von Lars Jeske
Am Anfang des Romanes „Pakt des Blutes“ von Paul S. Kemp trifft der Leser auf Nix Fall und Egil, den Priester Ebenors. Sie gehen gerade ihrer derzeitigen Professionen nach und rauben ein Grab aus. Dabei täuscht der erste Eindruck bei Weitem, bei welchem sie sich sehr ruppig ansprechen und für Arbeitskollegen verbal viel zu hart miteinander umgehen. Später stellt sich heraus, dass beide nicht nur langjährige Partner, sondern auch Freunde sind, die sich sehr gut verstehen, harmonieren und noch Großes vor sich haben.
Eben dies und noch weitaus Größeres hat auch ihr Gegenspieler, der Magier Rakon Norristru, im Sinn. Derzeit hat er einen Sitz im Kaufmannsrat und ist Adjunkt des Lord Bürgermeisters, liebäugelt jedoch schon mit dem Amt des Lord Bürgermeisters. Dass dies kein leichtes Unterfangen wird, war ihm von je her bewusst, arbeitet doch seine Familie schon seit Jahren daran, den größten Einfluss in der Stadt Dur Follin zu erlangen. Dafür geht er und gingen auch seine Vorfahren über Leichen.
Es wurde vor Generationen ein Pakt mit der Hölle und im Speziellen mit dem Teufel namens Vik-Thyss geschlossen. Während die weiblichen Nachkommen der Menschen dem Teufeln zu Diensten sein müssen und für die Zucht der Brut herhalten dürfen, wird den männlichen Nachkommen allenthalben überdurchschnittlich viel magische Begabung mit in die Wiege gelegt. Ein Glück für die Männer der Linie. Die Frauen, nun ja, haben halt Pech gehabt. Derzeit in Persona der beiden telepatisch begabten Schwestern Rusilla und Merelda. Ebenso gelang es aber der Familie Norristru, sich im Laufe der Generationen auf allen Ebenen der Existenz Feinde zu schaffen, die weitaus schlimmer sind, als man es sich vorstellen will und die mit Bannsprüchen und ähnlichem zum Pakt gezwungen werden müssen. Das zehrt an materiellen und immateriellen Kräften; von Tag zu Tag mehr. Ein Treufelskreis.
Apropos Teufel: Ungünstigerweise bewachte der Teufel Vik-Thyss genau das beraubte Grab und wurde dabei von Nix und Egli eliminiert. Somit kann der Pakt des Blutes nicht erneuert werden und Rakon läuft die Zeit davon. Bis zum ersten Zusammentreffen dieser Protagonisten vergehen dann aber noch über 100 Seiten, da erst einmal alle Lebensumstände beschrieben und auch die Charaktere ausführlicher beleuchtet werden müssen. Schnell wird klar, dass Nix und Egli doch die Guten in dieser Geschichte sind.
Paul S. Kemp schrieb eine interessante Geschichte, die nach dem sprachlich missglücktem Anfang (zumindest wirkt die deutsche Übersetzung wie die Suggestion eines falschen Charakterbildes der Protagonisten) kurzweilig zu lesen, wenngleich nicht sehr zielführend geschrieben ist. Es geht wohl um das gesamte Setting und nicht nur um das strikte Voranbringen der Handlung. Interpretationsspielraum nach allen Seiten und für zukünftige Teile wird jetzt schon offeriert. Das Cover ist auch sehr schön gestaltet, leider ist es nur ein x-beliebiges. Es soll wohl Nix und Egil gleich zu Beginn zeigen, jedoch entspricht es nicht deren Beschreibung im Roman. Schade, da hier Potenzial verschenkt wurde.
Ebenso kann einem die Geschichte zu Beginn etwas langatmig vorkommen, so man den Teaser des Buchdeckels las. Schließlich springt dieser bereits weit in die Mitte des Romans und nimmt vieles vorweg, was man sich dann erst einmal ausführlich erliest. Das ist in diesem Falle etwas unglücklich gewählt. Dennoch sind vor allem die Charaktere sehr überzeugend beschrieben und in ihren Handlungen und Motiven überaus menschlich. Durch die Bank weg sind es interessante Personen, und selbst die Huren sind charakterlich gegen den Strich gebürstet.
Eine Anmerkung zur Übersetzung: Michael Neuhaus ist diese recht gut gelungen. Erst zum Schluss wird es etwas abstrus. Verzeihbar ist, dass ein Witz durch die Übersetzung versemmelt wurde. Es häufen sich jedoch viele Schreibfehler und es kommt sogar zu einer inhaltlichen Sinnentstellung. Die vielen unredigierten Wortfehler und Flüchtigkeitsfehler lassen somit einen unnötig komischen Nachgeschmack an der Geschichte.
Fazit: „Pakt des Blutes“ ist ein überaus kurzweiliger Auftakt mit einer interessanten und plausiblen Geschichte zu einer hoffentlich längeren Romanreihe über das Leben der beiden Kleinkriminellen Nix Fall und Egil in einer Welt mit Fantasy-Flair. Es sind zwei Typen, die durch ihre Charaktere überzeugen und ähnlich eingespielt wie Bud Spencer & Terence Hill wirken – immer einen Spruch auf den Lippen und das Herz am rechten Fleck.
Pakt des Blutes
Fantasy-Roman
Paul S. Kemp
Bastei Lübbe 2014
ISBN: 978-3-404-20754-1
390 S., broschiert, deutsch
Preis: EUR 12,00
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