Ab die Post

Ein Volk, eine Stimme. Und in der Scheibenwelt-Metropole Ankh-Morpork hat diese Stimme Lord Vetinari. Was er entscheidet, wird getan, und so kann es auch mal kommen, dass ein gerade Hingerichteter zum neuen Postminister der Stadt ernannt wird. Das sich dieser Job als einer der gefährlichsten in der Stadt erweist, mag den geneigten Terry-Pratchett-Leser nicht wundern.

von Sebastian Thies

 

Feucht von Lipwig hat sein Glück als Trickbetrüger gemacht. Natürlich unter anderem Namen, wen wundert es auch bei dem Geburtsnamen. Leider hat ihn jedoch sein Glück verlassen und er wird geschnappt, verurteilt und hingerichtet. Der Herrscher von Ankh-Morpork hat aber einen anderen Plan für Lipwig. Dem Tode gerade noch mal von der Schippe gesprungen wird Feucht vor die Wahl gestellt entweder zurück zum Galgen oder die Stelle als neuer Postminister anzunehmen. Das sich dieser vermeintlich leichte Job als eine seiner größten Herausforderung herausstellt, liegt nicht nur an den eigenwilligen Mitarbeitern in der Post. Der alte Herr Grütze, der in Sachen Heilmethoden seine ganz eigenen Wege geht, und der junge und passionierte Nadelsammler Stanley verwalten nur noch die Massen der gelagerten Briefe und Pakete im Postamt, welches nun seit Jahren schon still steht.

Nicht nur, dass die Post ein eigenes Leben entwickelt zu haben scheint, nein, auf Lipwig warten noch ganz andere Probleme. So hat er in der Gesellschaft der Klackertürme und ihrem Vorsitzenden Reacher Gilt einen mächtigen Feind, der es nicht gerne sehen würde, wenn die Post wieder ins Geschäft zurückkommt. Feucht weiß aber, mit welchen Mitteln er in den Kampf gehen muss. So darf man sich auf Golems, die Ankh-Morpork-Times, Pferde- bzw. Kutschenrennen und der Sammelleidenschaft manch seltsamer Zeitgenossen freuen.

Was soll man noch zu Terry Pratchett sagen? Diejenigen, die seine satirischen, auf der so genannten "Scheibenwelt" spielenden Fantasy-Bücher kennen, wissen, was sie erwartet, und werden mit „Ab die Post“ auch genau das bekommen. Der Roman eignet sich aber auch gut für Neueinsteiger in das "Scheibenwelt"-Universum, obwohl man vielleicht doch von vorne Anfangen sollte, da es sich wirklich lohnt. Ein Vorwissen über die typischen Charaktere der Scheibenwelt ist nicht nötig, da die üblichen Verdächtigen aus Ankh-Morpork, etwa die Stadtwache, nur in Gastauftritten erscheinen. Natürlich vervielfacht sich – wie immer bei solchen Reihen – der Lesespaß, wenn man man den Namen und Örtlichkeiten schon aus früheren Geschichten vertraut ist.

Pratchett schafft es einmal mehr, den Leser mit seinem typischen Wortwitz und seiner tiefgründigen aber niemals offensiven Analyse unserer eigenen Gesellschaft in seiner eigenen Fantasywelt zu fesseln. Bis zum Ende fiebert man mit Lipwig mit und lernt auch die sympathischen und schrulligen Nebencharaktere zu schätzen.

Fazit: Bei den "Scheibenwelt"-Romanen kann man ja eigentlich nie etwas falsch machen. Dies trifft bei diesem hier besonders zu. Mit neuen Charaktere bekommt Ankh-Morpork noch mehr Leben eingehaucht und man freut sich schon jetzt auf ihre Gastauftritte in zukünftigen Romanen. Geeignet für den Fan und den Neueinsteiger gleichermaßen, kann man es getrost jedem ans Herz legen. Ihr werdet es nicht bereuen.


Ab die Post
Fantasy-Roman
Terry Pratchett
Manhatten/Goldmann 2005
ISBN: 3-442-54565-X
445 Seiten, Hardcover, deutsch
Preis: EUR 19,90

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