von Bernd Perplies
Frieden ist eine Lüge.
Es gibt nur Leidenschaft.
Durch Leidenschaft erlange ich Kraft.
Durch Kraft erlange ich Macht.
Durch Machte erlange ich den Sieg.
Der Sieg zerbricht meine Ketten.
Dieses Mantra prangt nicht nur auf dem Buchrücken des neu bei Blanvalet erschienenen „Star Wars“-Romans, es durchzieht auch die gesamte Geschichte und wird zur tieferen Bedeutung des Lebens jenes Mannes, der später als Darth Bane zu dunklem Ruhm kommen soll. Zu Beginn ist er allerdings noch ein Cortosis-Schürfer auf dem Planeten Apatros, er heißt Dessel – kurz Des – und ist in höchst bescheidenen Verhältnissen als Sohn eines alkoholabhängigen und brutalen Vaters groß geworden. Das Leben in der Mine hat Des hart gemacht – und ihn gelehrt, dass man nur überlebt, wann man sich immer selbst der nächste ist. Damit ist die Saat zu seinem Fall gesäht.
In der Galaxis tobt derweil der Krieg zwischen der Bruderschaft der Dunkelheit unter deren Sith-Heerführer Lord Kaan und der Armee des Lichts unter Jedi-General Hoth. Zuerst erobern die Sith ihre „Kernwelt“ Korriban zurück, um dort eine neue Sith-Akademie zu errichten. Dann treiben sie in einem mehrere Jahre andauernden Feldzug den Kampf sukzessive vom Rand zum Kern. An der Schnittstelle, auf dem Planeten Ruusan, kommt es schließlich zum Aufeinanderprallen der hellen und der dunklen Seite der Macht – und beide Seiten wissen: Wer hier siegreich sein wird, gewinnt auch den Krieg überall sonst in der Galaxis.
Für Des ist es allerdings ein weiter Weg dorthin. Ein Mord zwingt ihn zur Flucht von Apatros und treibt ihn in die Arme der Sith-Armee. Dort macht er durch seine rebellische Ader und seine mitunter eindrucksvollen Taten im Gefecht von sich reden. Schließlich erweckt der die Aufmerksamkeit von Lord Kopecz, einem Twi’lek-Sith, der ihn nach Korriban zur Ausbildung bringt – denn die Dunkle Seite ist stark in diesem da. Des nimmt den Namen Bane an und saugt die Lehre der Sith in sich auf. Dabei stellt er fest, dass die so genannte Bruderschaft, ein Kollektiv, dass Lord Kaan eingeführt hat, um einen dunklen Widerpart zum Jedi-Orden zu schaffen, vom wahren Weg der Dunklen Seite abgekommen ist. Denn der heißt Subtilität in der Vorgehensweise, Gnadenlosigkeit im Herzen und die absolute Macht als Ziel. Und so entwickelt Darth Bane schließlich seine eigenen Pläne für die Zukunft der Sith…
„Schöpfer der Dunkelheit“ ist als Buch dreigeteilt. Der erste Teil erzählt vom Leben des Minenarbeiters und Soldaten Des/Bane. Der zweite Teil beschreibt das Leben auf der Akademie von Korriban. Teil drei schließlich führt uns nach Ruusan, wo sich Jedi und Sith gegenüberstehen. Hier beginnt sich die Handlung mit der des Comics „Jedi vs. Sith“ zu verschränken, der als Sonderband Nr. 9 im Jahre 2002 bei Panini Comics (damals noch Dino) erschienen ist. Wer allerdings nun fürchtet, der Roman erzähle auf 100 Seiten nur die Comic-Handlung nach, der irrt.
