Argos and Zingara

Wir befinden uns in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt und der Umgang mit dem Schwert meist wichtiger ist, als die Kunst der Diplomatie. Wir befinden uns in der mystischen und harten Welt von "Conan". Mit dem Quellenbuch " Argos and Zingara" rücken zwei weitere Königreiche in den Fokus des "Conan"-Rollenspiels, deren Feindschaft und die Liebe zur See die wohl größten Gemeinsamkeiten bilden.

von Marcello Marceddu

 

Mongoose Publishing präsentiert uns mit "Argos and Zingara" nun also einen weiteren Quellenband für die allseits bekannte Welt von "Conan", dem Barbaren. Wie mittlerweile schon fast zu Gewohnheit geworden, weiß die Aufmachung zumindest schon einmal zu überzeugen.

Komplett vollfarbig und im stabilen Hardcover daherkommend, ist einzig und allein die etwas schwankende Qualität der Illustrationen ein dunkler Fleck auf der sonst so blütenweißen Weste.

Der Umfang ist mit gerade mal 96 Seiten auf den ersten Blick nicht besonders groß, wenn man bedenkt, dass gleich zwei Regionen in diesem Quellenband zu finden sind. Allerdings werden die wichtigsten Fragen und spezifischen Besonderheiten ausführlich behandelt.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt und widmet sich zu nächst der Region Argos, die durch ihre Seemacht und die dadurch resultierenden Handelsrouten einen rasenden Aufschwung erlebt, und entführt uns danach in die Weiten von Zingara, deren Lande von einem Bürgerkrieg zerrüttet sind und deren Bevölkerung im Laufe der Jahre von ca. 20 Millionen Einwohnerm auf gerade mal 8 Millionen dezimiert wurde. Zu allem Überfluss machen sich die ortsansässigen Ghule nun auch noch auf den Weg, die restlichen Landstriche zu entvölkern. Argos scheint das zu sein, was Zingara einst verkörperte, und das schürt auch die Konflikte zwischen diesen zwei Nationen.

Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit Quellenmaterial, das für beide Nationen von Relevanz ist. Dieser umfasst wieder neue Skills und Feats (Talente und Fertigkeiten) und wichtige Persönlichkeiten der Regionen, ausgestattet mit allen wichtigen Spielwerten. Darunter auch Conan in seiner Zeit als Seemann oder Freibeuter.

Der letzte Teil mündet in einem sehr kurzen Spieleiterteil, der einem helfen soll, die Atmosphäre um die zwei Seemächte einzufangen und den Spielleiter dazu noch mit neuen Waffen und Tipps versorgt.

Der Aufbau des Buches folgt im Großen und Ganzen den Strukturen der vorangegangenen Publikationen. Beschrieben wird einerseits das Leben in der Gesellschaft – dazu zählen der Handel, die Erziehung und alle anderen relevanten Aspekte der sozialen Interaktion – und andererseits finden sich auch wieder neue Klassen und deren besonderen Merkmale. Wer also schon immer als Argosischer Gladiator in der Arena stehen wollte, darf nun im wahrsten Sinne des Wortes zuschlagen.

Weiterhin werden in geschichtliche Hintergründe sowie in schönen Beschreibungen verschiedene Landstriche und geografischen Besonderheiten präsentiert. Diese sind allesamt sehr schön zu lesen und mit vielen Details ausgeschmückt. Die wichtigsten Städte werden ebenso je nach Wichtigkeit auf ein bis zwei Seiten aufgeführt und teilweise durch sehr schöne farbige Stadtkarten ergänzt. Dafür wird sich jeder Spielleiter bedanken.

Selbst auf die militärischen Strukturen der beiden Nationen muss man nicht verzichten. Während Argos eher auf Söldnerheere zur Verteidigung der eigenen Grenzen setzt, sind in Zingara leicht gerüstet Truppen bevorzugt, um in den krisengebeutelten Regionen flexibel reagieren zu können.

Natürlich dürfen die Regierung und die dahinter stehenden Gesetzte nicht vergessen werden. Schließlich werden diese durch das Militär oder Ordnungskräfte umgesetzt. Zu diesem Zweck bekommt der Spielleiter einige Gesetze und Bestimmungen an die Hand, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. So ist es beispielsweise bemerkenswert, dass ein Argosaner sein Eheweib durchaus töten darf, ohne sich dafür zu verantworten, solange dies deshalb geschieht, weil sein Ruf durch seine Frau beschmutzt wurde. Also sollte man sich in Acht nehmen, wen man sich als Bettgespielin in Argos aussucht. Wer weiß schon, ob sich der Ehemann damit begnügt, nur sein Eheweib zur Rechenschaft zu ziehen.

Etwas schade ist, dass im Regelteil des Buches keine ausführlichen Regeln für den Kampf auf hoher See zu finden sind. Hier wird auf das Quellenbuch "The Pirate Isles" verwiesen. Dies ist etwas ärgerlich, da man nun noch ein Quellenbuch kaufen muss, um die Seeschlachten auch ausführlich behandeln zu können. Immerhin leben doch beide Nationen größtenteils vom Handel auf See. Da hätten diese Regeln durchaus dazu gepasst.

Fazit: Mit dem Quellenbuch "Argos and Zingara" liefert Mongoose Publishing ein gutes Quellenbuch ab, ohne für große Überraschungen zu sorgen. Die wichtigsten Fakten sind zu finden und darum geht es ja im Kern. Allerdings wäre ein ausgearbeitetes Abenteuer zum Aufpolstern des recht geringen Umfangs eine schöne Sache gewesen. Ein solches erleichtert stets den Einstieg in neue Regionen und jeder Spielleiter kann es natürlich als Grundstein nutzen. Einziger richtiger Kritikpunkt sind die Illustrationen. Diese sollten zukünftig wieder zahlreicher und auch in ihrer Qualität weniger schwankend sein. Wer mehr über Argos und Zingara erfahren will, kann aber getrost zugreifen, solange er auch bereit ist, die Seegefechte frei Schnauze zu gestalten oder sich ein weiteres Quellenbuch zu zulegen.

Argos und Zingara
Quellenbuch
Vincent Darlage
Mongoose Publishing 2006
ISBN: 1-905471-82-3
96 S., Hardcover, englisch
Preis: $ 24,95

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