von Oliver Adam
In diesen klassischen, schlechten B- oder eher C-Movies übernehmen bei diesem Rollenspiel die Spieler die Rolle der Darsteller. Dabei wurde das englischsprachige Original mit dem Titel „It came from the late, late show“ von Ralf Sandfuchs, bekannt aus zahlreichen Publikationen zu „PP&P“ und „Call of Cthulhu“, deutlich überarbeitet und erweitert. Während „Das Monster aus der Spätvorstellung 1“ alle Regeln und Informationen abdeckt, die angehende Darsteller und Regisseure in der Welt der schlechten Filme benötigen, liegt mit „Das Monster aus der Spätvorstellung 2“ der erste Nachfolgeband vor.
Auf den ersten Seiten werden die im ersten Heft nur angedeuteten „Schinkelheimer Bros. Filmstudios“ ausführlich vorgestellt, komplett mit Studioplan, Filmcrew und mysteriösen Geldgebern. Dieser Hintergrund eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt der Darsteller-Realität; schließlich übernehmen die Spieler die Rollen von Möchtegern-Schauspielern, die in den dort gedrehten Billigfilmen auftreten.
Mit der Film-Realität beschäftigt sich der Rest des 120-seitigen Heftes. Es wird eine typische Stadt im Wilden Westen mit dem Namen Bootheel detailliert beschrieben, mit allen Einwohnern und Sonderregeln für das Spiel. Durch einen mysteriösen Zwischenfall wurde Bootheel allerdings in die Vergangenheit geschleudert und ist nun in der Zeit der Dinosaurier gestrandet, sodass neben den Bewohnern auch Dinosaurier in allen möglichen Ausprägungen (vom Säbelzahntiger bis zum Brontosaurus) sowie Echsenmenschen und Höhlenmenschen auftreten.
Erdgeschichtlich und evolutionstheoretisch macht das alles natürlich überhaupt keinen Sinn. In der Welt der schlechten Filme spielt das aber keine Rolle, hier zählen nur die damit verbundenen, zahlreichen Möglichkeiten für Action, wildes Rumgeballere, „filmische Highlights“ und die eine oder andere „Oscar-reife Sterbeszene“. So bietet das Heft für dieses Cross-over-Setting ein komplett ausgearbeitetes Drehbuch (= Abenteuer) mit dem Titel „Tyrannosaurus Tex“. Die Spieler können die Stadt gegen einen waschechten (na ja, es handelt sich natürlich um eine Filmpuppe) Tyrannosaurus verteidigen, das Reiten auf einem Brontosaurus erlernen und einen von Echsenmenschen entführten Wissenschaftler nebst hübscher Tochter befreien.
Das Abenteuer ist dabei sehr auf Einsteiger-Darsteller und -Regisseure ausgerichtet und bleibt eindimensional und oberflächlich. Es liest sich etwas wie die frühen Abenteuerbücher, bei denen man je nach Entscheidung auf eine andere Textstelle verwiesen wird. Für Anfänger ist das sicherlich von Vorteil; erfahrene Rollenspieler werden allerdings Tiefgang und Handlungsmöglichkeiten vermissen und allenfalls die eine oder andere (gute) Idee für eigene Drehbücher verwenden. Deutlich spannender und vielversprechender war das Abenteuer im Regelbuch „Angriff der untoten Sporttaucher-Zombies auf Bikini Beach“.
Fazit: Das „Monster aus der Spätvorstellung 2“ bietet mit der Beschreibung der Schinkelheimer-Filmstudios, dem Setting der Westernstadt „Bootheel“ und einem kompletten Drehbuch viel abgefahrenes Lesevergnügen für nur 12,50 Euro. Dabei richtet sich das Abenteuer vor allem an unerfahrene Darsteller und Regisseure; erfahrenere Spielgruppen finden hier bestimmt einige Ideen für ein selbstgestaltetes Drehbuch in der Welt der schlechten Filme. Ich bin schon gespannt auf die weiteren Drehbücher für dieses Spiel, die dann gerne auch etwas komplexer und umfangreicher sein dürfen, aber genau so abgefahren bleiben sollten.
Das Monster aus der Spätvorstellung 2 Quellenbuch Ralf Sandfuchs Krimsus Krimskrams Kiste 2005 ISBN: 3-932932-06-4 120 S., Softcover, deutsch Preis: EUR 12,50 bei pegasus.de bestellen
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