von Daniel Pabst
Wer den Titel dieses neuen Comics gelesen hat, der hat vielleicht ein seltsames Déjà-vu. Hat man den Titel nicht schon einmal gelesen? Dieses Gefühl liegt daran, dass Dan Jurgens und Mike Perkins, die diesen Comic geschaffen haben, bereits die Trilogie mit dem Titel „Bat-Man – First Knight“ kreiert haben. Auch in diesem wurde die gerechtigkeitsbringende Fledermaus in die Vergangenheit katapultiert. Jetzt also ist der 2. Weltkrieg ausgebrochen und die hohe Arbeitslosigkeit löst Panik in Gotham City aus. Die Verbrechensrate steigt immer weiter. Wie nur soll man dem Wahnsinn entgegenwirken? Bruce Wayne, der reiche Junggeselle, führt ein Doppelleben und schwingt sich jede Nacht über die Dächer der Wolkenkratzer, um auch dieses Mal, den Mörder aufzuspüren und zu stellen.
Imposant sind – wie bereits bei der Reihe „First Knight“ – die großformatigen Zeichnungen und die düstere Farbgebung und ihre Schattierungen (Mike Spicer). Die Figuren sind recht realistisch dargestellt worden, sodass man ein beinahe persönliches Bild dieser (fiktiven) Geschichte zu Gesicht bekommt. Rau, hart, düster und brutal geht es in dieser Zeit in Gotham City zu. Bat-Man ist sich daher auch nicht zu schade, den Kontakt zu Kriminellen und Ausgestoßenen zu suchen, um an die erforderlichen Informationen zu kommen. Von der Prostituierten Tillie erfährt er beispielsweise, dass der Serienmörder den Menschen wohl einfach „Angst“ machen wolle, damit sich niemand mehr alleine nachts auf die Straßen trauen würde. So weit ist es in Gotham City schon gekommen!
Als sich der unbekannte Serienmörder dann mit Scarecrow verbrüdert, bekommt dieser Comic eine noch eindringlichere Wirkung. Scarecrow besitzt nämlich die Macht, anderen eine Furcht einzujagen, die sie nicht mehr klar denken lässt. Nicht ohne Grund wird in dem Comic der berühmte Satz von Franklin D. Roosevelt zitiert, welchen er am 4. März 1933 in seiner 1. Inaugural Address fallen ließ: „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“ Begreift man diesen Satz, so erhält der Comic, der in einer weit hinter uns geglaubten Zeit spielt, eine gar nicht unzeitgemäße Bedeutung und Brisanz. Daher fragt man sich nach dem Lesen dieses ersten von drei Bänden, wohin die Angst in Gotham City noch führen wird, und was der Unbekannte mit Scarecrow bezweckt?
„Bat-Man – Second Knight 1“ ist ein ungewöhnliches Comic-Projekt, welches wohl allein durch den Erfolg von „Bat-Man – First Knight“ möglich geworden ist. Bruce Wayne ist noch ohne seinem Butler und sein Anwesen wirkt wie das eines Junggesellen, der langsam die Kontrolle zu verlieren scheint. Zu schätzen weiß das eine Filmschauspielerin, die ihm verfallen ist und die ihn nach ihrer Tour überrascht, um gemeinsam mit ihm ihre neue Filmpremiere – ausgerechnet – in Gotham City zu feiern. Auch wenn die gemeinsamen Stunden Abwechslung von der düsteren Außenwelt bieten, begreifen beide, dass es in Gotham City keinen Platz für Liebende und die Liebe insgesamt zu geben scheint. Denn auch bei der Filmpremiere wird es zu einem grausamen Schauspiel kommen …
Fazit: Der Auftakt von „Bat-Man – Second Knight 1“ gelingt sehr gut. Der Comic ist schnell gelesen. Man wünscht sich eine baldige Fortsetzung. Die Wahl von Panini Comics, dem Ganzen ein Großformat zu spendieren, hat sich gelohnt. Die Zeichnungen bleiben im Gedächtnis und der Eindruck überall um sich greifender Angst hat eine erschreckende Aktualität. Bitte mehr davon!
Bat-Man – Second Knight 1
Comic
Dan Jurgens, Mike Perkins
Panini Comics 2026
ISBN: 978-3-7416-4886-1
56 S., Hardcover, deutsch
Preis: 16,00 EUR
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