erschienen „Star Trek – Vanguard“-Romane im Anhang dargeboten. Mitinbegriffen sind Informationen aus dem Band „Distant early Warning“ der (noch) nicht in Deutsch erschienen „Star Fleet Corps of Engineers“-Reihe, dessen Ereignisse vor den Geschehnissen der hier rezensierten Bücher liegen. Das Lexikon enthält jede Menge Hinweise auf den Inhalt des Romans und verrät auch die letzten hier preisgegebenen Informationen in kurzen und prägnanten Einträgen. Ich empfehle daher, die Lektüre der Minipedia ganz hinten anzustellen.

Es ist zwar angekündigt, dass die Reihe rund um die Station Vanguard fortgesetzt wird, meine Recherchen haben allerdings ergeben, das der vierte Band der Reihe erst Anfang 2009 unter dem Titel „Star Trek – Vanguard: Open Secrets“ in den USA erscheinen soll. Bis eine Übersetzung der Fortsetzung ins Deutsche vorliegt, dürfte also noch eine recht lange Zeit dauern.

Da der Cross Cult Verlag zwischenzeitlich den Fan mit weiterem Lesefutter in Sachen „Star Trek“ versorgen möchte, sollte die Wartezeit allerdings nicht allzu langweilig werden. Als nächstes stehen die Abenteuer der U.S.S. Titan („Star Trek X – Nemesis“) auf dem Plan, und ich bin gespannt, wie sich William Riker als Captain ohne Picard im Hintergrund macht.

Was in den USA schon längst gang und gäbe ist, findet dank dem Cross Cult Verlag nun auch hier Verbreitung: Gut geschriebene „Star Trek“-Romane, die das Franchise, wenn auch nur inoffiziell, mit Leben füllen, eine längst überfällige Frischzellenkur für ein Franchise, das nach dem TV-Aus von „Enterprise“ bereits als tot galt.

Fazit: Mit „Ernte den Sturm“ findet der Zyklus rund um die Raumstation Vanguard einen gelungenen (vorläufigen) Höhepunkt. Jede Menge Action wird dem Leser geboten, und auch persönliche Dramen kommen hier nicht zu kurz. Hier findet sich alles, was eine gute „Star Trek“-Geschichte ausmacht, aber eben ohne die von Leinwand und Mattscheibe bekannten Personen wie Kirk und Co. Bevor man sich diesen vorläufig letzten Band zu Gemüte führt, sollten aber unbedingt die vorangegangenen beiden Bände gelesen werden.


Star Trek – Vanguard: Ernte den Sturm
Film/Serien-Roman
David Mack
Cross Cult 2008
ISBN: 978-3-936480-92-4
458 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80

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