von Frank Stein
2007 schenkte der Autor und „Knights of the Old Republic“-Entwickler Drew Karpyshyns der „Star Wars“-Gemeinde einen ungewöhnlichen Roman. In „Darth Bane – Schöpfer der Dunkelheit“ widmete er sich ganz dem Begründer der neuen Sith-Bewegung Darth Bane, den Fans der Materie bereits in dem Comic-Band „Jedi vs. Sith“ als harten und kompromisslosen Anhänger der Dunklen Seite der Macht kennengelernt hatten. In „Schöpfer der Dunkelheit“ beleuchtete Karpyshyn den Werdegang des hünenhaften Kriegers vom Minenarbeiter, über den Sith-Schüler mit einem besonderen Interesse an alten Schriften, bis hin zum Rebellen gegen die Sith-Bruderschaft und Orchestrator ihres Untergangs. Der Roman endete mit der im Comic beschriebenen Schlacht um Ruusan, an deren Schluss Bane die junge Zannah (alias Rain) traf und zu seiner ersten Schülerin machte.
„Die Regel der Zwei“ setzt praktisch unmittelbar nach dem Ende der Handlung von „Schöpfer der Dunkelheit“ ein beziehungsweise auf den letzten Seiten des Comics „Jedi vs. Sith“. Dabei ist bemerkenswert, dass Karpyshyn die Figur des Jungen Darovit (auch Tomcat genannt), der im Comic als Rains Cousin eine wichtige Rolle spielt, in „Schöpfer der Dunkelheit“ aber überhaupt nicht auftauchte, bereits im Prolog in sein Roman-Universum einführt, so als wolle er die Lücke, die er im ersten Band der „Darth Bane“-Romane belassen hatte, mit dieser deutlichen Geste schließen. Darovits weiteres Schicksal als Heiler und Einsiedler auf Ruusan ist im Folgenden einer der drei Handlungsstränge der Geschichte, wenn auch der geringste.
Ein weiterer widmet sich dem übereifrigen Jedi-Padawan (später Ritter) Johun, der von Banes Überleben Wind bekommt und als Einziger glaubt, dass die Sith nicht völlig vernichtet wurden. Allerdings wird es Jahre dauern, bis er imstande ist, diesen Verdacht zu belegen und sich an der Seite einer Jedi-Jagdgruppe an Bane Fersen heften. Den Hauptteil des Buches nimmt allerdings die Suche Banes nach den Geheimnissen der Sith sowie die Ausbildung seiner Schülerin Zannah in Anspruch. Dabei werden klassische Orte alter Sithgeschichte, wie etwa Onderon und sein gefährlicher Mond Dxun samt des Grabs des uralten Sith-Lords Freedon Nadd, besucht.
Wie schon „Schöpfer der Dunkelheit“ verfolgt auch „Die Regel der Zwei“ eher einen biographischen Ansatz als eine klassische Spannungsdramaturgie. Nach dem Ende der Ruusan-Episode macht Karpyshyn auf Seite 150 erst einmal einen 10-Jahres-Sprung, um dem Leser die langwierige Ausbildungszeit Zannahs zu verkürzen. Dennoch folgen auch danach im Wesentlichen Episoden, welche Bane beim heimlichen Ausweiten seiner Macht und beim Erforschen der Geheimnisse der Sith-Holocrone zeigen. Dabei mäandert die Handlung leicht ziellos von Planet zu Planet, und Banes dringlicher Wunsch, selbst ein Holocron herzustellen, wirkt eher wie ein McGuffin, um die nächste Episode anzustoßen, denn wie eine inhaltliche Notwendigkeit.
Was die Geschichte stattdessen viel eher zusammenhält, ist Zannahs ständige Gratwanderung an der Grenze zur Dunklen Seite. Immer wieder scheint es so, als werde sie sich ihrer Taten bewusst und verabscheue sie, und man ist als Leser gewillt, an ihre Läuterung zu glauben. Dann wiederum kippt sie, einem Süchtigen gleich, wieder um und begeht die nächste Gräueltat. Die Frage, ob sie wirklich zur Sith wird oder aber vielleicht doch ins Licht zurückkehrt, wird dabei auf den letzten Seiten des Romans beantwortet.
Fazit: „Die Regel der Zwei“ kann als gelungene Fortsetzung der Biographie des Expanded-Universe-Charakters Darth Bane angesehen werden. Dabei knüpft Karpyshyn im vorliegenden Band geschickt an die Sith-Geschichten der 1990er um Freedon Nadd und Exar Kun an und zurrt die Historie der Sith somit noch ein Stückchen fester zusammen. Allerdings bleibt Banes Wirken sehr aufs Kleine beschränkt, das verdeckte Ausweiten seiner Macht, die Ausbildung seiner Schülerin und das Konstruieren eines Holocrons. Wer große Schlachten und galaxisweite Intrigen erwartet, wird von diesem Buch enttäuscht werden. Trotzdem natürlich ein Muss-Kauf für alle Anhänger der Dunklen Seite; nicht zuletzt dank seiner gradlinigen und finsteren Interpretation der Natur der Sith (die sich erfreulich von der grauschattierten Schönrednerei der Dunklen Seite der Macht in der „Wächter der Macht“-Reihe abhebt).
Star Wars: Darth Bane – Die Regel der Zwei
Film/Serien-Roman
Drew Karpyshyn
Blanvalet 2009
ISBN: 978-3-442-26596-1
349 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 13,00
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