Zugegeben bleiben einige Szenen sehr nach an den Vorgaben der Bildergeschichte, doch gerade der Handlungsbogen rund um die drei machtsensitiven Kinder, der im Comic eigentlich den Kern der Geschichte ausmacht, fehlt hier fast vollständig – so vollständig, dass Karpyshyn sogar den Kanon-Bruch beging, die beiden Jungs zu streichen, die sich gegen Ende der Geschichte im Dunstkreis der Jedi und Sith bewegen. Und auch das Zusammentreffen von Darth Bane und seiner letztendlichen Schülerin wurde deutlich umgeschrieben. Für den Fan, der nur den Roman liest, ist das gut, denn in dieser Variante wirkt die Erzählung deutlich stringenter aufgebaut. Den direkten Bezug zum Comic darf man jedoch nicht suchen, sonst drohen einem die zahlreichen Abweichungen den Spaß zu verderben.
Tatsächlich ist der Roman deutlich düsterer ausgefallen als der Comic, der mit seinen Manga-Anleihen zahlreiche Fälle von greller Überzeichnung aufwies. So wird der Jedi Farfalla zwar als Geck beschrieben, aber keineswegs als Faun-artiges Geschöpf, das direkt einem Märchen entsprungen zu sein scheint und mit einem güldenen Raum-„Schiff“ und einer Crew aus Fabelwesen durchs All kreuzt. Und Hoth wie auch Kaan erscheinen eher als müde, gebrochene Männer, denen der endlose Krieg unheilbare psychische Wunden beigebracht hat. Im Comic sieht Hoth derweil aus wie ein hünenhafter Ritter und Kaan erinnert an einen größenwahnsinnigen Schwarzmagier. Man kann beide Geschichten auf ihre Weise genießen, deutlich Kanon-tauglicher hingegen wirkt der Roman, der zukünftig vermutlich den Lauf der Dinge beschreiben wird.
Neben dem Comic nimmt „Darth Bane“ auch häufiger Bezug auf die Ereignisse aus den PC-Spielen „Knights of the Old Republic“. So erfährt Bane auf Korriban einiges über die alten Sith – Naga Sadow, Exar Kun und natürlich Darth Revan – und zuletzt lernt er auch alles, was er über die wahre Dunkle Seite wissen muss, mithilfe eines Holocrons des Letztgenannten, wodurch Karpyshyn sich und seinen Kollegen sozusagen selbst ein Denkmal setzt, sagt er damit doch nichts Geringeres, als dass die Sith-Lehre, wie wir sie aus den Kinofilmen kennen, auf Darth Revan, dem „Helden“ des Computer-Rollenspiels, basiert. Man ist versucht, ihm dies als Eitelkeit anzukreiden – andererseits sind solche Verflechtungen des Expanded Universe mit der Lucas’schen Saga ja immer genau die Würze, die den Fans eine gute Geschichte besonders schmackhaft macht.
Fazit: Als Biographie eines einzelnen Expanded-Universe-Charakters ist das Buch „Darth Bane – Schöpfer der Dunkelheit“ zweifelsohne ein Novum auf dem großen Markt der „Star Wars“-Romane – und ein lesenswertes noch dazu! Nach einem vielleicht etwas zu langen Einstieg gewinnt es zunehmend an Spannung, wobei Fans der Dunklen Seite vor allem die Einblicke in die Denkweise der Sith gefallen dürften. Dabei muss man Drew Karpyshyn Respekt zollen, denn es gelingt ihm, dem Leser einen Protagonisten nahezubringen, der letzten Endes doch zutiefst böse und keineswegs eine Identifikationsfigur ist. Das Finale, die Schlacht um Ruusan, mag sich mit dem Comic-Band „Jedi vs. Sith“ inhaltlich überschneiden, doch die vorliegende und stellenweise durchaus abweichende Variante schlägt deutlich dunklere Töne an und dürfte fürderhin als Kanon gelten.
Star Wars: Darth Bane – Schöpfer der Dunkelheit
Film/Serien-Roman
Drew Karpyshyn
Blanvalet 2007
ISBN: 978-3-442-24453-9
411 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 12,00
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