Almanach zu Magnimar

Magnimar, die Stadt der Monumente, war eine der erste Städte, die es in Golarion zu erforschen gab und hat dadurch viel zu dem Gefühl beigetragen, das den Landstrich Varisia auszeichnet. Passend zum neuen Abenteuerpfad „Der zerbrochene Stern“, in dem Magnimar immer wieder eine Rolle spielt, widmet sich nun ein Almanach dieser Stadt und ihren Geheimnissen.

von Tobias Dworschak

 

Das der Rezension zugrunde liegende PDF-Dokument umfasst 68 vollfarbige Seiten. Als Autoren zeichnen sich Adam Daigle und James Jacobs verantwortlich. Das Layout ist gewohnt zweispaltig, der Satz sauber und die komprimierte Fassung des PDF lässt sich ruckelfrei und angenehm am Bildschirm lesen. Bilder auf dem hohen Niveau der „Pathfinder“-Produkte zieren auch diesen Almanach, wobei – dem Anlass entsprechend – besonders viele Karten der Stadt zu finden sind. Die Bilder der Stadt vermitteln einen homogenen Eindruck. Unschön fallen bisweilen die Leerstellen auf den Seiten auf. Hier wäre Platz für den ein oder anderen Absatz gewesen.

Der Text lässt sich insgesamt gut lesen, auch wenn ich manchmal über holprige Sätze gestolpert bin, die mutmaßlich zu nahe am Original übersetzt wurden.

Inhaltlich bietet der Almanach das, was man von ihm erwartet: 40 Seiten Beschreibung der Stadt und ihrer einzelnen Bezirke, 8 Seiten Intrigen und Gefahren und 14 Seiten Bewohner. Das sind auch die drei Einträge aus dem Inhaltsverzeichnis, wobei ich mir insbesondere zu den Bezirken eine genauere Unterteilung gewünscht hätte. Um einen bestimmten Stadtteil zu finden, hilft nur blättern (was durch die alphabetische Sortierung der Bezirke allerdings vereinfacht wird).

Die Beschreibung der Stadt beginnt – insofern fast klassisch – mit einem geschichtlichen Abriss über die Gründung. Hier wäre deutlich mehr Potenzial gewesen. Magnimar ist von Auswanderern aus Karvaso gegründet worden, die mit der allzu starken Orientierung an Cheliax nicht einverstanden waren. Die Geschichte der Stadt soll geprägt sein von den Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern Varisias, insbesondere den varisianischen Wanderern. Allerdings finde ich hierzu kaum etwas. Dieser Teil des Heftes ist sehr kurz gehalten, was schade ist, denn Historie bietet immer auch Inspiration für gegenwärtige Geschichten.

Eine Seite bietet einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation der Stadt (Regierung, Erscheinungsbild), bevor die einzelnen Stadtteile näher beschrieben werden. Diese Beschreibungen machen den Hauptteil des Kapitels aus und sind alle gleich aufgebaut: Es gibt einen ausführlichen Block mit Spielwerten des Stadtteils, der auch wichtige oder bekannte (oder berüchtigte) Orte oder Institutionen enthält, eine Karte des Bezirks, eine allgemeine Beschreibung und anschließend mehr oder minder ausführliche Beschreibungen besonderer Orte, Sehenswürdigkeiten und dergleichen. Der Text wird aufgelockert durch Kästchen, in denen alltägliche Informationen zu finden sind. Diese Kästchen tragen viel dazu bei, das Flair Magnimars darzustellen. Und darin sind sie besser als die Beschreibungen der Stadtteile.

Die Beschreibungen der Stadtteile sind nicht schlecht und hier und da ist eine wirkliche (im Sinne von inspirierende) Perle darunter, aber im Großen und Ganzen handelt es sich „nur“ um solide Hausmannskost, die nicht spezifisch zu Magnimar passt, sondern sich beliebig auch in anderen Städten unterbringen ließe. Die Ausnahmen hiervon sind sicher die Monumente, die Magnimar den Beinamen verliehen haben und die sogar spieltechnische Vorteile gewähren, wenn ein Charakter bestimmte Handlungen vor oder bei ihnen vollzieht (und eine Fertigkeitsprobe besteht). Das ist stimmungsvoll und einzigartig, geht aber in der Masse ein bisschen unter.

Das Kapitel unter der Überschrift „Intrigen und Gefahren“ hat bei mich mehr erwarten lassen, als präsentiert wird. Zwar bekommt der Leser Informationen zu Machtgruppen im Umland und in der Kanalisation sowie über die Zornspann, allerdings wird hier meiner Meinung nach Potential verschenkt. Ich assoziiere mit einer Stadt auch immer Intrigen und Detektiv-Abenteuer. Dazu bietet das Kapitel zu wenig. Die beschriebenen Gruppen, Personen und Geschichten bieten gleichwohl reichlich Gelegenheit, den Kern des ein oder anderen Abenteuers zu bilden. Sie haben allesamt sehr gute Verbindungen zu Golarion und es sind wirklich interessante Schurken darunter.

Das dritte und letzte Kapitel „Bewohner“ stellt Spielwerte typischer Bewohner der Stadt beziehungsweise von Kreaturen, die hier zu finden sind, vor, einschließlich passender Tabellen für Zufallsbegegnungen. Mit einer Ausnahme sind die Bewohner insgesamt sehr niedrigstufig und vielfach handelt es sich um NSC (Schläger, Gladiator, Adelige etc.), die universeller eingesetzt werden können. Ein bisschen Text vermittelt eine Vorstellung davon, wie und wo der Bewohner eingesetzt werden kann. Ein bisschen fehlt es mir hier an Besonderheiten, aber um während des Spiels eine Stadtwache aus dem Ärmel zu zaubern, ist die Sammlung allemal geeignet (wenn auch an anderer Stelle schon zu finden).

Der Almanach bietet insgesamt genug Hintergrundmaterial, um die Spieler in Magnimar zu beschäftigen. Die lokalen Besonderheiten (Feiertage, Ereignisse in der Arena etc.) werden in Kästchen präsentiert und eignen sich gut, um der Stadt ein einzigartiges Flair mit auf den Weg zu geben. Das kann ich von den Beschreibungen der Stadtteile nicht unbedingt behaupten. Hier findet sich zwar genug Ansatzpunkte, um zum Beispiel ein bestimmtes Haus näher auszuarbeiten oder eine spannende Geschichte zu erzählen. Insgesamt ist mir diese Beschreibung aber zu austauschbar; es fehlt häufig das Magnimar-Spezifische.

Fazit: Der „Almanach zu Magnimar“ präsentiert in gewohnter Qualität die Beschreibung einer Hafenstadt und kann auch über die eigentliche Stadt hinaus verwendet werden, etwa, indem man Stadtteile oder Personen übernimmt. Dabei bleibt genug über, um ein Bild der Stadt der Monumente selbst zu entwerfen. Es handelt sich um solides Material, das ein wenig Inspiration vermissen lässt. Wer tiefer in die Atmosphäre Magnimars eintauchen will, dem sei in Ergänzung zu dem Almanach der Band „Blood of the City“ von Robin Laws aus den „Pathfinder Tales“ empfohlen, das allerdings nur in englischer Sprache vorliegt.


Almanach zu Magnimar
Quellenbuch
Adam Daigle, James Jacobs
Ulisses Spiele 2013
ISBN: 978-3-86889-310-6
68 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 19,95

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