von Jorge C. Kafka
Der mittlerweile fünfte Regionalband glänzt mit einer beigelegten, großen Farbkarte von Kunchom (für Spieler) und einer großen, sepiafarbenen Karte von Kunchom (für Meister). Er enthält weiterhin eine DIN A4-Karte von Baburin (eine für den Meister, eine für den Spieler) und von Rashdul sowie eine DIN A5-Karte von Fasar, von Anchopal und Zorgan. Hinzu kommt eine große Farbkarte der östlichen Tulamidenlande, auf der auch mitten im Raschtulswall die Region Drakonia zu finden ist, der der Autor Folker Jung ein eigenes neues Brettspiel mit dem Titel „Der Weg nach Drakonia“ gewidmet hat, das im Oktober 2005 erschienen ist.
Nach der Spielhilfe „Raschtuls Atem“ ist „Land der Ersten Sonne“ (LDES) der der zweite und abschließende Band über die tulamidischen Länder und Kulturen. Interessanterweise unternehmen die Autoren gleichzeitig den Versuch, das Spielfeld in dieser Region für die nächsten Jahre vorzubereiten.
Der vorliegende Band basiert auf der im März 1991 erstmals erschienen Box „Die Wüste Khom und die Echsensümpfe“. Die neue Publikation geht jedoch inhaltlich weit darüber hinaus und integriert gut 15 Jahre Veröffentlichungsgeschichte. Ebenfalls eingeflossen ist die Beschreibung Araniens aus dem 1999 veröffentlichten Band „Borbarads Erben“.
Die Leser von „Raschtuls Atem“ werden vertraut gemacht mit den Stammeskulturen der Wildnis – den Novadis, Ferkinas und Achaz. Die Spielhilfe LDES nimmt auf beinahe 200 Seiten die tulamidische Zivilisation in den Fokus. Unterteilt in sieben große Kapitel lüftet LDES einige der undurchsichtigen Schleier für den Spielleiter, hinter denen sich ebenso Märchen und Legenden wie Wissenschaft und Zauberkunst, Mächte und Intrigen verbergen.
Vorweg seien die stimmungsvollen neuen Illustrationen von Sabine Weiss, Florian Stitz und besonders Caryad zu loben! Gerade letztere hat ihr Talent vor allem bei den Portraits der Persönlichkeiten so weit verfeinert, dass man sich zu jeder eine Abbildung wünscht.
Hinter dem ersten Schleier erblicken wir das Land der Ersten Sonne unter geographischen Gesichtspunkten – Flora und Fauna werden vorgestellt. Natürlich auch die Bewohner und ihre Kämpfe gegen Dürre, Flut und Plagen, wie die Menschen dort sich ernähren, welchen Räuschen sie verfallen und wie man in und aus diesem widersprüchlichen Land reist.
Der zweite Schleier verbirgt eine Jahrtausende alte Kultur und die Geschichte der Tulamidenlande. Berichtet wird von der Riesin Chalwen und den Sumurrern, deren Reich in Trümmern auf dem Grunde des Golf von Perricum ruht. Ebenso erfährt man mehr über die ersten Tulamiden, die Sultane von Kunchom, den mächtigen Magiermogulen von Gadang und dem Diamantenen Sultanat. Wie schlugen sich die Tulamiden unter der Garether Herrschaft, und wie kam es zur Unabhängigkeit Araniens? Auch darauf wird detailliert eingegangen und natürlich auf Borbarad und seine Erben. Abgeschlossen wird das Kapitel durch einen tabellarischen Überblick über die Geschichte der Tulamiden.
Schleier drei enthüllt mehr, als er verbirgt: die Tulamiden selbst. Von Äußerlichkeiten wie Kleidung über Sprache, Schrift, Religion und Wissenschaft bis hin zu den tulamidischen Märchen erhält der potentielle Spielleiter Unmengen an neuen Informationen.
Den vierten Schleier gelupft, blickt man auf das Politische: die Mächte und Potentaten im Land der Ersten Sonne. Gorien, Kunchom, Aranien, das Kalifat, Thalusien und einige andere werden genau unter die Lupe genommen. Vom Herrscher über die wichtigsten Städte bis hin zur Währung und dem Wappen werden relevante Details aufgezählt. Besonders spannend sind die Abschnitte zum Thema politische Verwicklungen. Man hat manchmal den Eindruck, die ganze Region sei ein einziges Pulverfass… Ach ja, über die vergleichsweise kurze Abhandlung des Kalifats darf man sich nicht wundern. Dieses wird ausführlich in der Regionalspielhilfe „Raschtuls Atem“ besprochen.
