Die Runen der Macht 1: Der verfluchte Prinz

Die Diakonin Sorcha Faris wird auf eine Spezialmission geschickt. An einem entlegenen Ort des Kaiserreiches sind besonders starke Geistaktivitäten zu beklagen. Diese gilt es zu unterbinden. Parallel dazu begibt sich auch der als verfluchter Prinz bekannte Raed Rossin zu diesem Ort, der ihm als letzte Zuflucht dienen soll. Hierdurch verquicken sich zwei Schicksale, die die Welt verändern werden.

von Lars Jeske

 

Egmont-Lyx hat sich einmal mehr die Rechte an den ersten Bänden einer Romanreihe gesichert. Heuer geht es um die „A Book of the Order“-Romane der Neuseeländerin Philippa Ballantine, die 2010-2013 verlegt wurden. Vom Setting und der Handlung her passen diese gut ins Portfolio und werden hoffentlich in der deutschen Übersetzung von Michaela Link ebenso gut angenommen wie im Original. Dies sind zudem nicht die ersten Bücher von Philippa Ballantine im Programm, schließlich erfreuen sich die beiden bereits ins Deutsche übertragenen (und mit Tee Morris geschriebenen) „Books & Braun“-Romane großer Beliebtheit.

Der erste Band von „Die Runen der Macht“ geht als „Der verfluchte Prinz“ an den Start. Der zweite Roman der Reihe ist kürzlich auf Deutsch erschienen und die Lokalisierung der übrigen beiden Bände ist auch schon geplant.

Zur Story: Die Diakonin Sorcha Faris ist eine der besten Magiebegabten, genannt Aktive. Mit ihrer Fähigkeit, die Runen zu benutzen, kann sie die Geister der „Anderswelt“ bekämpfen, zurückzuschicken oder deren Durchbruch verhindern. Ihr zur Seite steht, wie im Falle jedes Diakonenpaars, ein Partner. Dieser ist der passive, hier Sensibler genannte Teil der Verbindung. Die Kraft beider ist umso größer, je besser beide Partner voneinander profitieren können. Dafür ist es essentiell, dass beide gut harmonieren.

Allerdings steht es zwischen Sorcha und ihrem aktuellen Partner nicht so gut. Denn er ist auch ihr Lebensgefährte und wenn es einmal nicht läuft, dann behindern sich beide Aspekte gegenseitig. Als ihr Partner dann auch noch verletzt wird, verliert Sorcha den Kopf. Kurz entschlossen geht sie die Verbindung mit einem neuen Partner namens Merrick Chambers ein und begibt sich mit ihm auf eine sogar für sie gefährliche Mission.

Unterdessen erfährt man vom bisherigen Schicksal des jungen Prätendenten. Raed Syndar Rossin wurde aus Vermillion vertrieben und ist seitdem auf der Flucht vor seinen Häschern. Und weil das allein nicht reicht, lastet ihm auch noch ein Fluch an, was ihm seinen Spitznamen „der verfluchte Prinz“ eingebracht hat. Ein Geistwesen teilt sich dem Körper mit ihm und versucht allenthalben durchzubrechen. Als das Schicksal beide zum gleichen verschlafenen Ort führt, prallen zwei Lebensstile auf einander. Es wartet Verrat an allen Ecken und Enden, wodurch nicht nur die Welt durch die zunehmenden Angriffe der Geister ins Wanken gerät, sondern auch die Weltsicht aller Akteure.

Zum Anfang einer neuen Romanreihe mit komplexem Weltenentwurf muss natürlich einiges erklärt werden. Dies wird neben dem Fortschreiten der Handlung eingeflochten, sodass kein langes Vorgeplänkel entsteht und man die Geschichte gut lesen kann, ohne einzelne Seiten überblättern zu wollen. Die Welt, in der die Handlung spielt, heißt vermutlich nicht von ungefähr Arkaym, sind doch Parallelen zu einem gleich klingenden Ort von H. P. Lovecraft nicht von der Hand zu weisen. Hier spielt jedoch alles in einer typischen, mittelalterlich angehauchten Fantasy-Zeit, fernab von Technologie und industriellem Fortschritt.

Auch das Drumherum ergibt ein solides Weltgerüst. Die Idee, mit Runen belegte Handschuhe für Aktive und einen speziellen Riemen für Sensible Magiemächtige zu nutzen, ist interessant. Ebenso die Einsetzung als Duo, da wenige Menschen beide Disziplinen meistern und die Notwendigkeit der Magiekanalisation durch die Hilfe des Partners plausibel klingt. Sorcha Faris steht im Mittelpunkt der Geschichte, jedoch werden auch alle anderen Personen von ihrer menschlichen Seite dargestellt, und da es keine Schwarz-Weiß-Malerei ist, gibt es keine platten Charaktere. Menschen mit all ihren Schwächen und Unzulänglichkeiten, die sich durchs Leben schlagen. Es passiert einiges und bis zum Showdown bleibt man gern an der Story dran. Vielleicht sind nicht alle Hakenschläge der Geschichte nötig, an Glaubwürdigkeit verliert die Geschichte dadurch jedoch nicht.

Fazit: Philippa Ballantine entwirft mit „Die Runen der Macht“ eine tolle und glaubwürdige Fantasy-Welt. „Der verfluchte Prinz“ ist ein gelungener Auftakt mit vielversprechenden Charakteren und einer in sich abgeschlossenen Handlung. Der Roman ist flüssig zu lesen und bietet gute Unterhaltung. Allein das Buchcover hat nur marginal mit dem Inhalt zu tun. Es gibt keine Figur der Geschichte, die so aussieht oder derart bewaffnet ist. Somit ist dies nur als Eyecatcher gedacht, der beim Leser hoffentlich nicht die gesamte Geschichte nachträglich entwertet.


Die Runen der Macht 1: Der verfluchte Prinz
Fantasy-Roman
Philippa Ballantine
Egmont-Lyx 2013
ISBN: 978-3-8025-8646-0
407 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 12,99

bei amazon.de bestellen