von KaiM
Ringbote: Hallo Willi, magst du vielleicht etwas über dich erzählen, bevor wir über dein Projekt sprechen? Wie kamst du zum Hobby Brettspiel?
Willi: Schon sehr früh begann ich Strategien beim Spielen zu entwickeln. Zuerst waren dies Kartenspiele mit den Eltern, später kamen Brettspiele hinzu. Das dürfte nun an die 60 Jahre her sein. Mit Freunden wurden die Spiele komplexer. Wir hatten 5 Kinder, die wir dann auch daran geführt haben. Richtig los ging es 1986.
Ringbote: Hatte das was mit dem Spiel des Jahres „Heimlich und Co“ oder dem „Verrückten Labyrinth“ zu tun?
Willi: Die hatten wir natürlich auch gespielt. Aber auch „Talisman“, „Der Hexer vom Flammenden Berg“ und Co.
Ringbote: Und gehören Rollenspiele auch zu deinen Leidenschaften? Nur ein paar Jahre vorher (1983) kam schließlich die deutsche Version von „Dungeons & Dragons“ heraus?
Willi: Nicht wirklich. Ich spiele es gerne schon mal mit, aber nicht so oft.
Ringbote: Welche Art von Spiel fesselt dich besonders an den Spieletisch?
Willi: Das ist unterschiedlich nach Lust und Laune. Gern können es kommunikative und kreative Spiele wie „Top Ten“ oder „Nobody is perfekt“ sein, aber auch strategische Spiele wie „Scythe“, „Viticulture“ oder „Mondbasis Shackleton“. Eigentlich mag ich vieles.
Ringbote: Und gibt es ein aktuelles Highlight, auf das du dich besonders freust?
Willi: „Joyride“, „Yonder“, „Maestro: Künstler & Rivalen“, „Borealis: Expeditionen in die Arktis“, „Leylines“ und „Psynch“. (Anmerkung der Ringboten: Über fast alle diese Spiele schreiben wir auch in unserem Bericht über die B-Rex-Tage.)
Ringbote: Eine letzte Frage zu dir als Brettspielenthusiast: Bist du Spieler oder Jäger und Sammler?
Willi: Am liebsten Spieler. Ich hatte früher einen Spieleversand, der nun ausläuft, und habe von daher noch ein paar Spiele. Meine persönliche Sammlung umfasst aber nur vielleicht 400 Stück.
Ringbote: Nun aber zur Messe: Wie kamst du dazu?
Willi: Früher hat der Laden „Spielkultur Münster“ ein ähnliches Event für Freunde der Brettspiele einmal im Jahr organisiert. Leider fiel dies weg. Es war ein schönes Event in lockerer Atmosphäre. Man konnte in Ruhe Spiele ausleihen und spielen, an Vorausscheidungen einer „Meisterschaft“ teilnehmen und Gleichgesinnte treffen. Als Spielebegeisterter gehe ich natürlich auch auf große Messen, stelle aber fest, dass diese meist überfüllt, zu laut und stressig sind. Da fehlt halt etwas. Und aus Erfahrung weiß ich: Wenn es keiner organisiert, kommt eben auch nichts. Wie lautet der Spruch von Nike: „Just do it“ – „Mach es einfach“. Frei nach diesem Motto habe ich früher in der Firma, in der ich gearbeitet habe (Atruvia), eine Brettspielgruppe und eine Betriebssportsparte Selbstverteidigung gegründet. Und dann wollte ich eben diese Messe machen.
Ringbote: Erzähl uns doch noch einmal kurz etwas zu deinem Event.
Willi: Die 4. Runde der „Lokalen Spielemesse“ im La Vie, Dieckmannstraße 127, 48161 Münster, geht am 26.-27.9. jeweils von 10:00 – 18:00 Uhr an den Start. Das La Vie präsentiert sich wieder als Ort zum Treffen, Kontakte knüpfen, gemeinsamen Spielen und Kennenlernen. Im Gegensatz zur großen Messe SPIEL in Essen ist bei uns alles etwas gemütlicher und übersichtlicher.
Ringbote: Wie viele Menschen erwartest du denn?
Willi: Letztes Jahr waren es ca. 400.
Ringbote: Und wie sieht das Konzept aus?
