Horrified: Dungeons & Dragons

Oh Graus! Zwei gefährliche Monster suchen die Stadt Tiefwasser sowie den Dungeon unter der Stadt heim. Nur eine Handvoll mutiger Helden kann sie bezwingen. Wenn da nicht noch all diese Zivilisten wären, die mitten im Kampfgeschehen unbedingt durch die Straßen der Stadt und die Kammer des Unterbergs streunen würden. Die müssen natürlich auch in Sicherheit gebracht werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit (oder vielmehr: die Schreckensleiste) beginnt …

von Frank Stein

Das Spiel „Horrified“ gibt es schon länger. Schon 2019 wurde es von Prospero Hall und Peter Lee für Ravensburger entwickelt. Seitdem sind vier Nachfolger entstanden, die sich vor allem durch ihr Setting und die Monster, gegen die man kämpft, unterscheiden: „Horrified: American Monsters“ (2021), „Horrified: Greek Monsters“ (2023), „Horrified: World of Monsters“ (2024) und zuletzt „Horrified: Dungeons & Dragons“ (2025). Ich kenne nur zwei der Spiele, die sich aber sehr ähnlich sind. Außerdem heißt es auch im Regelbuch am Ende, dass alle „Horrified“-Spiele beliebig kombiniert werden können. Es ist also schwer anzunehmen, dass das Spielprinzip immer gleich ist. Die vorliegende Version haben Michael Mulvihill und erneut Peter Lee entwickelt.

Bei „Horrified: Dungeons & Dragons“ schlüpfen 1 bis 5 Spielende ab 10 Jahren in die Rollen von klassischen „D&D“-Helden. Sie haben hier keine Namen, sondern treten nur als Archetypen auf, also „Die Kämpferin“, „Der Schurke“, „Der Magier“, „Die Bardin“ und „Die Klerikerin“. Als Promo-Held gesellt sich noch „Der Hexenmeister“ dazu, der dem „Ringbote“-Printmagazin #3/2025 beilag und – Stand heute – relativ leicht am Drittmarkt erhältlich ist (Tipp: Ebay vermeiden und stattdessen bei Kleinanzeigen.de schauen. Dort ist die Tüte viel billiger.). Diese Heldengruppe bewegt sich von Schauplatz zu Schauplatz auf einem Spielplan, der mit viel künstlerischer Freiheit die Stadt Tiefwasser und den darunterliegenden Dungeon des Unterbergs abbildet. Tiefwasser ist eine der bekannteren Städte des Reiches Faerûn des „D&D“-Settings der „Vergessenen Reiche“, das vor allem durch die beliebten Romane über den Dunkelelfen Drizzt Do’Urden von R. A. Salvatore berühmt wurde. Der Unterberg ist ein riesiges Labyrinth unter der Stadt mit diversen, sehr unterschiedlichen Ebenen, die unter anderem den gewaltigen Höhlenhafen Schädelhafen umfassen.

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An diesem Schauplatz gehen zwei Monster um. In der Box stehen vier ikonische „D&D“-Kreaturen zur Auswahl: eine Täuschungsbestie, ein Betrachter, ein Mimik und ein roter Drache. Diese versuchen, sowohl die Helden als auch die überall in Tiefwasser und im Unterberg verteilten Bürger der Stadt zu töten, wodurch der Marker auf der Schreckenleiste am oberen Spielfeldrand weitergerückt wird. Die Helden gewinnen, wenn sie gemeinsam die zwei Monster besiegt haben. Sie verlieren, wenn der Marker das letzte Feld der Schreckensleiste erreicht hat oder aber keine Karte mehr vom 30 Karten umfassenden Monsterkartenstapel gezogen werden kann.

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Vor Spielbeginn wird der Spielplan platziert, Vorteilskarten und Monsterkarten werden gemischt und zwei Monster ausgewählt, deren Aufbau auf ihren jeweiligen Monstertafeln angegeben ist. Außerdem werden die Bürgeraufsteller bereitgehalten. Der Schreckensmarker kommt auf Feld 0 der Schreckensleiste. Dann wählen alle Spielenden je einen Helden oder eine Heldin und platzieren die passende Figur auf den Standort, der auf dem Heldenplättchen angegeben ist. Alle Spielenden erhalten außerdem eine Vorteilskarte. Zuletzt werden die 60 Gegenstände im Beutel gemischt und 12 davon werden gezogen und je nach angegebenem Ort auf dem Spielplan verteilt. Diese Gegenstände wollen von den Helden gesammelt werden, denn mit ihnen bekämpft man die Monster.

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Das Spiel verläuft reihum im Uhrzeigersinn. Jeder Zug besteht aus der Heldenphase und der Monsterphase. Ist man am Zug, darf man vier Aktionen durchführen. Folgende Möglichkeiten bestehen: Man kann sich einen Ort weit bewegen, man kann Bürger einen Ort von seinem Helden weg oder auf ihn zu leiten, man kann einen Gegenstand aufnehmen, mit anderen Helden am gleichen Ort tauchen, Gegenstände einsetzen, um das Monster gemäß seiner Regeln zu schwächen oder gar zu besiegen, man kann Spezialaktionen des eigenen Heldenplättchens durchführen, Effekte auslösen und ein Versteck enthüllen (das wird nur für den roten Drachen gebraucht).

