von Andreas Loos
Mit „Sagittarius is bleeding“ liegt jetzt der zweite (mit dem Roman zur TV-Mini-Serie: dritte) Roman in Deutsch für die Neuauflage der „Battlestar Galactica“-Reihe vor. Peter David, bekannt für seine Arbeiten im Comic-Bereich und als Autor von „Star Trek“-Büchern zeichnet sich dafür verantwortlich.
Im Gegensatz zum ersten in Deutsch erschienen Roman (der allerdings nicht als Band 1 bezeichnet wird), der „offiziellen Vorgeschichte“, handelt es sich hier nicht um eine Buchadaption einer bereits gesendeten Episode. Stattdessen enthält das Buch eine eigenständige Geschichte, die zeitlich zwischen den Episoden 14 und 15 der zweiten Staffel angesiedelt ist. Einige Referenzen auf die vorangegangene „Schwarzmarkt“-Folge in Form einiger spitzer Bemerkungen finden sich auch hier.
Inhaltlich teilt sich die Handlung in drei ineinander verwobene Hauptstränge sowie etliche Nebenhandlungen, die ein komplexes Geflecht ergeben, das leider am Ende mehr Fragen aufwirft als beantwortet (wer die Serie kennt, weiß aber, dass das dazugehört).
Zum einen findet sich Laura Roslin, die zivile Präsidentin der Zwölf Kolonien, verfolgt von beängstigten und blutigen Visionen, die sie mehr und mehr an ihrem Verstand Zweifeln lassen. Die bereits Publik gewordenen Visionen, die Roslin über den Standort der Erde hatte, haben dafür gesorgt, dass eine obskure Sekte, die Midguardians, sich zu handeln genötigt sieht. Zum anderen erhält die schwangere Zylonin Sharon Valerii, die in der Arrestzelle des Kampfsterns Galactica vor sich hin vegetiert, unerwarteten rechtlichen Beistand.
Schlussendlich jagen Admiral Adama und Colonel Tight einen feindlichen Spion in ihren Reihen, der den Zylonen verraten hat, wohin die Flotte der Galactica als nächstes springen wird. Nur knapp entkommen sie einem Hinterhalt und wären dabei beinahe in einen Stern gerast.
Wer die Romane aus Peter Davids Feder kennt, wird immer einen Bezug zu Themen in der aktuellen Politik feststellen können. Der Hintergrund des „Battlestar Galactica“-Universums kommt ihm dabei sehr entgegen. Dieser Roman im Besonderen nimmt Bezug zu den Geschehnissen im Zusammenhang mit dem 11. September und allen weiteren damit verbundenen Ereignissen, wie dem Kampf gegen den Terror.
So spiegelt sich auch hier in der Situation von Sharon Valerii, deren rechtlich Status (nämlich, dass sie als Zylon gar keine Rechte hat, obwohl diese Version von Sharon Valerii sich keines Verbrechens schuldig gemacht hat, außer dem, ein Zylon zu sein), die derzeit kontrovers diskutierten Gegebenheiten in dem von den Amerikanern eingerichteten Gefängnis Guantanamo Bay auf Kuba wieder. So geht es um die Frage, ob eine Gesellschaft willkürlich und zum „Wohle“ Aller fundmentale Rechte (deren man sich selbst immer rühmt) außer Acht lassen und sie einzelnen ohne Prüfung auf Rechtmäßigkeit verweigern darf.
In die gleiche Kerbe schlägt dann auch der Handlungsstrang, der sich um die Ermittlung des Verräters dreht. Colonel Tigh schlägt Adama zur Sicherheit der Flotte einige Maßnahmen vor, die das Recht auf Privatsphäre einzelner empfindlich berühren.
Dass der Intrigante Dr. Gauis Baltar, seines Zeichens nunmehr Vizepräsident der Kolonien, seine eigenen Ränke schmiedet, um vor allem zu verhindern, dass man seine Rolle bei dem vernichtenden Angriff auf die Kolonien aufdeckt, ist bereits in der Serie zu einem Dauerzustand geworden.
