von Henning Mützlitz
Nachdem das „Star Trek“-Universum mit der Romanreihe „Vanguard“ beim Cross-Cult-Verlag eine neue Heimat gefunden und einen überzeugenden Start hingelegt hat, folgt mit „Star Trek Titan“ nun eine Fortsetzung der aktuellen Zeitlinie im Jahr 2379, die mit ihrer Handlung direkt an den bislang letzten Kinofilm „Nemesis“ anknüpft. Der Titel „Eine neue Ära“ ist deshalb in vielerlei Hinsicht gut gewählt.
Inhalt
Der romulanische Praetor Shinzon, der mit einem Staatsstreich die Macht an sich gerissen hatte, ist tot, und das romulanische Imperium steht am Rande eines Bürgerkriegs: Politiker, Militär, der Geheimdienst Tal Shiar und die bislang unterdrückten Remaner kämpfen um die Macht. Ein Zusammenbruch des vormals so mächtigen romulanischen Sternenimperiums könnte das Gleichgewicht im gerade erst wieder befriedeten Alpha-Quadranten zerstören.
Um dies zu verhindern, schickt die Sternenflotte die U.S.S. Titan mit dem frisch gebackenen Captain Riker und seiner neu zusammengestellten Mannschaft (nur 15% menschliche Besatzung) nach Romulus, um dort zwischen den verfeindeten Gruppen zu vermitteln und humanitäre Hilfe zu leisten. Die Titan und ihre Besatzung waren eigentlich dafür gedacht, für einen längeren Zeitraum forschend in unbekannten Raum vorzudringen. Deswegen bricht die Besatzung des neuen Schiffs der „Luna“-Klasse recht skeptisch in den romulanischen Raum auf, sind doch die meisten von ihnen der bewaffneten Konflikte müde und freuen sich darauf, ihre Fähigkeiten bei der Erforschung der unbekannten Weiten einsetzen zu können.
Die Skepsis ist nicht unbegründet, denn schon bevor es überhaupt zu den ersten richtigen Verhandlungen aller Beteiligten kommen kann, sieht sich die Titan in einem Strudel aus Misstrauen, Intrigen und Hass gefangen, der kurz davor ist, alles im Chaos versinken zu lassen. Inmitten der drohenden Eskalation liegt es an Riker und seiner Mannschaft, eine Lösung zu finden, die zur dauerhaften Stabilisierung des romulanischen Imperiums führen kann.
Neue Crew – Alte Bekannte
Zur großen Freude der Trekkie-Fangemeinde wird dem Leser mit der Mannschaft der U.S.S. Titan keine komplett neue Crew präsentiert, sondern mit Captain William T. Riker und seiner Frau Deanna Troi zwei Hauptfiguren, die aus sieben Staffeln „The Next Generation“ und vier Kinofilmen bereits bestens bekannt sind. Als Captain ergibt sich für Riker, der zuvor 15 Jahre als Erster Offizier unter Jean-Luc Picard gedient hat, endlich die Möglichkeit, aus dem Schatten des legendären Captains zu treten. Den Autoren Michael A. Martin und Andy Mangels ist es dabei sehr gut gelungen, Rikers (und auch Deannas) Charakter aus der TV-Serie so zu adaptieren, dass man tatsächlich das Gefühl hat, mit „alten Bekannten“ zusammen nach Romulus zu fliegen.
Daneben nehmen im Rahmen der Haupthandlung einige weitere bereits bekannte Personen eine wichtige Rolle ein, von denen hier stellvertretend Tuvok genannt sein soll, der nach der Rückkehr der Voyager aus dem Delta-Quadranten erst an der Sternenflotten-Akademie lehrte und nun für den Geheimdienst im Einsatz ist. Des Weiteren begegnet man immer wieder Nebenfiguren, die ebenfalls aus den Serien bekannt sind: In der Crew sind dies zum Beispiel Schwester Alyssa Ogawa von der Enterprise und die Elaysianerin Melora Pazlar (DS9 „Das Melora-Problem“), bei den Romulanern der intrigante Tomalak (TNG) oder Commander Donatra (Nemesis).
Man bewegt sich also in bekanntem Raum und fühlt sich durchaus wohl mit dieser Crew und deren Captain. Trotz der Vielzahl an alten und neuen Protagonisten wird diesen vor allem in der ersten Hälfte des Romans viel Platz zur Vorstellung und Charaktervertiefung eingeräumt. Die Autoren sind um eine nicht-stereotypische Darstellung der vielen verschiedenen Rassen und Kulturen bemüht, was ihnen auch zum größten Teil gelingt. Das hat aber zur Folge, dass die Handlung nur etwas schwerfällig in Gang kommt, während der Leser vieles über die kleinen und größeren Probleme der Besatzungsmitglieder erfährt. Viel lieber wäre man stattdessen allerdings in manchen Momenten auf der Brücke und möchte Riker dabei zusehen, wie er dort endlich das letzte Wort haben darf.
Fazit: Die Autoren kennen sich bestens im „Star Trek“-Universum aus und präsentieren eine vor allem zum Schluss sehr spannende Geschichte mit glaubwürdigen und liebevoll entwickelten Charakteren. Die Handlung ist durchaus komplex, die verschiedenen Stränge werden am Ende jedoch elegant zusammengeführt und zum größten Teil aufgelöst. Besonderes Lob gilt der Ausstattung der deutschen Ausgabe: Neben ausklappbaren Farbtafeln mit Ansichten der Titan und einer hochwertig anmutenden Covergestaltung finden sich rund 20 Seiten Anhänge mit Erläuterungen zu Personen und Hintergründen. Für jeden Trekkie ist der Start der neuen Romanreihe ein absolutes Muss und für jeden, der anspruchsvollere Science-Fiction-Literatur mag, die beste Chance, zusammen mit „Star Trek“ in eine neue Ära aufzubrechen!
Star Trek Titan 1 – Eine neue Ära
Film/Serien-Roman
Michael A. Martin, Andy Mangels
Cross Cult 2008
ISBN: 3941248014
379 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80
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