von Andreas Loos
Gerade als Picard meint, man könne nach einem Jahrzehnt der Kriege nun nach vorne blicken und wieder friedlich den Weltraum erforschen, nimmt er unvermittelt die Präsenz der Borg wahr. Admiral Janeway, die den Borg in der letzten Folge der TV-Serie „Star Trek: Voyager“ eine empfindliche Niederlage beigebracht hatte, glaubt, dass die Gefahr durch die Borg gebannt ist. Vielmehr ist sie der Ansicht, dass der Kommandant der Enterprise das Trauma der Assimilierung durch das Kollektiv und seine Taten als der Borg Locutus nicht überwunden hat. Aber der Captain ist sicher, dass die Borg damit begonnen haben eine neue Königin zu erschaffen, die dann den Angriff auf die Föderation leiten soll.
Admiral Janeway ist zwar von Picards Erklärung, er könne die Borg in seinem Geist hören, nicht überzeugt, trotzdem entsendet sie die ehemalige Drohne Seven of Nine, um der Enterprise bei einem möglichen Zusammentreffen mit den unheimlichen Cyborgwesen beizustehen.. Der Captain ist sich allerdings sicher, dass man nicht auf Seven warten kann und setzt sich über Janeways Befehle hinweg. Tatsächlich findet die Enterprise einen gewaltigen Borgkubus. Bei dem Versuch, die Borg zu stoppen, stellt die Besatzung des Sternenflottenschiffs allerdings fest, dass die Borg sich seit den letzten Begegnungen gewandelt haben. Picard und seine Mannen sehen sich gezwungen, zu wirklich drastischen und sehr riskanten Mittel zu greifen, um die Borg aufzuhalten.
Die Borg sind aber nicht das einzige Problem, mit dem Jean Luc fertig werden muss. Als Picard dem Klingonen Worf die Neuigkeit überbringen möchte, dass er von nun an der erste Offizier der Enterprise sein soll, lehnt dieser brüsk ab, da er sich wegen einer vergangenen Verfehlung für unwürdig hält. Derartig vor den Kopf geschlagen, muss Picard seinem neuen Counselor, der Vulkanierin T’Lana gegenübertreten. Diese hegt nicht nur gegen Worf extreme Vorbehalte, sondern stellt auch mit ihrer von Logik bestimmten Sichtweise ständig Picards Entscheidungen in Frage.
Der Fan bekommt vom J. M. Dillard einige Pillen zu schlucken, die für mich schwer verdaubar sind. Zum Beispiel kommen einige Ereignisse dem versierten Leser sehr bekannt vor. Besonders sei da der Prolog genannt, welcher fatal an den Prolog in „Star Trek: Der erste Kontakt“ erinnert. Der Plot und auch die Motivationen der Protagonisten, besonders die des vulkanischen Counselors, wirken oftmals an den Haaren herbeigezogen.
Wenn da nicht die fatale Ähnlichkeit zum Kinofilm wäre, müsste sich der Aufmacher hingegen in keiner Weise verstecken. Dillard arbeitet gekonnt mit starken Bildern und steigt sehr schnell in die Haupthandlung ein. Die introspektiven Momente, die Picard gegönnt werden, zählen meiner Meinung nach zu dem Besten, die tatsächliche Handlung fällt dagegen weniger spektakulär aus. In jedem Fall versteht es die Autorin, eine durchweg düstere Atmosphäre zu schaffen, die den Leser in Ihren Bann zieht.
Befremdet hat mich allerdings der Umgang und die Vorgehensweise bezüglich B4, dem geistig unbeweglichen Prototyp Datas, den die Besatzung der Enterprise abschaltet und demontiert, um ihn an das Daystrom-Institut zu schicken, damit er dort untersucht werden kann. Bei einem ähnlichen Ansinnen der Sternenflotte gegenüber Data (TNG 2. Staffel „Wem gehört Data?“), verteidigte Picard den Androiden leidenschaftlich; nun wird B4 schlicht deaktiviert, weil dieser nicht für sich selbst sprechen kann und in Unwissenheit der Konsequenzen der Prozedur zugestimmt hat. Alles in allem keine sehr angenehmen Ereignisse.
Außerdem hat Dillard sich ein paar üble Schnitzer in Bezug auf den „etablierten Kanon“, erlaubt. Das sich die Enterprise-E in eine Antriebs- und eine Untertassensektion aufteilen kann, ist zum Beispiel genauso wenig Teil des Kanons, wie die Behauptung, dass neuere Sternenflottenraumschiffe über die Möglichkeit verfügen, dank abgespeicherter Daten über romulanische Tarntechnologie binnen kürzester Zeit eine Tarnvorrichtung bauen zu können, sobald ein Admiral die Daten freigibt. Das hätte man meiner Meinung nach mit etwas Technogebrabbel besser lösen können.
Zum guten Schluss gibt es auch noch ein kleines Bonbon von Julian Wangler, der sich im Anhang ein paar Gedanken um die Rolle der Borg im Star Trek Franchise macht.
Fazit: Mit „Widerstand“ werden die Borg wieder als der Albtraum etabliert, der sie bei ihrem ersten Erscheinen in der Fernsehserie und auch im Kinofilm „Der erste Kontakt“ waren. Auf der Habenseite wird hier gekonnt mit düsterer Atmosphäre gearbeitet und ein paar neue Protagonisten werden eingeführt, deren Entwicklung sehr interessant werden dürfte. Die Handlung bleibt aber, weil sie oftmals an den Haaren herbeigezogen wirkt und in einigen Fällen auch grob gegen den etablierten Kanon verstößt, teilweise unbefriedigend. Trotz dieser Schwächen – aber vor allem wegen der düsteren, beklemmenden Stimmung, die den Roman beherrscht – ist der Roman den Kauf wert.
Star Trek TNG: Widerstand
Film/Serien-Roman
J. M. Dillard
Cross Cult 2010
ISBN: 978-3941248625
277 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80
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