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Im Zentrum des Ganzen stehen gewissermaßen die Gegenstände. Diese gibt es in drei Farben/Formen (rotes Sechseck, blauer Kreis, gelbes Quadrat) und unterschiedlichen Zahlenwerten. Ein Zauberbuch etwa ist eine blaue 3, ein Langbogen eine rote 5, eine Flasche mit Öl nur eine gelbe 1. Gegenstände werden gesammelt und dienen gewissermaßen als Währung, um Gefahreneffekte abzuwehren, Monster anzugreifen und eigenen Schaden zu registrieren. Interessant ist dabei vor allem der Kampf gegen die Monster, denn jedes von ihnen hat einen eigenen kleinen Spielmechanismus. Bei einem Betrachter müssen beispielsweise erst die zehn Augenstiele besiegt werden, bevor er angreifbar wird. Um einen roten Drachen zu bezwingen, will zunächst sein Hort gefunden sein.

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In der Monsterphase wird eine Monsterkarte gezogen und die Monster agieren entsprechend des Textes. Ihr Ziel ist es vor allem, Felder mit Helden oder Bürgern zu erreichen und diese dann anzugreifen. Hierzu werden eine ebenfalls von der Monsterkarte angegebene Zahl an Monsterwürfeln geworfen. Diese können entweder gewöhnliche Treffer erzeugen oder gar ein Macht-Symbol anzeigen, das eine Spezialfertigkeit des Monsters auslöst. Für jeden Treffer muss ein Held einen Gegenstand ablegen. Kann er das nicht, ist er ausgeschaltet. Der Schreckensmarker bewegt sich ein Feld weiter und der Held muss in die Taverne „Das klaffende Portal“ zurückkehren, um neue Kraft für den nächsten Spielzug zu sammeln. Fies dabei: Bürger tragen keine Gegenstände herum. Werden sie also erwischt, sterben sie sofort und der Schreckensmarker rückt weiter. Neben dem Sammeln von Gegenständen liegt es also im ureigensten Interesse der Helden, die Bürger, die sich in Tiefwasser und im Unterberg herumtreiben, einzusammeln und schnell an die Orte zu geleiten, an die sie wollen. (Allein trauen sie sich offenbar nicht, stattdessen stehen sie bloß als leichte Opfer in fragwürdigen dunklen Ecken herum ...) So wird das Ganze durchaus zu einer taktischen Herausforderung, die verschiedenen Monster schwerer oder leichter machen.

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Uns hat der Spielmechanismus von „Horrified“ gut gefallen. Er ist fordernd, ohne zu überfordern. Immer gibt es etwas zu planen oder zu tun. Hier muss ein Bürger gerettet, dort kann einem Monster zugesetzt werden. Genug Spannung am Spieltisch ist also gegeben. Die „Dungeons & Dragons“-Variante ändert am Spielprinzip grundsätzlich nichts, bloß verfügen die Helden über variable Spezialaktionen, die man sich – natürlich mit einem „D&D“-typischen W20 – auswürfeln muss. Anders als bei festen Spezialaktionen agiert man hier etwas zurückhaltender, denn nicht jede Aktion ist in jeder Situation gleich nützlich, und man weiß halt nie, was man erwürfelt. Auch auf den Monsterkarten wird der W20 genutzt. Ansonsten ist das meiste des Settings bloß kosmetisch. Eben deswegen lassen sich ja alle „Horrified“-Spiele auch verbinden, sowohl bei den Helden als auch den Monstern, was für viele Kombinationsmöglichkeiten sorgt.

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Optisch ist „Horrified: Dungeons & Dragons“ ein wenig gewöhnungsbedürftig. Als Ganzes hat es eine durchaus ansprechende, atmosphärische Fantasy-Tischpräsenz. Doch die Optik ist nicht einheitlich. Die Monsterkarten und die Bürgeraufsteller entsprechen ziemlich klassischem „D&D“-Look. Die Heldenplättchen dagegen wirken zweidimensional und stilisiert, eher wie ein Fensterbild. Die Vorteilskarten kommen stark stilisiert und mit  reduzierter, flächiger Kolorierung daher. Die Monstertafeln schließlich haben etwas eindeutig comicartiges an sich. Warum hier vier verschiedene Stile gewählt wurden, weiß ich wirklich nicht. Man gewöhnt sich schnell daran, anders hätte ich persönlich es aber hübscher gefunden.

Fazit: „Horrified: Dungeons & Dragons“ ist ein spannendes Fantasy-Spiel auf Familienspiel-Niveau. Es macht Spaß, gegen die Zeit und die Gegner durch Tiefwasser und den Unterberg zu flitzen, Gegenstände zu sammeln, Bürger zu retten und dabei in einer Hit-and-Run-Taktik die Monster zu schwächen, bis sie reif sind, besiegt zu werden. Da das Spiel kooperativ ist, sind auch immer alle am Tisch mit beteiligt, Downtime gibt es eigentlich keine. Die Optik weiß ebenfalls zu gefallen, ungeachtet der etwas eigenwilligen Zeichenstile bei Heldenplättchen und Vorteilskarten.

Horrified: Dungeons & Dragons
Brettspiel für 1 bis 5 Spielende ab 10 Jahren
Mike Mulvihill, Peter Lee
Ravensburger 2025
EAN: 4005556247554
Sprache: Deutsch
Preis: 44,95 EUR

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