Die zerrissenen Reiche 3: Die Halblinge des ewigen Hains

Es herrscht Krieg in den zerrissenen Reichen: Die Armeen der Zwerge sind auf dem von Menschen bewohnten Kontinent auf dem Vormarsch und führen ihren Eroberungsfeldzug fort. Doch der Krieg soll nur über die Probleme im Zwergenbund hinwegtäuschen: Längst ist der Oberste Vorarbeiter nur noch eine Marionette einflussreicher Kräfte. Ein politischer Umsturz erscheint unabwendbar.

von Sabine Dingeldein

 

Der lang ersehnte dritte Teil vom Plischkes Mehrteiler „Die zerrissene Reiche“ ist endlich erschienen und knüpft in drei parallelen Handlungssträngen direkt an die Geschehnisse des zweiten Bandes an:

Nach ihrer Flucht haben sich Karu Schneider und Rinul in Stahlstadt den Freibündlern (eine Art Mafia) angeschlossen. Hier erhoffen sie sich vorübergehenden Schutz vor der Bundessicherheit und planen gleichzeitig mit einigen Verbündeten, darunter der Buchdruckerin Schreiber, den Sturz des Obersten Vorarbeiters. Nicht nur, dass vor allem Karu ihre Treue zu den Freibündlern unter Beweis stellen muss – scheinbar ist auch die Bundessicherheit auf den Führer der Bündler aufmerksam geworden. Sind sie Karu und Rinul schon wieder auf der Spur?

Zur gleichen Zeit wird Kommissar Anini von der Bundessicherheit, der bei der Verfolgung des Verräters Garep Schmied und seiner menschlichen Geliebten Sira von Wolfenfurt versagt hatte, nach Stahlstadt beordert: Eine hochgestellte Halblingsbeamtin wurde brutal ermordet – die örtlichen Kommissare tappen im Dunkel. Zusammen mit der jungen und reizvollen Ekela soll Anini den Mord schnell aufklären, um rechtzeitig zum Fleischwerdungsfest seines Sohnes Ilele zu Hause zu sein. Die Ermittlungen gestalten sich allerdings schwierig. Nicht nur, dass die Spur in die Reihen der Freibündler weist und Anini nur mit Glück und Ekelas Hilfe einen Mordanschlag überlebt – im Laufe der Ermittlungen muss Anini außerdem befürchten, einem Komplott gegen den Obersten Vorarbeiter auf der Spur zu sein. Ob er die Drahtzieher rechtzeitig entlarven kann?

In den zerrissenen Reichen hingegen sind Sira und Siris von Wolfenfurt endlich wieder vereint. Zusammen mit ihren Gefährten haben sie Meerschaum, die Heimatstadt der Geschwister, erreicht und wurden bei ihrem Onkel Zoseos aufgenommen. Die schwierige Familienzusammenführung (immerhin hatte Siris vor Jahren seinen eigenen Vater getötet, um das Leben seiner schwangeren Schwester zu retten) wird zusätzlich erschwert, da ein Schiff der Elfen im Hafen von Meerschaum einläuft und sich Siris unvorbereitet in der Rolle des menschlichen Sprechers Meerschaums wiederfindet. Als schließlich auch noch ein zwergisches Kriegsschiff in Hafen läuft, kommt es zur Konfrontation zwischen Elfen und Zwergen.

Was für ein Buch! Thomas Plischke hat sich warm geschrieben – und saust mit seinen Lesern durch eine turbulente und spannende Geschichte. Ungewöhnlich für ein Fantansy-Buch sind auch die sozialkritischen Töne, die Plischke in die Handlungsstränge einflechtet – ohne die Geschichte dadurch auch nur im Geringsten abzuwerten.

Mit dem Zwergenbund kreiert Plischke einen totalitären Staat, in dem vieles unserem Zeitalter der Industrialisierung ähnelt. Karu und Rinul als sozialistische Umstürzler könnten schon beinahe bei Karl Marx gelernt haben, wenn sie sagen „Die niederträchtigen Manufakturbetreiber saugen sich auf Kosten des gemeinen Arbeiters voll wie Zecken“ (S. 52). Sie stellen sich vor die Arbeiter, um diese vor der Ausbeutung von oben schützen.

Die Regierung (also der Oberste Vorarbeiter und sein Beraterstab) setzen hingegen weiter auf industrielle Modernisierung – und verschiffen freigewordene Arbeitskraft kurzerhand in die Menschenlande und in den Krieg. Letzterer belebt ja bekanntlich immer die eigene (Kriegs-)Wirtschaft und hält die Arbeitslosigkeit gering.

So sagt Plischke auch in seinem Nachwort: „Zugleich war es mir aber auch wichtig, Themen wie Faschismus, Führerkult und Rassismus einmal im Rahmen der Fantasy ernsthaft zu thematisieren, denn viel zu oft werden solche Elemente meiner bescheidenen Meinung nach ins Lächerliche gezogen oder gar – ob nun absichtlich oder unabsichtlich – verherrlicht.“

Die Auflistung an kritischen Elementen ließe sich noch weiter fortführen, aber der Leser sollte dann doch lieber selbst auf Entdeckungsfahrt gehen.

Fazit: „Die Halblinge des ewigen Hains“ ist der bisher action- und spannungsgeladenste Teil der Reihe. Um den Überblick über die bisherige Handlung und die auftretenden Personen nicht zu verlieren, hat Plischke dem dritten Teil seiner Romanreihe sowohl einen Rückblick vorangestellt, als auch eine Liste der wichtigen Personen zusammengestellt. Beides leistet dem Leser gute Dienste. Allerdings: Wer „Die Zwerge von Amboss“ und „Die Ordenskrieger von Goldberg“ nicht gelesen hat, wird den Einstieg in die Geschichte nicht so einfach finden. Also lieber den Quereinstieg vermeiden und die Geschichte von Beginn an genießen. Zu guter Letzt bleibt zu sagen: Lesen, lesen, lesen!


Die zerrissenen Reiche 3: Die Halblinge des ewigen Hains
Fantasy-Roman
Thomas Plischke
Piper 2010
ISBN: 978-3-492-26718-2
454 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,95

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