von Lars Jeske
Drei Monate sind seit den Ereignissen in „Der verfluchte Prinz“ vergangen. Weniges steht aber besser. Kolya ist zwar erwacht, drängt sich jedoch zu Recht zwischen die Verbindung seiner Frau Sorcha Faris und Merrick Chambers als neues Gespann von Aktivem & Sensiblen Diakon. Die Aufhebung der Ehe konnte er zwar nicht verhindern, doch er weigert sich sie aufzugeben. Aber das ist nur das private (Un)Glück. In großen Zusammenhängen für die Welt von Arkaym und speziell um die Stadt Vermillion herum hat sich das Ansehen des Ordens wieder verschlechtert. Die Ereignisse um die Beschwörung der Murahew sind zu frisch und es machen mehr Leute die Diakone und den Orden verantwortlich, als dass sie ihnen Danken dieses Unheil abgewendet zu haben. Und dann ist da noch Sorchas ungeklärter Gefühlsstatus in Bezug auf den verfluchten Prinzen Raed Rossin.
Um ihren Problemen halbwegs entfliehen zu können, trifft es sich, dass sie eine Vision vom Tod ihres Geliebten Prinzen hat. Mit etwas Glück kann sie es so drehen, dass sie zusammen mit Merrick Chambers an den Ort des wahrscheinlichen Geschehens gelangt; in das Reich Chioma. Raed hingegen ist nicht ganz aus freien Stücken dort oder überhaupt an Land. Denn er erhielt den Hinweis, dass seine Schwester entführt wurde und er will sie selbstverständlich retten.
Während im ersten Teil ein mächtiges Geistwesen in die Welt Arkaym durchbrechen wollte und der Leser lange nicht wusste, wer der Böse in der Geschichte ist, kommt nun alles einfacher daher. Gleich zu beginn wird klar: Eine Göttin kommt zurück und sie ist nicht gut gelaunt. Nein, es geht keine Nummer kleiner. Somit muss der Leser trotz der Einführung der Göttin etwas schlucken und ist sich ob ihrer Allmacht gewiss, dass die Aufgabe, von der Sorcha und Merrik noch gar nichts ahnen, noch schwieriger werden wird, als ihre letzte, bei der sie nur knapp mit dem Leben davongekommen sind.
Sehr schön an dieser ersten Fortsetzung der Romanreihe „Die Runen der Macht“ von Phillipa Ballantine ist, dass es noch mehr geschichtliches über die entworfene Welt gibt und der Leser viel Hintergrundwissen bekommt. Es gibt sogar eine neue Offenbarung über die Götter. Aber wie man oben schon merkt, ist es ratsam den 1. Band gelesen zu haben, um mit dem ganzen neuen Input etwas anfangen zu können und leichter in die Geschichte zu kommen. Unlesbar ist „Göttliche Rache“ ohne Vorwissen jedoch nicht, da die wichtigsten Zusammenhänge kurz umrissen werden, um auch Neuleser abzuholen.
Durch die Expedition in das Reich Chioma lernt man nicht nur neue Charaktere kennen, von denen vor allem Prinz Onika überzeugt und fasziniert. Auch gibt es eine neue Gegend, die schön beschreiben wird. Er wirkt wie ein Prinz-of-Persia-Setting, was vor allem hinsichtlich der Thematik mit den Göttern sehr gut zusammenpasst. Die kleine Göttin Hatipai wird auch sehr gut charakterisiert, sodass ihre Beweggründe klar erkennbar sind und der Verlauf der Geschichte somit relativ nachvollziehbar. Auch die Beeinflussung von Gedanken ist sehr schön geschrieben. Nachdem es im ersten Band vorrangig um Sorcha als Aktiver Diakon ging, steht nun ihr Partner Merrik Chambers im Fokus und das Leben und die Wirkungsweise als Sensibler Gegenpol des Teams.
Durch die ganzen Personen, Konflikte und historischen Vorbedingungen kommt mitunter eine Schwere auf, die nicht nötig wäre. Die Entwicklung der Handlung ist mir persönlich stellenweise übertrieben. Immer wenn man mit einem Ereignis oder einer Wendung klar kommt, gibt es wieder etwas Neues. Es passt in die Welt und den bisherigen Stil, für mich ist es jedoch dann die eine Wendung zu viel, die die Geschichte unglaubwürdiger macht und somit etwas vom Reiz verliert. Wenn man sich jedoch auf alles vorbehaltlos einlassen kann, wird man erneut gut unterhalten und freut sich schon auf die nachfolgenden Bände, die dann hoffentlich alle privaten Handlungsstränge auflösen. Die Hauptgeschichte um die rachsüchtige Göttin wird selbstverständlich abgeschlossen.
Fazit: Phillipa Ballantine ist mit „Göttliche Rache“ eine passende Fortsetzung gelungen, die den gewillten Leser erneut zu fesseln weiß. Es gibt viele Hintergründe und Neues von dieser Welt zu erfahren. Parallele Handlungen, Zufälle und unerwartete Wendungen, die man jedoch gutwillig aufnehmen muss, sorgen für eine abwechslungsreiche Geschichte. Deren Ende ist lange Zeit nicht klar, da viel Unvorhersehbares passieren kann und auch wird.
Die Runen der Macht 2: Göttliche Rache
Fantasy-Roman
Philippa Ballantine
Egmont-Lyx 2014
ISBN: 978-3-8025-8647-7
406 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 12,99
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