Die Midguardians repräsentieren eine gänzlich neue religiöse Gruppierung, die von den anderen Kolonisten als Ketzer angesehen wird. Zwar wird die Gruppierung nicht (mehr) aktiv verfolgt, fristete ihr Dasein aber als politisch und religiös bedeutungslose Randgruppe in völliger Isolation. An Bord ihres Schiffes, der Bifrost, halten sie ihre Gottesdienste ab und verehren nordische Götter wie Wotan oder Thor. Ihre Weisheiten und Prophezeiungen entnehmen sie der Edda, dem Buch ihrer heiligen Schriften.
Dem Autor gelingt es, die einzelnen Personen dramatisch gekonnt in Szene zu setzen, wobei er sich an die Vorgaben der Serie hält. Auch hier macht sich bemerkbar, dass er Erfahrung mit Charakterbeschreibungen im Rahmen eines etablierten Franchises hat, das nicht aus seiner eigenen Feder stammt. Dass das Buch bereits fest in die Ereignisse des etablierten Kanons verankert ist, bedeutet natürlich, dass hier am Status Quo nicht gerüttelt wird, um Inkonsistenzen zu vermeiden.
Auch ansonsten hält David sich an die düstere Grundstimmung des Hintergrunds: Ränkespiele, gegenseitiges Misstrauen, Selbstzweifel und regelrechte Paranoia sind allgegenwärtig. Da es Zylonen in menschlicher Gestalt gibt, und praktisch jeder ein Zylon sein kann, ohne es selbst zu wissen, kommt auch der Leser nicht umhin, sich ein wenig am Rätselraten zu beteiligen.
Punktabzug erteile ich für einen Fauxpas, der David in Sachen Astrophysik unterlaufen ist: Raumschiffe können nicht einige tausend Kilometer vor einem Stern anhalten, es sei denn sie heißen U.S.S. Enterprise und verfügen über einen entsprechend modifizierten Schutzschild. Da eine solche Technologie in diesem Hintergrund (bisher) nicht in Erscheinung getreten ist, hätte der Roman dort eigentlich enden müssen. Angesichts dessen, dass Peter David im „Star Trek“-Universum kein Unbekannter ist, und dort solche Aktionen in seinen Romanen am laufenden Band produziert werden, sei es ihm allerdings verziehen. ;-)
Weshalb man es nicht für nötig gehalten hat, den Titel zu übersetzen, wird wohl ein Geheimnis bleiben (allerdings könnten ja auch die Zylonen dafür verantwortlich sein). :-)
Fazit: Peter Davids Roman erzeugt gekonnt die düstere, von Paranoia geprägte Spannung, die wir schon aus der Serie kennen. Routiniert verzahnt er die einzelnen Handlungsstränge und bildet ein komplexes Geflecht rund um blutige Visionen, Intrigen, Religiöse Fanatiker, Verrat und natürlich Zylonen. Moralische Fragen mit einem Bezug zur heutigen Zeit werden aufgenommen, jedoch sollte man nicht erwarten, dass die Personen „moralisch“ richtig handeln. Die Charaktere bewegen sich fast immer nur in Grauzonen. Bahnbrechende Erkenntnisse über die Zylonen oder gar verlässliche Fakten sind ebenfalls nicht zu erwarten.
Auch wenn der Status Quo der Serie notwendigerweise letztlich unangetastet bleibt, wird hier kurzweilige Unterhaltung geboten. Für Fans der neu aufgelegten Serie in jedem Fall lesenswert. Gelegenheitsleser, die mit dem Hintergrund nicht vertraut sind, bekommen auch im Zusammenhang des Romans genug Hintergrundwissen mitgeliefert, um nicht völlig im Dunkeln zu tappen.
Battlestar Galactica 2: Sagittarius is bleeding
Film/Serien-Roman
Peter David
Panini Books 2007
ISBN: 978-3833214974
410 S., Taschenbuch, deutsch
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