Pandaemonia 2: Die Stadt der Seelen

Phantastisch und atemberaubend geht es im zweiten Band der „Pandaemonia“-Trilogie weiter, denn: Wer die Macht über die Träume der Menschen besitzt, gebietet auch über ihre Gedanken.

von Yvonne Staller

 

Vivana macht sich zusammen mit ihrem Vater Nestor Quindal und dem Alben Lucien auf den Weg ins Pandaemonium, um Liam zu retten. Der Zugang liegt hinter dunklen Gängen tief unter der Stadt Bradost, und schon bald müssen sie erkennen, dass erdrückende Angst und Verzweiflung nur Vorboten von dem sind, was sie auf der anderen Seite des Tors erwartet. In Pandaemonium angekommen, müssen sie sich erst einmal von der Nachwirkung des Bösen im Tor erholen. Neben der Tatsache, dass sie in Pandaemonium nicht träumen können und somit keinen erholsamen Schlaf finden, müssen sie auch noch ständig auf der Hut vor Geistern, Untoten oder Dämonen sein. Nach einem Kampf macht die Gefährtengruppe schließlich einen Dämon gefügig, um dessen Wissen auszunutzen und Liam und das Gelbe Buch Yaro D'ar zu finden.

Währenddessen erholt sich Jackon von dem Kampf im Palast und glaubt, dass in dem Kampf sein einziger Freund Liam ums Leben gekommen ist, was ihn tief erschüttert. Nur durch ihn hatte sich Jackon im Palast heimisch gefühlt, und nun ist er wieder alleine, verloren in einer Welt, die er nicht versteht. Gerade in dieser Phase schafft es Lady Sakra umso besser, ihn an sich zu binden und seine Gabe als Traumwanderer auszuweiten, damit er eines Tages gegen Aziel, den Herrscher der Traumwelt, kämpfen kann. Doch noch ahnt Jackon nicht, welche Gefahr dieser Kampf mit sich bringt und welchen Schaden die Herrschaftsübernahme von Lady Sakra anrichtet.

„Die Stadt der Seelen“ ist der zweite Band aus der phantastischen „Pandaemonia“-Trilogie von Christoph Lode. Da das Buch direkt an seinen Vorgänger „Der letzte Traumwanderer“ anknüpft, sollte man dieses vorher unbedingt gelesen haben.

Man merkt der Geschichte an, dass sie Mittelteil einer Trilogie ist, da die Handlung zwar voran geht, aber nur wenige/keine Erzählstränge zu Ende gebracht werden. Das Buch endet deswegen mit einem gemeinen Cliffhanger, der es kaum möglich macht, bis zum Herbst 2011 zu warten, bis der dritte und letzte Band „Phoenixfeuer“ erscheint.

Etwas langatmig war jedoch die erste Hälfte dieses Romans, in der es im Gegensatz zu der „realen“ und der Traumwelt um das Pandaemonium, eine Dämonendimension, geht. Im Gegensatz zu der Annahme, dass es in einer Dämonendimension gefährlich, düster und bedrückend zugeht, ist dem leider nicht so, und auch die auftauchenden Dämonen und Untoten wirken eher „menschlich“ als „dämonisch“. Viel besser ist es Christoph Lode gelungen, die Traumwelt dem Leser näher zu bringen. Im ersten Band lernte man die Seelenhäuser kennen, und nun im zweiten Band springt man gemeinsam mit Jackon durch das Reich der Träume, lernt die Träume anderer Menschen zu beeinflussen und Albträume zu formen, die dann ins Gefecht geschickt werden. Man erfährt zudem Näheres über die Machenschaften und Pläne von Lady Sakra und die damit verbundenen Gefahren. Jedoch werden nicht alle Rätsel gelüftet, welche die Herrscherin umgeben, sondern es tauchen immer wieder neue auf.

Mit viel Liebe zum Detail hat Christoph Lode eine wunderbare Welt erschaffen, die mit brillantem Schreibstil überzeugt. Dabei wirkt der zweite Band jedoch nicht ganz so rund wie der erste. Die erste Hälfte des Romans, die im Pandaemonium spielt, zieht sich etwas und wirkt langatmig. Erst in der zweiten Hälfte nimmt der Roman deutlich an Spannung zu. Die Handlung kehrt nach dem Ausflug in die Dämonenwelt nach Bradost und in die Traumwelt zurück und findet zu neuer Stärke. Die Geschichte wird dank interessanter Wendungen sehr spannend, und der Leser verfolgt intensiver die Geschehnisse. Christoph Lodes lässt die Geschichte schließlich in einem hochdramatischen Finale enden.

Während dieser packenden Lesereise taucht man in eine Fantasy-Welt ab, in der man umgeben ist von Unmengen an verschiedensten Charakteren, wie zum Beispiel den Manusch, Dämonen, Traumwanderern und Alben. Aber auch die Protagonisten haben nichts von ihrem Charme oder Ausstrahlung verloren, sodass der Leser regelrecht das Gute oder das Böse in ihnen spürt.

So wurde der Hauptprotagonist Jackon nun zu Lady Sakras Leibwächter und findet mehr und mehr Gefallen an dem Luxus, der ihn umgibt. Je stärker er jedoch Zuneigung und Dankbarkeit ihr gegenüber empfindet, desto mehr fühlt er sich wegen der Freundschaft zu Liam zerrissen. Diese innere Zerrissenheit wird packend geschildert, und der Leser kann mit ihm sehr gut mitfühlen.

Fazit: „Pandaemonia“ ist eine sehr gut gelungene Fantasy-Trilogie, die in diesem Band zwar eine kleine Schwäche aufweist, aber durchaus interessante und tiefgründige Charaktere sowie einen gelungenen Spannungsbogen bietet. Freunde gut geschriebener Phantastik werden an dieser Reihe mit Sicherheit ihre Freude haben. Eine absolute Empfehlung!


Pandaemonia 2 – Die Stadt der Seelen
Fantasy-Roman
Christoph Lode
Goldmann 2011
ISBN: 78-3-442-47174-4
496 S., broschiert, deutsch
Preis: EUR 12,00

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