von Jens Krohnen
Illustrator Thorsten Kiecker zeichnete früher für das „MOSAIK“-Magazin und war auch lange Zeit für die Entwicklung der „Abrafaxe“ verantwortlich. Zusätzliche Erfahrung sammelte er beim Zeichentrickfilm. Mit „RIA Buch 1: Same der Hoffnung“ legte er mit der Unterstützung von Fred und Mary Pullin seine eigene, fantasievolle Fantasy-Geschichte vor, „Die Macht des Siegels“ – unterstützt von Andreas Völlinger – schreibt nun die Geschichte fort.
Im ersten Band erfuhren wir, wie der junge Krieger Loan versehentlich die letzte Tochter der Lichtkönigin erweckte – viel zu früh, um die verängstigten freien Völker gegen die Heerscharen des finsteren Noctus zu führen. Gemeinsam machen sie sich nun im zweiten Band auf die Suche nach sieben magischen Siegeln, welche Ria zur kommenden Lichtkönigin vervollkommnen sollen. Dabei lauern nicht nur Noctus Schergen als Gefahr, sondern auch der Planet selbst bietet einige abenteuerliche Begebenheiten. So wird das erste Siegel von einer pflanzenartigen Monstrosität geschützt, deren parasitäre Schwärme einen ganzen Wald entvölkert haben. Ihr weiterer Weg führt die kleine Gruppe in den hohen Norden, wo sie nicht nur auf fantastische Kreaturen im tiefen Eis treffen, sondern auch auf eine abgeschiedene Enklave, welche das zweite Siegel hütet.
Auch der zweite Band wird mit einigen Seiten voller Skizzen abgerundet, in denen die Hintergrundgeschichten einiger vorkommender Charaktere und Kreaturen näher beleuchtet wird. Das gefiel mir bereits im Einführungsband außerordentlich gut und liefert neben einem Einblick in die Entstehung der Optik auch gleich noch gehaltvollen Inhalt, der uns tiefer in die fantastische Welt von „RIA“ eintauchen lässt.
Die Kritik, welche ich dem ersten Band entgegenbrachte, könnte ich hier nahezu vollständig wiederholen. Gerade die Hauptcharaktere bleiben Abziehbilder der genretypischen Fantasyhelden, ohne viel Tiefe oder Eigenleben zu entwickeln. Immerhin dem finsteren Noctus wird ein wenig mehr Hintergrund verliehen, doch sind diese paar Panels noch zu wenig, um sich ein abschließendes Bild über den Antagonisten der Geschichte zu machen. Die fantastischen Ideen, welche dafür in den Weltenbau geflossen sind, machen diesen Makel allerdings mehr als wett. Dabei wissen nicht nur die umwerfenden Landschaften zu gefallen, sondern auch die bizarren Kreaturen und Lebewesen, welche den Planeten bevölkern. Gerade die Begegnung mit der pflanzenartigen Moluskenkönigin, Wächterin des ersten Siegels, ist eine großartige Episode, welche die Fantasie über die gezeigten Bilder hinaus anzuregen versteht.
Über jeden Zweifel erhaben ist ein weiteres Mal die optische Gestaltung dieser Graphic Novel. Kicker versteht sein Handwerk, und der für die Farben zuständige Fabian Schlaga versorgt die einzelnen Seiten mit kräftigen, satten Farbtönen, welche die Fremdartigkeit der Welt nur noch mehr betont. Dabei sind insbesondere die Farbwechsel bei Szenenwechseln interessant zu beobachten, zeigt doch tiefer Purpur zumeist die Gegenwart von Noctus oder seinen Schergen an, während ruhige Passagen eher in Blautönen gehalten sind. Es sind Details wie diese, welche die optische Eleganz der Zeichnungen noch unterstreichen. Wie schon der Vorgängerband erscheint „RIA Buch 2“ als großformatiger Hardcoverband, der Langlebigkeit verspricht. Technisch gibt es damit überhaupt nichts zu meckern.
Fazit: Auch der zweite Band der Comic-Reihe „RIA“ weiß mit fantastischen Ideen und starker Optik zu überzeugen. Für Freunde fantastischer Welten auf jeden Fall einen Blick wert.
RIA Buch 2: Die Macht des Siegels
Comic
Thorsten Kiecker, Fabian Schlaga u. a.
Splitter-Verlag 2011
ISBN: 978-3-86869-301-0
64 S., Hardcover, deutsch
Preis: 13,80 EUR
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