von Bernd Perplies
LEMCHA OVIR heißt diese zweite Arche, die – wie auch die NETHACK ACHTON – vor rund 50.000 Jahren von den Lemuriern mit unbekanntem Ziel und Zweck gestartet worden war. Und so begeben sich Perry, die Besatzung der PALENQUE und ihre akonischen Zweckverbündeten, die Wissenschaftler der LAS-TOÒR, auf der berechneten Flugbahn des uralten Generationenschiffes auf Rendezvouskurs. Hier hofft man, mehr über die Hintergründe dieser seltsamen Gefährte zu erfahren und wie sie in Beziehung zu dem galaktischen Volk der Haluter stehen, die damals, vor vielen Jahrtausenden, noch als furchtbare Bestien die Galaxis heimsuchten, von den Bewohnern der Sternenarchen aber offenbar als Hüter verehrt werden.
An Bord der LEMCHA OVIR ist die Lage indes nicht gerade rosig. Im Laufe der 500 Jahre langen Reise – das Perryversum gehört zu den ganz wenigen, in denen Relativitätstheorie und das damit einhergehende Phänomen der Zeitdilatation unter Fast-Lichtgeschwindigkeit zumindest in Ansätzen berücksichtigt werden – kam es nicht nur zu vielen Mutationen und Krankheiten, auch ist die einst stolze Mannschaft gefährlich zusammengeschrumpft. Daher entscheidet der Sternensucher Atubur Nutai, dass sie eine Landung auf einem Planeten einlegen müssen, um wieder zu Kräften zu kommen. Leider entwickelt sich das Manöver zu einer Katastrophe, aus der Landung wird die Bruchlandung und am Ende sind die Hand voll Überlebenden auf dem Planeten gestrandet.
Glücklicherweise dauert es nicht lange, bis die Terraner und die Akonen auftauchen – na, das nenne ich mal einen Zufall – und anbieten, den Gestrandeten zu helfen. Doch dann fällt alle Energie aus – überall – und nun sitzen die Retter selbst in der Patsche. Und wie es scheint, ist irgendjemand für den gezielten Energieschwund direkt verantwortlich; ganz so unbewohnt, wie auf den ersten Blick angenommen, ist der Planet offenkundig nicht...
Rückblickend fällt es mir ein bisschen schwer, diese zweite Episode des „Lemuria“-Zyklus aus dem Heyne-Verlag zu beurteilen. Lesen tut sich die Geschichte von Hans Kneifel ganz nett, wenngleich ich zunehmend Schwierigkeiten hatte, die einzelnen Protagonisten zu unterscheiden. Sie haben Namen, sie haben möglicherweise eine Funktion, aber einen erkennbaren Charakter haben sie irgendwie nicht – ein Manko im Perryversum, auf das man immer wieder trifft. Perry steht erneut klar im Zentrum, ansonsten wird der Exil-Lemurierin Denetree ein wenig Zeit gewidmet und den Schiffbrüchigen der LEMCHA OVIR. Aber die Crews der PALENQUE und der LAS-TOÒR gehen praktisch völlig unter und bleiben weitgehend farblos. Leider.
Zudem, und das merkt man eigentlich erst, wenn man das Buch rückblickend zu beurteilen versucht, passiert eigentlich auf den ganzen 275 Seiten überraschend wenig. Die LEMCHA OVIR stürzt ab, Perry und Co tauchen vor Ort auf, man düst von Absturzstelle zu Absturzstelle, spricht Mut zu und bietet kurzfristige Hilfe an und dann, und erst ab da wird es wirklich spannend, entdeckt man eine uralte akonische Anlage im ewigen Eis des Pols. Und man lernt die scheuen Planetarier kennen. Und findet am Ende einen neuen Datenspeicher. Abgesehen von einem kleinen Twist, den wohl nur Veteranen wirklich schätzen können, war es das dann schon. Viel schlauer sind wir nicht geworden – okay, man darf nicht vergessen, dass noch vier Romane ausstehen, aber eine Richtung, eine Richtung...
Hans Kneifel selbst betrachtet die Geschichte augenscheinlich als Planetenroman und das trifft es wohl ganz gut. Die eigentlichen Abenteuer der Gruppe werden durch einen kleinen Abstecher auf einen Planeten, auf dem es einen eher wundersamen, denn gefährlichen Konflikt zu lösen gibt, unterbrochen und derweil man auf der Planetenoberfläche herumkurvt, wird der Hauptplot nur geringfügigst vorangetrieben (in gleicher Art war auch Hans Kneifels Beitrag zu der vorherigen „Odyssee“-Reihe, „Das Energie-Riff“, gewesen, in dem Perry Rhodan in einer Gefängniskolonie festgehalten worden war).
Als Raumschiff wird diesmal der „Kriecher“ der PALENQUE unter die Lupe genommen, im Anhang widmet sich Hartmut Kasper erneut unterhaltsam dem Thema „Höllenfahrt und Wunderländer – unterwegs in den vielen Welten der Science-Fiction“ (ein Mamutthema, das verständlicherweise nur überblicksartig – und dabei auch noch mit zahlreichen Abstechern in die Mythologie und Fantasy – behandelt werden kann).
Fazit: Der zweite Band der „Lemuria“-Reihe aus dem Perry-Rhodan-Universum treibt die Handlung eigentlich kaum weiter. Stattdessen lässt Hans Kneifel Perry und Co auf einem Planeten stranden und sich dort mit einer fremdartigen Lebensform auseinandersetzen. Dabei liest sich die Geschichte durchaus kurzweilig, wenn man auch bei der Menge an Protagonisten ein bisschen den Überblick verliert, wer wer ist. (Ist aber auch nicht sooo wichtig; alles nur Lakaien des Unsterblichen. ;-) ). Ich bin gespannt auf Band 3, in dem ein weiterer Veteran des Perryversums auf den Plan treten wird – Icho Tolot. (Wie, Name unbekannt... Okay, ich kenne ihn auch nicht. Soll aber ein alter Freund Rhodans sein!)
Perry Rhodan: Lemuria 2 – Die Schläfer der Zeiten
Science-Fiction-Roman
Hans Kneifel
Heyne 2004
ISBN: 3-453-53008-X
301 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 6,95
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