Gotham City - Das Erste Jahr

In DC-Comics begleiten wir regelmäßig Superhelden, Superheldinnen sowie Bösewichte durch die dunklen Straßen von Gotham City. Aber wie wurde die Stadt eigentlich zu dem kalten, moralisch verkommenen Loch, das Batman und Co. später ihr Zuhause nennen (müssen)? „Gotham City – Das erste Jahr“ erzählt diese Vorgeschichte. Es erwartet euch ein harter, düsterer Krimi über Macht und den schwer erträglichen Preis der Wahrheit.

von Daniel Pabst

„Gotham City – Das erste Jahr“ (Originalreihe: „Gotham City: Year One 1-6“) ist die neueste Detektiv-Story von Tom King (unter anderem bekannt für „The  Vision“, die Reihe „Batman/Catwoman“ oder auch den Einzelband aus der „One Bad Day“-Reihe mit dem Titel: „Batman – One Bad Day: Riddler“) mit Phil Hester als Zeichner und Jordie Bellaire für die Farbgebung. In einem 208-seitigen Hardcover-Band hat Panini Comics diese Geschichte nun für das deutsche Publikum publik gemacht. Was erwartet euch hier und lohnt sich ein Kauf?

Die Handlung spielt zur Zeit von Bruce Waynes (alias Batmans) Großeltern. Protagonist des Crime-Noir-Thrillers ist der Privatdetektiv Slam Bradley, der dem erwachsenen Bruce Wayne rückblickend von seinen Geschehnissen berichtet. Eine Art Lebensbeichte, die sich für die Leser und Leserinnen entfaltet. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als Bradley von einer geheimnisvollen Klientin den Auftrag erhält, einen unscheinbaren Brief an Richard und Constance Wayne – die Vorfahren des späteren Dunklen Ritters – zu überbringen. Nichtsahnend akzeptiert er diesen trivial wirkenden Botengang. Doch bald wird klar: Ein unbekannter Erpresser hat das Baby der Waynes entführt und stellt Forderungen. Auffällig ist zudem das Symbol auf dem Brief: eine Fledermaus. Gab es dieses Zeichen etwa schon Jahrzehnte vor Batman? Und war es ursprünglich vielleicht sogar das Symbol eines Verbrechers?

Je tiefer Bradley, welcher sich von nichts und niemandem beirren lässt, in seine Ermittlungen über den geheimnisvollen Urheber des Briefes eintaucht, desto deutlicher zeigt sich das wahre Gesicht der Stadt. Dort gibt es korrupte Polizisten, rassistische Machtstrukturen und eine Gesellschaft, die bereit ist, wortwörtlich über Leichen zu gehen, um ihren Ruf zu wahren. In sechs Kapiteln inszeniert Tom King einen äußerst ungeschönten und harten Krimi, der einem stellenweise den Atem raubt. 

Diese raue Erzählung wird durch Phil Hesters kantigen Zeichenstil eindrucksvoll verstärkt. Die dunklen Farben und klaren Linien schaffen eine bedrückende Atmosphäre. Immer wieder dominieren die Schwarztöne und lassen erahnen, dass sich in Gothams dunklen Gassen allerlei Geheimnisse und Gefahren verstecken. Weder der Protagonist noch die Leser finden hier einen Moment der Ruhe. Apropos Ruhe: Immer dann, wenn Bradleys Körper nach einem Kampf oder einem ereignisreichen Erlebnis sehnlichst nach Schlaf verlangt, wird er von Fremden aufgesucht, die ihm den Schlaf rauben …

Auch wenn die Rahmenhandlung mit Bruce Wayne recht dürftig bleibt und sich die Protagonisten nur zweimal tatsächlich begegnen, so werden die Leserinnen und Leser durchgehend von Bradley über die Geschehnisse informiert und so gelingt es dem Autor King mit den Zeichnungen von Hester, die vierte Wand zu durchbrechen und eine direkte Ansprache zu erschaffen. Gerade bei Auseinandersetzungen oder verhängnisvollen Kämpfen, macht dieser Kunstgriff „Gotham City – Das erste Jahr“ zu einer packenden und in sich geschlossenen Geschichte. Abgerundet wird der Band durch ein Skizzenbuch mit Charakter-Designs sowie einer Galerie mit alternativen Covern.

Leseprobe

Fazit: „Gotham City – Das erste Jahr“ ist weniger eine Heldengeschichte (und hat noch weniger mit Batman zu tun), als dass es den Abstieg in die Dunkelheit zeigt. Gotham City braucht hier keine Superschurken, um gefährlich zu sein. Es reicht bereits aus, dass die Menschen den Menschen Feinde sind. Tom King und Phil Hester beweisen, dass diese Annahme Spannung, Action und moralische Abgründe offenbart. Inmitten dieser deprimierenden Atmosphäre ohne Hoffnung, entfalten sich starke Charaktere. Allen voran der Privatdetektiv und die unbekannte Femme fatale lassen eine nahezu filmische Crime-Noir-Stimmung entstehen. Man fragt sich beim Lesen, wie sie trotz der ganzen ihnen entgegentretenden Widerständen überhaupt weitermachen können? Dieser Comic ist daher wie gemacht für einen regnerischen Nachmittag im warmen Zimmer, wohingegen im Comic die Kälte dominiert. Wer dafür bereit ist, dem kann „Gotham City – Das Erste Jahr“ nur wärmstens empfohlen werden!

Gotham City – Das Erste Jahr
Comic
Tom King, Phil Hester
Panini Comics 2025
ISBN: 978-3-7416-4580-8
208 S., Hardcover, deutsch
Preis: 39,00 EUR

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