Die letzte Wacht

Eine Angrosch-Geweihte glaubt, eine alte Prophezeiung neu entdeckt zu haben. Und auf ihrem Weg nach Xorlosch, in die Heilige Stadt der Zwerge, gerät sie in einen Überfall, aus welchem die Helden sie retten können. Da Albrax, Sohn des Agam, Hochkönig der Zwerge, aufgrund einer Vision die Zerstörung eines gefährlichen Artefaktes verweigert, droht ein Konflikt mit den konservativen Erzzwergen von Xorlosch. In genau dieser angespannten Lage gilt es für die Helden, die richtigen Entscheidungen zu treffen...

von Chris Sesterhenn

 

Trockene Fakten – die äußeren Werte:

„Die letzte Wacht“ ist Nummer 144 aus der „DSA“-Abenteuerreihe. Das Layout entspricht dem aktuellen Standard von Fantasy Productions. Auf 52 Seiten werden dem Spielleiter gut strukturiert die notwendigen Informationen und Texte zur Verfügung gestellt (darunter auch zahlreiche Verweise auf weitere „DSA“-Publikationen mit weiterführenden Details). Zeichnungen und Kartenausschnitte lockern nicht nur das Gesamtbild auf, sondern bieten zusätzliche Orientierungshilfen. Im Anhang finden sich die üblichen Beschreibungen der wichtigsten Persönlichkeiten, aber auch ein Verzeichnis der Rogolan-Begriffe und -Namen sowie eine Zeittafel. Zusätzlich zu den gewohnten Karten, Plänen und Handouts wird kurz die weitere Entwicklung nach dem Abenteuer beschrieben, wodurch sich für den Spielleiter Ideen für eigene Anschlussabenteuer ergeben sollten. Bis auf wenige Ausnahmen passen die Schwarz-Weiß-Zeichnungen meines Erachtens sehr gut zur Atmosphäre und zum zwergischen Flair des Abenteuers.

Um was geht es überhaupt? – zum Inhalt:

Das Thema in „Die letzte Wacht“ lässt sich eigentlich mit einem Wort beschreiben: Zwerge. Die Helden können einer Angrosch-Geweihten aus einer Gefahrensituation helfen und erhalten im Gegenzug die Möglichkeit, die Stadt Xorlosch, die Heilige Stadt der Zwerge, zu besuchen. Schon bald werden die Helden von einem Strudel der Ereignisse erfasst, in welchem sie alte Geheimnisse mit möglichem Bezug auf die nahe Zukunft entdecken können. Doch dazu müssen sie tiefer in das Leben, die Kultur und die Geschichte der Zwerge eintauchen.

Zuckerbrot und Peitsche – Pro und Contra:

Nach dem Quellenband „Angroschs Kinder“ und der Abenteuersammlung „Kar Domadrosch“ widmet sich auch „Die letzte Wacht“ den Zwergen. Neben der Hintergrundgeschichte bietet dieses Abenteuer den speziellen Reiz, dass die Helden sehr intensiven Kontakt zur Kultur der Zwerge erhalten. Dieses Eintauchen in eine doch eher fremde Kultur erfordert vom Spielleiter eine gewisse Bereitschaft und entsprechenden Aufwand. Die Autoren Katharina Pietsch, Daniel Jödemann und Martin Lorber stellen in ihrem Abenteuer zwar viele Hinweise und Informationen zur Verfügung (etwa Anpassungen, wenn sich ein Zwerg unter den Helden befindet), aber für die stimmige Atmosphäre sind Spielleiter und Spieler zuständig. Und ohne das Angroschim-Flair in der Spielrunde geht sehr viel Reiz dieses Abenteuers verloren.

Die Entwicklung der Ereignisse ist noch als geradlinig zu bezeichnen, dennoch gilt es für den Spielleiter, einige Gefahrenstellen sicher zu umschiffen. Je nach Spielergruppe können sich beispielsweise die zeitlichen Vorgaben als Problemquelle erweisen. Doch auch die von den Spielern erwarteten Reaktionen und unternommenen Aktionen können für das Fortschreiten des Abenteuers zum Problem werden. Hierzu haben sich die Autoren ebenfalls Gedanken gemacht und vorsorglich einige Handlungsvorschläge für den Spielleiter vorbereitet. Ein erfahrener Spielleiter dürfte seine Spieler einschätzen können und sollte sich schon im Vorfeld entsprechende Strategien überlegen, um einen flüssigen Handlungsverlauf zu gewährleisten.

Als ausgesprochenen Zwergen-Fan konnte mich die Grundidee des Abenteuers sowie insbesondere der Ausflug in die Kultur und Geschichte der Zwerge begeistern. Etwas enttäuscht war ich von der Außendarstellung Xorloschs (Zeichnung auf Seite 14). Auch die Karten zur Heiligen Stadt hatte ich mir etwas beeindruckender vorgestellt. Aber auf der anderen Seite sollen Spieler und Spielleiter ja auch noch den Überblick behalten.

Für wen lohnt es sich? – meine Einschätzung:

Mit der entsprechenden Vorbereitung sollte „Die letzte Wacht“ keine Probleme für die meisten Helden- und Spielergruppen darstellen. Und mit der Bereitschaft, sich um die notwendige Atmosphäre zu bemühen, kann dieses Abenteuer zu einem besonderen Erlebnis werden. Ich stufe „Die letzte Wacht“ daher als durchschnittliches Abenteuer mit  Potenzial zum besonderen „zwergischen“ Erlebnis ein. Zwergen-Fans sollten auf jeden Fall voll auf ihre Kosten kommen.

Fazit: Mit „Die letzte Wacht“ präsentiert Fantasy Productions ein weiteres Abenteuer zum Fantasy-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“. Ich sehe es eher im Mittelfeld, wobei allerdings das Angroschim-Flair insbesondere Zwergen-Fans ansprechen wird. Für den Produktpreis erhält man jedenfalls reichlich Abenteuermaterial, das eine Investition auf jeden Fall rechtfertigt.


Die letzte Wacht (DSA-Abenteuer Nr. 144)
Abenteuerband
Katharina Pietsch, Daniel Jödemann, Martin Lorber
Fantasy Productions, 2006
ISBN: 3-89064-431-7
52 Seiten, Softcover, deutsch
Preis: EUR 10,00

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