Pandaemonia 1: Der letzte Traumwanderer

Jackon ist ein Traumwandler, der letzte, den es gibt. Liam ist der Sohn eines Blitzsammlers. Zwei Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und sich dennoch bald begegnen ...

von Yvonne Staller

 

 

Jackon ist Schlammtaucher in den Abwasserkanälen der Metropole Bradost, und er lebt von dem, was die Kanäle an Fundstücken hergeben. Doch er hat es nicht leicht, denn die anderen Schlammtaucher verachten ihn und machen ihm das Leben schwer. Denn sie haben Angst vor ihm. Angst vor den Nächten, in denen Jackon in ihren Träumen auftaucht. Dazu kommt, dass er seit Tagen von Tieren beobachtet und verfolgt wird, die in den den Diensten der Lady Sarka stehen. Die Herrscherin hat sich vor fünf Jahren an die Macht geputscht und regiert seitdem voller Grausamkeit über das Land. Außerdem hat sie ein Auge auf Jackon geworfen, da er eine Gabe hat, die ihr helfen könnte, ihre Macht auszuweiten und von der Jackon selbst bisher nichts ahnte.

Liam ist ein Blitzsammler und musste zusehen, wie sein Vater von den Schergen der Königin, den Spiegelmännern, ermordet wurde. Dessen letzte Bitte war, das Gelbe Buch von Yaro D'ar zu finden und den Phönix zurückzuholen, welcher der Schreckensherrschaft von Lady Sakra ein Ende bereiten kann. Doch dafür muss er sich in ihre Festung einschleichen ...

„Der letzte Traumwanderer“ ist der erste Teil der Trilogie „Pandaemonia“ von Christoph Lode. Nachdem er bisher zwei historische Romane veröffentlicht hat, legt er mit diesem Buch eine spannende Fantasy-Geschichte vor. Dieser überzeugende Genre-Debütroman ist ein echter Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, sondern einfach immer weiter lesen will.

Dazu entführt der Autor in die Metropole Bradost, die zwar ein bisschen viktorianisch anmutet und aufgrund ihrer Dampfmaschinen und Zeppeline faszinierend, aber dank der düsteren Stimmung auch beklemmend wirkt. Die Herrscherin Lady Sakra kam durch einen blutigen Putsch an die Macht und regiert das Land seitdem mit eiserner Hand. Mieten werden erhöht, Abgaben sind horrend hoch, und die Bewohner leben in Angst und Schrecken. Verschwörungen gegen Lady Sakra werden dank ihrer Krähen-Späher und den furchteinflößenden Spiegelmännern schnell im Keim erstickt, die auffälligen Personen werden aus dem Weg geräumt. Es sind düstere Zeiten, seitdem der Phönix aus der Stadt verschwunden ist und mit ihm die Hoffnung der Bewohner. Und genau in dieser Welt platziert der Autor die Geschichte um Liam und Jackon. Der eine ist auf der Suche nach einem Buch und der Frage, was sein Vater entdeckt hatte, dass er sterben musste; der andere ist gezeichnet durch eine Begabung, die er erst einmal lernen muss zu kontrollieren. Was nicht so einfach ist, denn er ist der letzte Traumwandler der Welt. Lady Sakra hilft ihm zu sich selbst zu finden, doch nicht ohne Hintergedanken.

Christoph Lode spinnt die spannende Geschichte der beiden zu einer völlig eigenständigen, in deren Mittelpunkt nicht nur das Fantasy-Abenteuer sondern auch die zweite Parallelwelt, nämlich der der Träume, eine wichtige Rolle spielt. Dazu bedient sich der Autor einer klaren und präzisen Sprache, die sehr gut zu verstehen ist und den Leser somit in das Abenteuer hineinzieht. Er beschreibt die Umgebung, die Schauplätze und die Handlungen der Protagonisten so wunderbar detailreich, dass man es direkt vor seinem inneren Augen sehen kann. Zudem verändert sich von Kapitel zu Kapitel die Erzählperspektive, welche die verschiedenen Handlungsstränge parallel erzählt und die erst gegen Ende des Buchs zusammen laufen. Dies ist dem Autor wirklich sehr gut gelungen, da man sich so immer wieder an einem Spannungsmoment vorfindet, bevor es an einer anderen Stelle der Geschichte weitergeht. Diese andauernde Spannung macht es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Das Buchs endet schließlich in einem fulminanten Finale, das wirklich sehr tragisch und überhaupt nicht vorhersehbar ist. Nervenkitzel pur – so wird das Warten auf den zweiten Teil der Trilogie zu einer echten Herausforderung.

Neben den Menschen hat der Autor auch noch andere Arten und Rassen einfließen lassen oder kreiert, die sehr überzeugend dargestellt sind. So zum Beispiel die Alben, die hier die Wächter der Träume sind oder die unheimlichen Spiegelmänner der Herrscherin. Der Schwerpunkt der vorhandenen Charaktere liegt aber eindeutig auf den beiden Hauptprotagonisten Jackon und Liam, sowie dem Mädchen Vivian. Sie müssen erst herausfinden, welche Fähigkeiten ihnen inne wohnt und man fiebert richtig mit, wenn sie sich in Gefahr befinden. Leider wird aber nicht gelüftet, welche Geheimnisse die mysteriöse Lady Sakra hat.

Fazit: „Der letzte Traumwanderer“ ist ein interessanter und gelungener Auftakt der „Pandaemonia“-Trilogie. Christopher Lode vermischt Elemente der klassischen Fantasy mit denen des Steampunks, und herausgekommen ist ein echter Pageturner, bei dem man dank des leicht verständlichen Schreibstils und des damit einsetzenden Kopfkinos viel zu schnell ans Ende gelangt. Die Charaktere wissen zu überzeugen, und man darf gespannt sein, wie es nach dem spannenden Cliffhanger im nächsten Buchs weitergeht.


Pandaemonia 1 – Der letzte Traumwanderer
Fantasy-Roman
Christoph Lode
Goldmann 2010
ISBN: 978-3-442-47173-7
400 S., broschiert, deutsch
Preis: EUR 12,00

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