von Frank Stein
Romane lang wurde das Abgleiten von Jacen Solo, dem Sohn von Han und Leia, zur Dunklen Seite der Macht verschleppt. Während er seinen Weg vom Volkshelden über den obersten Geheimpolizisten bis hin zum Staatschef der Galaktischen Allianz durchlief, redete sich seine Familie (überspitzt ausgedrückt) ein, er habe nur einen schlechten Tag und sei doch gar nicht wirklich so dunkel. Das hatte natürlich erzählerische Methode, schließlich durfte die geballte Macht des Solo-Skywalker-Klans nicht schon in Band drei über Jacen herfallen.
In Band sechs ist es ihm endlich erlaubt. Nach dem Tod von Mara Jade wachen die Helden auf. Zwar können sie nicht beweisen, dass Jacen der Mörder war – auch wenn Ben Skywalker sich dessen ganz sicher ist –, aber dieser ist mittlerweile so seiner neuen Rolle als Sith-Lord Darth Caedus verfallen, dass er genug andere Fehler macht, um alle, die noch halbwegs aufrichtigen Herzens sind, gegen sich aufzubringen. So verführt er Ben dazu, den alten Staatschef Cal Omas umzubringen, er nimmt die Jedi-Akademie auf Ossus als Geisel, um sich der Mitarbeit des Jedi-Rats zu versichern – und schließlich greift er Kashyyyk an. Was eigentlich nur als taktischer Zug gedacht war, um die Armeen der Konföderierten, welche die Allianzkernwelten bedrängen, zum Abzug zu zwingen, wird für Jacen der Moment, der seinen Fall einleiten wird.
Troy Denning macht mit diesem sechsten Roman der „Wächter der Macht“-Reihe erfreulicherweise vieles besser als seine Kollegen in den Bänden zuvor. Während in Aaron Allstons letztem Beitrag „Exil“ viel geplänkelt, aber nichts bewegt wurde, und sich Karen Travis in „Opfer“ viel zu lange mit ihren geliebten Mandalorianern aufhielt (die witzigerweise in Dennings Roman plötzlich überhaupt keine Rolle mehr spielen, obwohl sie doch zuletzt noch irgendwelche Superraumjäger entwickelt hatten), geht es in diesem Roman konsequent und in knackiger Geschwindigkeit zur Sache.
Die Konföderation bedroht auf einmal die Kernwelten – auch wenn kein Mensch weiß, wie sich der Krieg bis dorthin verlagern konnte, da der Konflikt in keinem der Romane jemals übersichtlich präsentiert wurde. Die Jedi erkennen Jacens Bosheit. Han und Leia versuchen auf Kashyyyk, die Wookiees auf ihre Seite zu ziehen. Jaina, Zekk und Jag (Dennings Lieblinge) kämpfen auf Ossus gegen einen verrückt-sadistischen Allianz-Offizier. Und Ben schlägt den Weg der Rache ein. Es geht ordentlich rund, und auch wenn einige Figuren und Momente sehr düster gezeichnet sind – Luke bekommt, dem Cover entsprechend, Züge eines unaufhaltsamen dunklen Rächers –, bekommt man endlich mal wieder einen waschechten „Krieg der Sterne“ geboten.
Das einzige etwas aus dem Plot herausfallende Element ist Dennings Privatantagonistin Alema Rar, die verstümmelte und irre Twi’lek-Ex-Jedi, die mit einer Sith-Meditationssphäre durchs All gondelt und einem Joker gleich mal hier mal da auftaucht, um die Helden zum Handeln zu zwingen. Genau so wie sie nach dem Tod der Sith Lumiya ihre Rolle im Universum sucht, sucht der Leser den Sinn ihrer Figur. Dabei wird in ihrem Zusammenhang erneut das schon mal in Band drei (Autor: Troy Denning!) angedeutete Thema einer Sith-Verschwörung aufgegriffen, ohne allerdings spürbare Folgen zu erzeugen. Hoffen wir, dass sich das noch ändert, sonst wäre dieser Nebenplot echt lächerlich gewesen.
Als Bonusmaterial befindet sich diesmal ein kurzweiliges Interview mit den drei Autoren der Reihe im Anhang des Romans, die einen kleinen Einblick in ihre Arbeit geben.
Fazit: „Inferno“ verleiht der „Wächter der Macht“-Reihe einen erfreulichen Schub nach vorne. Fronten klären sich, Augen öffnen sich. Sieht man von der etwas überflüssigen Rolle der irren Twi’lek Alema Rar ab und der Tatsache, dass Jacen Solo, obwohl praktisch schon am Ende, schließlich entkommen muss, damit nach drei Romane folgen können, gibt es an Troy Dennings Werk so gut wie nichts auszusetzen. Kräftig Action, ein hohes Erzähltempo und Helden, die ihr Schicksal endlich mal wieder selbst in die Hand nehmen, lassen „Inferno“ zu einem der Höhepunkte der Reihe werden. Hoffen wir, dass es nachfolgend nicht wieder bergab geht.
Star Wars: Wächter der Macht 6: Inferno
Film/Serien-Roman
Troy Denning
Blanvalet 2010
ISBN: 978-3-442-26598-5
400 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,95
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