Dämonengold

5.000 Goldmünzen muss der vom Zauberer Lebuin Nemrothar beschworene Dämon Baazlabeth auf ehrliche Art und Weise verdienen, um die Erde erhobenen Hauptes wieder verlassen zu können. Selbstverständlich könnte der Dämon auch den Zauberer töten und ein leckeres Blutbad in Brisenburg veranstalten. Baazlabeth würde sich jedoch in Stolz und Ehre verletzt fühlen, wenn er es nicht schafft, das Geld aufzutreiben.

von Lars Jeske

 

Der Einstieg in die Geschichte ist überaus interessant gestaltet. Nachdem man Einblicke in das dämonische Schaffen von Baazlabeth erhält, wird dieser mittendrin durch eine Beschwörung in die mittelalterliche Stadt Brisenburg einer Menschenwelt gerufen. Allein dies passt Baazlabeth schon nicht, dennoch muss er sich den für ihn geltenden unumstößlichen Naturgesetzen fügen. Grund genug, dem Beschwörer, dem Magier Nemrothar, schon allein dafür ewige Qualen angedeihen zu lassen. Bis jedoch der Bindungszauber gebrochen und ihm dies gestattet ist, hat er eine andere Aufgabe. Baazlabeth soll sich entgegen seiner Natur mit ehrlicher Arbeit 5.000 Goldmünzen verdienen. Rache für diese Idiotie im Sinn (wieso verdienen, wenn man es sich auch einfach nehmen kann, gern auch nach einem ordentlichen Blutbad), beginnt er seine schicksalsträchtige Aufgabe und muss sich mit der Welt der Menschen näher befassen.

Wie nicht anders zu erwarten, kommt es dann 1. anders und 2. als man denkt. Nicht nur stellt es sich als schwieriger als gedacht heraus, ehrlich an Geld zu kommen, auch gewöhnt sich Baazlabeth an die Menschen. Wenngleich sein chaotisches Naturell immer wieder mit ihm durchgeht, schließlich ist er ein Dämon und Kriegsherr, merkt er doch, wie er menschliches Verhalten adaptiert und ansatzweise schwach wird und verweichlicht, um nicht zu sagen vermenschlicht. Als Baazlabeth dann glaubt, das eigensinnige Spiel des Magiers zu durchschauen, ändert auch er seine Pläne, und die Handlung schlägt zum Finale hin eine ganz neue Richtung ein.

Aufhören, wenn es am Schönsten ist. Nachdem die Trilogie um die Abenteuer des liebenswerten Ogers Mogda abgeschlossen ist, erzählt Stephan Russbült nun etwas über die selbsternannte Inkarnation des Bösen, den Dämonen Baazlabeth. Sein neuer Roman „Dämonengold“ hat ein komplett anderes Thema und wirkt vom Klappentext her wie von Jonathan Stoudts „Bartimäus“-Tetralogie inspiriert. Der Hauptschauplatz ist dieses Mal Brisenburg, wobei die Ähnlichkeit zu Sandburg aus der Oger-Welt augenscheinlich ist und man sich somit gut und schnell zurechtfindet. Zudem besteht die vage Möglichkeit, bei einem entsprechenden Erfolg der neuen Serie einen Crossover-Roman zu schreiben.

Die Geschichte an sich schreitet leicht und beschwingt voran, wodurch der Leser freiwillig weiterliest, sodass die 552 Seiten einem viel weniger vorkommen. Die Story ist zwar nicht immer ganz schlüssig, aber niemals zäh. Kritikpunkte sind für mich lediglich das andauernde Wiederholen von Baazlabeths auferlegten Verhaltensregeln und dass eigentlich er hier der Böse ist. Anfänglich ist das okay, später driftet es eher in die Richtung, damit den Plot zusammenhalten zu wollen. Diese Plausibilität ist jedoch auch so vorhanden. Die andere Sache ist, dass das Ende irgendwie nicht ganz passt. Oder der auktoriale Erzähler hatte mich auf eine falsche Fährte gelockt. Dies ist jedoch subjektiv.

Sehr gut gelungen sind die Einleitungen zu jedem Kapitel. Nicht nur gibt es eine verschlüsselte Zusammenfassung des Kommenden, auch ist die Überschrift jeweils ein (abgewandeltes) Sprichwort. Generell werden in diesem Buch Phrasen gedroschen (Allgemeinplätze noch und nöcher belegt), dass jedes Phrasenschwein mächtig gemästet werden würde und die 5.000 GM locker verdient wären. Wortwitz und Ironie greifen Hand in Hand, wodurch die Gesellschaftskritik gekonnt versteckt wird. Der Gesellschaftsstruktur, den Menschen und der Menschlichkeit wird ein Spiegel vorgehalten und diese intelligent vorgeführt. Ebenso werden Riten und Phrasen hinterfragt. Baazlabeth muss sich auch erst einmal an den Sprachgebrauch der Menschen gewöhnen. Bitter ist für ihn in diesem Zusammenhang ist beispielsweise, dass beim Bauernomlette die namensgebende, leckere Hauptzutat nicht einmal vorgesehen ist.

Fazit: Eine schöne und gut erzählte Fantasy-Story mit klar definiertem Bösen und den Menschen, welche jedoch nicht zwangsläufig das Gute widerspiegeln. Jeder Leser wird sich stellenweise eher für Baazlabeth entscheiden, als zu den Menschen zu halten. Auf der einen Seite ist dessen Verhalten konsequenter, auf der anderen ist es mit der hauchdünnen Schicht der sagenumwobenen Menschlichkeit auch nicht besonders weit her. Dies ist hervorragende Erzählkunst. Wem diese Einschätzung nicht passt: Platsch!

Anmerkung: Gegenüber „Die Oger“ ist am Ende auch gleich ein Cliffhanger eingebaut, sodass die für den 11.11.11 terminierte Fortsetzung „Dämonenzeit“ eine gern angenommen Pflichtlektüre sein wird.


Dämonengold
Fantasy-Roman
Stephan Russbült
Bastei Lübbe 2011
ISBN: 978-3-404-20001-6
559 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 14,00

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