von Lars Jeske
In ihrem ersten Fall hatte das neue Ermittlerduo, bestehend aus dem Lichtadepten Meister Hippolit und seinem Assistenten, dem Troll Jorge, höchst erfolgreich den „Elbenschlächter“ dingfest gemacht. Somit gönnen sich die beiden Helden der Arbeit ihren wohlverdienten Urlaub. Jeder für sich ein paar Tage entspannen, bevor es wieder in den Alltag und im Namen der thaumaturgischen Investigation ans Leder der bösen Buben geht. Da dem Bösen jedoch Urlaubspläne egal sind, müssen Jorge und Hippolit ihren Urlaub abbrechen und werden kurzerhand zum Ort des Geschehens geschickt.
Auch der zweite Fall ist knifflig. Im Heerlager auf der Ebene von Torr werden mehrere Soldaten getötet. Während ihre Leichen gefunden werden, fehlt allen Opfern das Herz. Da es sich bei den getöteten Soldaten ausnahmslos um Orks handelt, ist die Geschichte über den legendären „Orksammler“ schnell in aller Munde und untergräbt die Moral der Truppe. Bei näheren Nachforschungen sieht die Wahrheit zwar etwas anders aus, Hippolit ist ob der thaumaturgisch uneindeutigen Spuren am Ort der Verbrechen jedoch höchst irritiert bezüglich des möglichen Täters.
Leider werden seine Nachforschungen zudem eher belächelt als begünstigt, wodurch diese aufwändiger als nötig sind. Dass aber auch an einem so trostlosen Ort wie der Stadt der Toten nicht alles schlecht sein muss, darf Meister Hippolit am eigenen Leib erfahren. Nicht nur macht Lith, die Sekretärin des Obersten Verwalters von Torrlem, einen kompetenten Eindruck, sondern stellt sich später sogar als sein persönlicher Fanclub heraus. In Hippolt erwachen erwiderte Gefühle, von denen er nicht einmal wusste, diese noch empfinden zu können. Aber so ist das, wenn man wieder in einem Teenagerkörper steckt, da hat dieser die entsprechenden Bedürfnisse. Dennoch versucht er sich so gut es geht auf den Fall zu konzentrieren und entdeckt, dass die Mordfälle durch die wahre Intention des Täters in Wirklichkeit eine andere, viel schrecklichere Dimension haben.
Erneut haben es M. H. & Jorge mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun, wobei das erneut stimmige Setting sein Übriges tut, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Vor allem die Idee der Aschestadt (Stadt der Toten), zu der alle Toten des Königreichs zentral gebracht werden, ist gut ausgeführt und passt sich wunderbar in diesen Fall ein. Weitere Facetten der Persönlichkeiten der Protagonisten werden hervorgestellt, und dieses Mal kommt auch die Liebe nicht zu kurz. Insgesamt wirkt der zweite Roman von Jens Lossau & Jens Schumacher abgeklärter und routinierter geschrieben. Die Story ist geradliniger, und auch die Ermittler verhalten sich professioneller. Allein der Humor bleibt verglichen mit „Der Elbenschlächter“ dadurch etwas auf der Strecke. Ebenso ist „Der Orksammler“ weniger vulgär – aber dies scheint den Autoren auch aufgefallen zu sein, denn im letzten Drittel wird das Versäumte nachgeholt.
Fazit: Auch im Fall von „Der Orksammler“ überzeugen Jens Lossau und Jens Schumacher ihre Leserschaft, die sie mit „Der Elbenschlächter“ angesprochen habe. Es ist ein eigenständiger Fall, zu welchem das Vorwissen aus Band 1 nicht notwendig ist, um der Handlung folgen zu können. Ihrem Schreibstil treu geblieben, ist erneut ein solides Werk entstanden, wodurch sich die Reihe um Hippolit und Jorge womöglich zum Kult entwickeln kann. Das Buch ist spannend geschrieben, ohne langweilige oder langatmige Passagen, sodass man viel zu schnell auf den letzten Seiten anlangt. Ein uneingeschränkter Lesetipp für Anhänger der lockeren Fantasy, die nicht allzu viel auf gängige Klassen- und Rassenklischees der phantastischen Welten geben.
Der Orksammler
Fantasy-Roman
Jens Lossau, Jens Schumacher
Egmont-LYX 2010
ISBN: 978-3-8025-8258-5
318 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,95
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