Willi: Vor allem wollen wir spielen, neue Spiele testen, Kontakte knüpfen und einfach Spaß haben. Die Atmosphäre ist, trotz so vieler Leute, familiär. Das Feedback, das wir bis jetzt erhalten haben, gibt uns recht. Wir biete Hunderte Brettspiele von Kinderspielen ab 5 Jahren bis zu gehobenen Kennerspielen, Rollenspiel-Sessions zum Reinschnuppern, einige Sessions „Blood on the Clocktower“, gemeinsames Miniaturenbemalen, eine Info-Wand, auf der sich Spielgruppen vorstellen und Mitspieler gesucht werden können. Dazu kommt ein Bereich, in dem Spieleentwickler ihre Prototypen vorstellen können und natürlich gibt es auch Getränke und Knabberein.
Da ich das aus eigener Tasche finanziere, muss ich zur Kostendeckung einen kleinen Obolus nehmen. Der Eintritt liegt bei 5 Euro pro Person oder 10 Euro für eine Familie. Im Eintrittspreis ist auch 1 Los für jeden Besucher enthalten. An jedem Tag werden 3 Spiele, die von Verlagen und mir gespendet wurden, verlost.
Es gibt deutschlandweit einen WhatsApp-Kanal mit vielen Untergruppen, um sich über Spiele, Angebote, Tausch, Treffs, usw. auszutauschen. chat.whatsapp.com/Jp1UYTheKOV1hOGw9eThFp
Ringbote: Was ist die größte Herausforderung bei der Organisation der Messe?
Willi: Es ist immer eine Herausforderung, genug Helfer zu finden. Zudem scheiterten meine Versuche, mit den Kulturämter in Münster, Senden, Coesfeld etc. etwas Größeres auf die Beine zu stellen, an Vorschriften und Kosten.
Ringbote: Und wer stemmt das nun alles?
Willi: Die Spiele stellen wir zusammen mit Verlagen und Vereinen aus. Weitere spielbegeisterte Freunde helfen mit. Die meisten habe ich auf derartigen Veranstaltungen kennen und schätzen gelernt. Aber wir können auch nicht alle Spiele erklären. Oft sind aber auch Besucher gern bereit, Spiele, die sie kennen, zu erklären.
Besonders danken möchte ich in dem Zusammenhang Pegasus Spiele, die uns immer treu einen Spieleerklärer und aktuelle Neuheiten zur Verfügung stellen sowie die B-Rex Gruppe, die über Happyshops und das Spielernetzwerk etliche Spiele zur Verfügung stellt. Der Dicing Krakens e.V. unterstützt uns mit Rollenspielen. Heidelbär Games ist auch mit einem Stand dabei, wo sie neuesten Spiele zum Ausleihen bieten und diese auch erklären. Bei Lifeststories Publishing stellt der Autor Peter Kuhn am Samstag seinen aktuellen Kickstarter „Vita“ vor. Freunde aus dem Spieleverein Altenberge sind mir eine unschätzbare Hilfe und natürlich auch die Münsteraner „Blood on the Clocktower“-Gruppe, ganz zu schweigen von den vielen Leute, die uns privat noch unterstützen. Ohne deren Hilfe wäre es kaum möglich.
Ringbote: Und woher kommen die ganzen Spiele?
Willi: 80% aus meiner Sammlung und 20% von Verlagen.
Ringbote: Was kann man zum Ort sagen?
Willi: Durch meine Kontakte zum Haus der Familie in Münster (dort gebe ich Selbstverteidigungskurse) wurde mir der Kontakt zum La Vie vermittelt. Das La Vie ist eine Begegnungsstätte im Stadtteil Gievenbeck und beinhaltet u.a. die Stadtteilbibliothek. Es ist ein wunderschönes, offenes Gebäude mit sehr viel Licht und natürlich auch für Behinderte geeignet. Im Erdgeschoss öffnen wir auch den Seminarraum, sodass wir eine sehr große zusammenhängende Fläche für Brettspiele haben. Im 1. Stock haben wir dann mehrere Räume. Dorthin kommen dann „Blood on the Clocktower“, die Rollenspiele und die Malgruppe. Für lärmempfindliche Personen steht dann noch ein weiterer Spieleraum zur Verfügung.
Ringbote: Vielen Dank für den interessanten Austausch, Willi. Auch wenn ich dieses Jahr nicht dabei sein kann, wünsche ich dir natürlich viel Erfolg und vielleicht, will heißen hoffentlich, sieht man sich bald mal wieder.
Mehr Infos unter:https://willis-sport-fun.de/26-27-9-2026-la-vie-1000-1800/

