Flammenwüste

Willkommen in Nabija, Land und Stadt voller Geheimnisse, voller Zauber, und einem Drachen, der das Schicksal eines jungen Mannes besiegelt, der mehr zu sein scheint, als es den Anschein hat …

von Yvonne Staller

Der Junge Anûr begleitet seinen Großvater Nûr durch das Land von Nabija, um dem Volk geheimnisvolle Geschichten über Drachen und andere Märchen zu erzählen. Eines Tages werden die beiden von der Palastwache von Nabija aufgesucht und der Geschichtenerzähler Nûr zum Sultan bestellt. Da der Großvater aber schläft, entscheidet Anûr, sich für den großen Geschichtenerzähler auszugeben und wird sofort zum Palast gebracht. Dort wird er vom Sultan höchstpersönlich einem Rätsel unterzogen, das dessen Familie seit vielen Generationen beschäftigt – und das nie gelöst wurde. Nur dessen Lösung macht es möglich, einen Drachen, der das südliche Land in Angst und Schrecken versetzt, zu besiegen.

Für den jungen Anûr ein Klacks! Denn immerhin ist er der Verfasser des Rätsels und kann somit dem Sultan mit der Lösung des Drachenproblems helfen. Doch hier endet keinesfalls die Geschichte des jungen Anûr. Zusammen mit dem Sohn des Sultans, Prinz Masul, der weißen Garde und dem alten Erfinder Bruck, soll er nun auf Drachenjagd gehen. Als Chronist Nabijas soll er die Geschichte über den Kampf gegen den Drachen festhalten und zukünftig weitererzählen, damit jeder die Wahrheit über das wichtigste Abenteuer im Land erfährt. Die Reise zum Berg Kaf und ins Ungewisse beginnt …

Zu dem Buch „Flammenwüste“ von Akram El-Bahay gibt es bereits ein digitales Prequel, das man aber nicht haben muss, um in die vorliegende Geschichte reinzufinden. Sie ist zwar ein schöner Einstieg in die orientalische Wüstenwelt, kann aber auch nach diesem Buch gelesen werden.

Nachdem Anûr, die weiße Garde, Prinz Masul und Bruck Nabija verlassen haben, führt ihr Weg sie direkt in die tiefe Wüste. Hier trifft Anûr auch schon bald auf das Mädchen Shalia. Sie ist seltsam und geheimnisvoll. Leider entgeht dem Leser, warum Anûr sich in sie verliebt, bleibt sie doch eher blass und ungreifbar. Der Hauptcharakter Anûr dagegen durchlebt in dem Buch eine tolle Wandlung vom Lehrling eines Geschichtenerzählers, bis hin zu Chronist und Abenteurer. Aber auch die Geschichte der Drachen und deren Beschreibung ist sehr faszinierend und wurde so noch nie erzählt. Ich will hier nicht zu viel verraten.

Das größte Problem des Buchs ist jedoch seine Geschichte an sich. Während der Schreibstil detailliert und anschaulich ist und man sich als Leser die einzelnen Szenen bildlich vorstellen kann und sogar die Gerüche der Geschichte wahrnimmt, so ist der Hauptstrang sehr schnell erzählt. Es gibt sehr viele Nebengeschichten, die sich manchmal in sich selbst verlieren und dadurch langatmig und uninteressant wirken. Sie liegen manchmal etwas wirr aneinandergegliedert und geben erst wieder Sinn, wenn sich die Geschichte wieder zusammenfügt. Man muss als Leser einfach über gewisse Dinge hinwegsehen, ebenso wie über einige unlogische Momente, so zum Beispiel den Ritt auf einem Kamel mit um den Hals des Kamels zusammengebundenen Armen. Keine Ahnung wie das genau gehen und aussehen soll.

Fazit: Seit Generationen bezaubern die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht Jung und Alt. Sie sind der Stoff, aus dem Träume sind, und genau auf diese Tatsache setzt Akram El-Bahay. Der Autor ist Journalist und stammt aus seiner deutsch-ägyptischen Familie. Dies hat er auch in seinen Roman einfließen lassen: Er hat ein tolles Setting aus 1001 Nacht mit Palästen, Wüsten, Drachen und Abenteuern entworfen. Allerdings sollte man das Buch nur lesen, wenn man eine Geschichte mit vielen kleinen Nebengeschichten mag. Wen dies nicht abschreckt, wird dieses Buch lieben, dessen Ende auch auf eine Fortsetzung hoffen lässt.


Flammenwüste
Fantasy-Roman
Akram El-Bahay
Lübbe 2014
ISBN: 978-3-404-20756-5
526 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,99

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