Der Innere Feind 2: Tod auf dem Reik – Kompendium

Auch „Tod auf dem Reik“ bekommt sein Kompendium als Ergänzung mit zusätzlichen Inhalten zur Erweiterung des Abenteuerbandes. Hier fokussiert sich alles auf die Flüsse des Imperiums. Es gibt Regeln und Informationen zur Flussschifffahrt, Handelsregeln zu Schiffen, ein Flussbestiarium und weitere Szenen für die Abenteuer auf den Flüssen. Ergänzend gibt es Hintergründe zum Kult der Roten Krone und ein weiteres Kurzabenteuer als Erweiterung.

von Ansgar Imme

Nachdem sich bereits beim ersten Kompendium herausstellte, dass die Werbung „das unverzichtbare Handbuch zum Abenteuer“ etwas übertrieben war, konnte man auch hier erwarten, dass man durchaus viel Nützliches findet, aber auch kein Wunder erwarten darf.

Die Leinen los ... (zum Inhalt)

Während das erste Kompendium zu „Der Feind im Schatten“ noch ein buntes Sammelsurium an Themen war, ist dieser Band deutlich fokussierter. Erneut breitet sich der Inhalt auf 128 Seiten aus. Die einleitenden fünf Seiten sind Gastkommentaren des damaligen Illustratoren und eines der Autoren sowie erneut „Easter Eggs“ zu Anspielungen und Namensgebungen von Personen, Orten und der Handlung vorbehalten.

Dann geht es inhaltlich direkt in die Vollen. Zunächst gibt es eine Beschreibung von Kräutern, ihren Fundorten und der Verarbeitung. Dies wird dann auch mit Regeln zum Sammeln und Anwenden unterlegt. Mehrere Kräuter werden genauer beschrieben und manche mit Illustrationen versehen.

Danach finden sich geschnittene Szenen um Personen und ein Schiff, die im ursprünglichen Band enthalten waren und jetzt gekürzt wurden, da sie für die Handlung nicht so wichtig sind. Als Erweiterung der Handlung werden sie hier vorgestellt. Die Informationen über die größten imperialen Flüsse sowie Schleusen und Zölle ermöglichen, die Flussreise mit Alltagsgeschehen zu erweitern. Passend dazu werden Regeln zu Schiffen und rund um die Schifffahrt wie das Führen des Bootes, Wettereinflüsse, Gefahren auf dem Fluss oder Kämpfe mit dem Schiff erklärt, die vor der Neubearbeitung auch im Abenteuer enthalten waren. Inhaltlich ebenso passend erfährt man danach Genaueres zur Imperialen Flusspatrouille, etwa über deren Ausstattung oder beispielhafte Besatzungen.

Die beiden Folgekapitel beschreiben Menschen auf dem Fluss. Einerseits gibt es Archetypen, die als Mitreisende vorkommen können und mit Hintergrund, Werten, Illustrationen und Ideen versehen sind und schnell im Spiel eingesetzt werden können. Andererseits werden Begegnungen auf dem Fluss beschrieben. Auch hier wird ein Schwerpunkt auf besondere Charaktere und auf Abenteuerideen gelegt. Gut dazu hätte auch das spätere Kapitel um Strandräuber, Schmuggler und Piraten gepasst, welches aber seltsamerweise erst weiter hinten im Band folgt.

Mit dem Imperialen Semaphorsystem findet sich eine Beschreibung zu den Signaltürmen sowie Abenteuerideen, so dass man die Signaltürme auch außerhalb von Flussfahrten gut nutzen kann. Danach darf man Regeln zum Verbessern von Flussschiffen  und Handelsregeln kennenlernen, die auch ausführlich bereits im Ursprungsabenteuerband enthalten waren und auf die neue Regeledition angepasst wurden. Mit einem Flussbestiarium zu neuen Kreaturen im Wasser inklusive Werten und Illustrationen sowie wasserabhängigen Krankheiten endet der Teil rund um Fluss und Wasser.

Abgeschlossen wird der Band dann durch erweiterte Beschreibungen zum Chaoskult der Roten Krone, dem Flussschiff Imperator Luitpold als Abenteuerszenario und einem Kurzabenteuer um den sogenannten Grabfürsten. Die Rote Krone wird dabei mit deutlich mehr Hintergrund versehen und erhält auch regeltechnische Erweiterungen. Das Flussschiff kann sowohl als Hintergrundbeschreibung und Ort wie auch als kürzeres Abenteuer verwendet werden. Das Abenteuer zum Grabfürsten eröffnet eine Serie mit einem Antagonisten, der auch in den Folgekompendien wieder getroffen werden kann.