Das umfangreichste Kapitel des Bandes verbirgt sich hinter dem fünften Schleier: die tulamidischen Völkerschaften, ihre Städte, Länder und kulturellen Besonderheiten. Alleine der Stadt, die niemals schläft (Kunchom), werden neun abbildungsarme Seiten gewidmet. Zu den weiteren Städten, Ländern und Flüssen zählen unter anderem der Mhanadie, Rashul, Fasar, Elburum, Zorgan und viele Orte mehr.
Dem vorherigen Kapitel sehr verwandt, enthüllt Schleier sechs einige Persönlichkeiten der jeweiligen Regionen. Zum Teil sind die aventurischen Promis mit Spielwerten versehen, zum Teil nur mit einer Kurzbiographie dargestellt.
Hinter dem siebten und letzten Schleier verbergen sich die Mysteria et Arcana, die für den Leser als Meisterinformationen gekennzeichnet sind. Darum an dieser Stelle nur so viel: die Erben der Magiermogule, berühmt-berüchtigte Edelsteine, Drachen, verborgene Ruinen, verschwiegene Sphingen und Insektenvölker zählen zu den behandelten Themen. Dazwischen warten unzählige kleine und große Geheimnisse, die besser nur in Meisterhände fallen sollten… Hervorhebenswert ist das Unterkapitel „Hinter dem Schleier“. Auf den sieben Seiten dieses ausschließlich und ausdrücklich als Meisterinformationen deklarierten Szenarios entfaltet sich ein Geheimnis, das aus der aventurischen Gegenwart in seine Zukunft reicht. Es bildet den Hintergrund Araniens für die kommenden Jahre und stellt somit ein begrüßenswertes Novum in den FanPro-Publikationen dar.
Abgerundet wird die Spielhilfe LDES mit Informationen für Spielerhelden, sollten diese aus der Region stammen, und multimedialen Empfehlungen zur Vertiefung des regionalen Flairs. Natürlich erhebt die Liste der Literatur, Musik und Filme keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Darum hier noch eine eigene Spielfilmempfehlung: „Das goldene Schwert“ (USA 1953) mit Rock Hudson. Die letzten drei Seiten des Bandes füllen der klein gedruckte, umfangreiche Index.
Wie eingangs erwähnt gefallen auch diesmal wieder die wundervollen Illustrationen. Wirklich negativ fällt nur eine auf, die der DSA-Fan möglicherweise bereits aus dem Ulrich Kiesow-Abenteuer Nr. 13 „Der Streuner soll sterben“ (1985) kennt: das Portrait des Dolguruk, Sultan von Thalusa. Hallo, FanPro! Dieses eine Portrait neu zu gestalten, hätte den Bock doch sicherlich nicht fett gemacht, oder? Nicht nur, dass das Bild schlecht reproduziert ist, es sieht auch einfach äußerst bescheiden aus… Erst auf den zweiten Blick fiel mir das Bild auf S. 28 ins Auge. Es stellt drastisch eine Enthauptung dar, in der mit einem Säbelstreich und ordentlich Blutvergießen der Kopf vom Rumpf einer stehenden Frau getrennt wird. Gewagt, aber eindringlich.
Fazit: Verdammt viel Zeug für verhältnismäßig wenig Geld. Für jeden Meister, der die südliche Region mit viel Kolorit gestalten will, ein Muss. Von der Fülle, Aufmachung und vom Anspruch her stellt „Land der Ersten Sonne“ einen der besten Bände der Reihe dar.
Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH, www.fanpro.com und www.f-shop.de.
Aventurische Regionen 5: Land der Ersten Sonne - Mhanadistan, Aranien, Gorien, der Balash und Thalusien
Quellenbuch
Frank Wilco Bartels, Chris Gosse (Hrsg.)
Fantasy Productions 2005
ISBN: 3-89064-203-9
192 S., Hartcover, deutsch
Preis: EUR 25,00
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