von Bernd Perplies
„Die Geheimwaffe“ ist der siebte Roman der voraussichtlich auf zehn Bände ausgelegten Jugendbuchreihe von Jude Watson. Die Handlung verteilt sich auf 128 Textseiten (plus Glossar) und entspricht damit dem Standard der Reihe – gute TV-Episoden-Länge. Das Cover zeigt neben Vader einen weiteren alten Bekannten aus den Reihen des Imperiums, und zwar Großmoff Tarkin. Gemeinsam mit dem Titel „Die Geheimwaffe“ weckt das natürlich Assoziationen zum Todesstern-Projekt – eine Vorfreude, die der Roman nicht einzuhalten vermag.
Tatsächlich beginnt das Ganze nahtlos an Band sechs anschließend. Ferus Olin befindet sich auf Samaria und muss mit dem Rückschlag fertig werden, seinen jungen Freund Trever Flume nach Rosha, mitten in eine imperiale Invasion, geschickt zu haben. Zudem muss er die ganze Zeit die Präsenz Darth Vaders ertragen, der dem „neuen Günstling“ des Imperators das Leben natürlich so schwer wie möglich macht. Und dann ist da Palpatine selbst, von dem man nie genau weiß, ob er Ferus’ falsches Spiel nicht doch durchschaut hat und nur mit dem ehemaligen Padawan spielt.
Jedenfalls schickt er ihn gemeinsam mit Vader zurück nach Belassa, wo Ferus einst ein Volksheld des Widerstands war. Jetzt wird er zur Medienmarionette des Imperiums für eine groß angelegte Gleichschaltung der Wirtschaft zum Zwecke der Produktion von Infrastrukturgütern von ungeahntem Ausmaß. Dazu hat man Fabriken übernommen und Top-Wissenschaftler in den Dienst gepresst. Was hat das Imperium vor? Und was bedeutet das Codewort TWILIGHT, das auf eine geheime Operation hinzudeuten scheint? Ferus schließt sich mit der Rebellenzelle der Elf kurz und gemeinsam versucht man, dem verdeckten Treiben der Imperialen auf die Spur zu kommen.
Doch auch wenn dies spannend klingt, hält sich die Dramatik in Grenzen. Vor allem werden die Seiten mit Reisen gefüllt – und mit der Exposition für die Ereignisse, die sich möglicherweise im Folgeband enthüllen. Ferus reist nach Belassa, Trever reist von Rosha zum Asteroidenversteck, nach Belassa und schließlich nach Coruscant, und die anderen Protagonisten der Reihe blasen ähnlich viel Spritt in den Hyperraum. Ein richtiger Spannungsbogen will sich nicht einstellen und ein befriedigendes Ende hat der Roman schon gar nicht. Vielmehr ist wieder alles offen: Fragen über Fragen, die den Leser bei der Stange – pardon: der Reihe – halten sollen.
Sehr gut gefällt mir jedoch die sanfte aber konsequente Steigerung der Düsterkeit in den einzelnen Bänden der Reihe. Hier gibt es nun erstmals einen namhaften Toten auf der Seite der Guten, also jemanden aus dem inneren Kreis rund um Ferus Olin. Auch das perfide Intrigenspiel Vaders und des Imperators, bei denen man einfach nicht sicher sein kann, ob sie Ferus nicht längst entlarvt haben und ihn nur am Haken zappeln lassen, sorgt für etwas Würze. Leider ist Grofmoff Tarkin kaum mehr als ein Kurzauftritt gegönnt. Wer mehr über den charismatischen Imperialen lesen möchte, muss wohl zu dem dieser Tage auf Englisch erscheinenden Roman „Death Star“ von Michael Reaves und Steve Perry greifen. (Aber das ist eine andere Rezension…)
Fazit: Einen „Geheimtipp“ kann man „Die Geheimwaffe“ von Jude Watson leider nicht nennen – der Roman stellt vielmehr eine solide Übergangsepisode dar, in der die Protagonisten überwiegend umherreisen, aber nicht sonderlich viel über die Machenschaften des Imperiums erfahren und noch deutlich weniger auszurichten vermögen. Vaders sinistre Präsenz ist als Pluspunkt hervorzuheben, Tarkins reine Statistenrolle dagegen enttäuscht Leser, die sich aufgrund des Covers mehr erhofft hatten. Und das Wort „Todesstern“ fällt natürlich kein einziges Mal. Für eingefleischte Fans und Komplettsammler.
Star Wars – Der letzte Jedi 7: Die Geheimwaffe
Film/Serien-Roman
Jude Watson
Dino 2007
ISBN: 978-3-8332-1513-1
156 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 7,95
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