von Bernd Perplies
Was will uns dieses Cover sagen: Wir sehen Luke Skywalker in der dunklen – und seit den Prequels für Jedi eher untypischen – Robe, die man aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ kennt, und aus seinen Fingern zucken Machtblitze, wie sie der Imperator nicht schöner hätte produzieren können, während ihn von allen Seiten Insektenpseudopodien bedrängen. Verfällt der Jedi-Meister in Zeiten der Bedrängnis der Dunklen Seite der Macht? Nicht ganz. Aber es ist schon augenfällig, dass Luke, die heimliche Zentralfigur der gesamten „Dunkles Nest“-Trilogie, härter durchgreift, um das, was er jahrelang aufgebaut hat, auch zu bewahren.
Denn der Jedi-Orden droht zu zerbrechen. Der jahrelange Kampf gegen die Yuuzhan Vong, der ein gänzlich neues Verständnis der Macht hervorgebracht hatte, spaltet nun die Jedi-Ritter in republiktreue Bewahrer und einzig der Macht und ihrer Intuition folgenden Rebellen. Eigenmächtigkeiten und Positionskämpfe sind an der Tagesordnung. Luke Skywalkers Vision eines geeinten Ordens der Jedi, der für das Gute in der Galaxis kämpft, scheint in weite Ferne gerückt – sodass er sich schließlich gezwungen sieht, drastische Maßnahmen zu ergreifen.
Der Rest der Galaxis führt derweil an der Grenze zu den Unbekannten Regionen einen Krieg. Während die Galaktische Allianz versucht, die Hauptstreitmacht der expansionistischen Killiks im Utegetu-Nebel festzuhalten, führen bereits durchgebrochene Elemente der Insekten einen totalen und erbitterten Krieg gegen die Chiss. Stellvertretend für das verlustreiche Schlachten steht das Ringen um den Dschungelplaneten Tenupe, auf dem Hans und Leias Tochter Jaina und ihr Gefährte Zekk, beides Verbündete der Killiks, ihrer eigenen Agenda folgen, statt sich an die Linie des Jedi-Ordens zu halten.
Schließlich sehen sowohl die Galaktische Allianz als auch der Jedi-Orden nur eine Lösung für das Problem: Die drei Jedi, deren Einbindung in das Killik-Kollektiv die gefährliche Entwicklung in dem Insektenvolk erst ausgelöst hatte, müssen ausgeschaltet werden. Und so machen sich die Jedi mit spürbaren Magenschmerzen auf, um Lomi Plo, Raynar Thul und Alema Rar zu stoppen – um jeden Preis!
Der dritte Band von Troy Dennings „Dunkles Nest“-Trilogie ist randvoll mit Konfliken und Kampfgeschehen; kaum bleibt ein Moment der Ruhe. Luke muss sich dem Tod seiner Mutter stellen, den auseinanderbrechenden Jedi-Orden zusammenhalten und sich eine Lösung für die Killik-Krise ausdenken. Han und Leia fürchten derweil um ihre Tochter Jaina, die vom Kollektivgeist der Killiks völlig vereinnahmt wurde und nun unreflektiert für deren Sache kämpft. Und Jacen folgt mehr und mehr einem Pfad, der ihn in gefährliche Nähe zur Dunklen Seite bringt.
Etwas viel Raum wird meines Erachtens der Schlacht um Tenupe eingeräumt, die stellvertretend für den gesamten Schwarmkrieg stehen soll. Seitenlang stürmen Killiks gegen die Stellungen der Chiss an, ohne dass sich wirklich viel bewegt. Das hat noch Schwung zu Beginn, aber irgendwann hat man sich an sterbenden Insekten, an Megamasern und verschanzten Chiss auch sattgelesen. Immerhin findet noch eine Raumschlacht im Utegetu-Nebel statt, und einige weitere Kampfschauplätze des ansonsten sehr lokal wirkenden Schwarmkriegs werden zumindest genannt – wenn auch ohne Folgen für die Handlung.
Als kuriose Bemerkung am Rande sei die neue Rolle von Lando Calrissian hervorgehoben: Offensichtlich hat sich der alte Kumpel von Han, der schon immer einen Hang zu verrückten Geschäftsmodellen hatte (Cloud City, Nkllon), mittlerweile zum Generalversorger der Galaktischen Allianz gemausert. Mon-Calamari-Yachten, Boden-Orbit-Kanonen, Käferkiller-Kampfdroiden… was immer die Helden gerade brauchen, bei Lando können sie es beziehen. So dürfte der gute Mann der meistgenannte Hauptcharakter der alten Filme sein, der nicht auf einer Seite persönlich in Erscheinung tritt. Der Pate des „Star Wars“-Universums.
Fazit: Nach dem etwas unspektakulären zweiten Band – mein Kollege Thomas König hat das Problem der zweiten Bände mal ganz treffend als Übergang zwischen Konflikt etablierendem Einführungsband und dramatischem Finalband beschrieben – geht es in „Der Schwarmkrieg“ von der ersten bis zur letzten Seite rund. Persönliche Zweifel, Gruppenzwistigkeiten, ein Drei-Fronten-Krieg und die Notwendigkeit, am Schluss gleich drei Bösewichte auszuschalten, sorgen einerseits für dramatische Begegnungen und bereiten andererseits bereits die Bühne für den kommenden „Wächter der Macht“-Zyklus. Es stimmt allerdings, was schon andere Stimmen festgestellt haben: Zwei Bände hätten die Handlung der Trilogie durchaus auch gut gefasst.
Star Wars: Dunkles Nest III: Der Schwarmkrieg
Film/Serien-Roman
Troy Denning
Blanvalet 2008
ISBN: 978-3-442-26568-8
416 S., Taschenbuch, deutsch
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