Kritik

„Der unerlässliche Begleitband“, wie es auf dem Cover des Kompendiums steht, ist es immer noch nicht geworden. Die wie schon im ersten Kompendium erwähnte Bezeichnung des Kompendiums als Extra trifft es schon eher. Auch hier kann man das Abenteuer „Tod auf dem Reik“ auf jeden Fall auch ohne das Kompendium spielen. Im Gegensatz zum ersten Kompendium sind die Inhalte aber bei Weitem nicht so ein Sammelsurium von Ideen, sondern wesentlich passender auf den Inhalt Flussreisen abgestimmt. Bis auf die Kräuterregeln und das Kurzabenteuer ganz zum Ende (und natürlich die Gastkommentare) haben alle Inhalte direkt mit dem Fluss zu tun.

Die Ergänzungen rund um Flüsse und Wasser erweitern die Abenteuerhandlung und ermöglichen es dem Spielleiter, die ganze Handlung mit mehr Hintergrund und Stimmung zu versehen. Spieler, die mehr Informationen wünschen oder auch gerne einiges mit Regeln unterlegen und nicht zielstrebig durch die Handlung pflügen, können so gut mitgenommen werden. Gerade der Alltag auf einem Flussschiff oder an einem der Flüsse wird so deutlich prägnanter dargestellt und kann je nach Fertigkeiten der Charaktere verschiedene Auswirkungen haben. Allerdings wird es auch genügend Spielgruppen geben, die nicht jeden Tag das Wetter ausspielen oder Kämpfe mit Booten bis auf den letzten Detailgrad umsetzen wollen. Für diese bieten etliche Abschnitte – vor allem die Regelelemente – dann keinen Mehrwert. Der Spielleiter kann aber je nach Spielgruppe mit den Zusatzinformationen wie etwa zu den Semaphoren, de Imperialen Flusspatrouille oder den Schleusen die Handlung gut bereichern.

Wie im ersten Kompendium hat man auch hier einen recht umfangreichen Teil zu Nichtspielercharakteren beigefügt. Mit Beschreibungen der Personen, Illustrationen, Wertekästen und Abenteueraufhängern sind diese gut spielbereit, nehmen aber viel Platz im Band ein. Für nicht so erfahrene, unkreative oder mit wenig Zeit versehenen Spielleitern mag dies durchaus hilfreich sein, aber man hat als Leser ein wenig das Gefühl, dass hier Platz geschunden werden sollte.

Diesen Platz hätte man eher für die Beschreibung der Roten Krone verwenden sollen. Die Hintergrundinformationen sind sehr hilfreich, hätten aber gerne noch ausführlicher ausgeführt werden können. Falls die Spieler/Abenteurer hier mehr nachforschen wollen, hätte man als Spielleiter sofort mehr Hintergrundinformationen zur Hand gehabt.

Die beiden Abenteuer beziehungsweise Szenarios zum Ende sind nichts Besonderes, man kann sie aber gut bei Bedarf in die Kampagne einbauen, wenn man zu schnell vorankommt oder einfach einen Seitenstrang eröffnen möchte. Natürlich kann man sie auch gut abseits der Kampagne als kleine Szenarios zwischendurch spielen.

Diskutabel ist insgesamt die Struktur des Bandes. Wie schon weiter oben erwähnt, sind passende Inhalte nicht immer zusammengestellt. Hier hätte man bessere inhaltliche Schwerpunkte bilden können, anstatt manche Teile am Anfang und andere erst im hinteren Drittel zu haben. Hier hat man den Eindruck, dass einfach alles, was man drin haben wollte, des zeitlichen Eingangs nach einfach hintereinander einsortiert wurde.

Fazit: Zum Spielen der Kampagne ist auch dieser Band nicht essenziell. Im Gegensatz zum ersten Kompendium sind die Inhalte aber wesentlich relevanter und erweitern die Handlung und das Spielgeschehen vor allem dann, wenn man gerne auch Situationen mit Regeln hinterlegen möchte beziehungsweise die Umgebung und das Wetter eine Rolle spielen sollen. Dazu finden sich wieder viele Abenteueraufhänger, die man sowohl für das Anreichern des Abenteuers als auch ansonsten beim Spielen an Flüssen verwenden kann. Insgesamt kein Muss, aber eine für viele hilfreiche Spielhilfe.

Der Innere Feind 2: Tod auf dem Reik – Kompendium
Quellenbuch
Jim Bambra, Phil Gallagher, Graeme Davis u. a.
Ulisses Spiele 2023
ISBN: 978-3-96331-901-3
128 S., Hardcover, deutsch
Preis: 34,95 EUR

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