Star Wars: Yodas geheimer Krieg

Es geschieht nicht oft, dass sich eine Puppe in die Herzen aller Zuschauer spielt, aber mit Yoda, dem uralten, verschrobenen Jedi-Meister auf dem Planeten Dagobah gelang George Lucas das Kunststück in „Das Imperium schlägt zurück“. Seitdem ist der grüne Gnom die zentrale Figur des Jedi-Ordens, wie wir aus zahlreichen Prequel-Geschichten wissen. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er auch in der „Star Wars“-Comic-Reihe seinen Einstand feiert.

von Frank Stein

Der vorliegende Sammelband präsentiert die fünfteilige Geschichte „Yodas geheimer Krieg“ („Yoda?s Secret War“), die zwischen Dezember 2016 und April 2017 in den USA erschienen ist. Außerdem ist der One-Shot „Star Wars Annual 2“ aus dem November 2016 enthalten. Auf Deutsch erschien das „Annual 2“ im November 2017 in der fortlaufenden Comic-Magazin-Serie erschienen. „Yodas geheimer Krieg“ dagegen ist eine Premiere, denn nach „Der letzte Flug der Harbinger“ hat sich Panini davon verabschiedet, „Star Wars“, also die Abenteuer der Rebellen, in seinen Heftchen zu bringen und konzentriert sich dort stattdessen auf „Darth Vader“ und „Thrawn“. Geschichten über das Böse verkaufen sich offenbar besser. Aber wenigstens bleiben uns Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia und jetzt Yoda in Sammelbandform erhalten.

Die Erzählkonstruktion in „Yodas geheimer Krieg“ ist etwas hakelig, denn zeitlich spielt die Hauptgeschichte ja nach der Zerstörung des ersten Todessterns und lange vor Lukes Vision von Ben Kenobi auf Hoth, der ihm erstmals den Weg nach Dagobah wies. Und so ist die Mission des kleinen, großen Mannes auch nur eine Geschichte, die von Obi-Wan Kenobi in seinem Tagebuch nacherzählt wird – wir kennen dieses Schriftstück schon aus verschiedenen anderen Comic-Abenteuern. Das wiederum Luke liest in seinem X-Wing, während er mit sich hadert, weil er allein C-3PO, der im Vorgängercomic „Der letzte Flug der Harbinger“ gefangengenommen wurde, nicht aus der Hand der Imperialen befreien kann (und sonst will es niemand, ist ja nur ein Droide). Wir haben also einen doppelten Blick in die Vergangenheit. Luke liest, wie Obi-Wan sich daran erinnert, was Yoda ihm erzählt hat. Klingt erstmal unnötig kompliziert gestrickt, aber nun ja.

Im Kern geht es jedenfalls darum, dass sich Yoda zu einem Planeten gezogen fühlt, der auf keiner Sternenkarte verzeichnet ist. Dort trifft er auf verwilderte Jugendliche, die „die Steinkraft“ anbeten beziehungsweise selbige nutzen. Dass es sich hierbei um eine Variante der Macht handelt, ist offensichtlich. Der „seltsame, kleine Frosch“ wird jedoch alles andere als wohlwollend aufgenommen, obwohl er sich bemüht, diplomatisch und friedensstiftend aufzutreten. Denn die Jugendlichen kämpfen, wie sich bald herausstellt, gegen eine andere Gruppe junger Leute, die sich im Schatten eines Berges verschanzt haben und dort nach dem Herz des Berges suchen. Diese Gruppe, die der Dunklen Seite verfallen scheint, begegnet Yoda natürlich auch nicht freundlich. Doch Yoda gibt nicht auf. Wo sind die Eltern dieser Kinder geblieben? Und was hat es mit dem Berg und der Steinkraft auf sich? Es wird eine echte Herausforderung für den alten Jedi-Meister, das Geheimnis dieser Welt zu lüften.

Würde man das Yoda-Abenteuer nur für sich nehmen, und wäre es beispielsweise nur ein Dreiteiler statt ein Fünfteiler geworden, könnte man es als recht interessantes Planetenabenteuer bewerten, wie es so viele im reichen Fundus der „Star Wars“-Geschichten gibt. Ein Jedi zieht aus, trifft auf ein Problem – und löst es irgendwie. Kennt man. Nicht spektakulär, aber auch nicht schlecht, gerade weil die Situation auf dem gezeigten Planeten seltsam genug ist, dass man als Leser Neugierde verspürt, was dahintersteckt. (Belohnt wird man übrigens mit einem ziemlich abgedrehten Finale.)

Im Rahmen der fortlaufenden „Star Wars“-Comic-Reihe wirkt „Yodas geheimer Krieg“ allerdings wie ein Fremdkörper. Das liegt zum einen daran, dass er im Grund nur eine Erzählung aus einem Buch ist und zeitlich vorne und hinten nicht in die bisheriger Storyline passt. Zum anderen ärgert einen als Leser auch, dass zugunster so einer unwichtigen Geschichte aus der Vergangenheit die aktuelle Handlung pausiert wird. Da wurde in „Der letzte Flug der Harbinger“ C-3PO von den Imperialen entführt, was man am Anfang auch nochmal sieht, und dann passiert da nichts weiter. Genau wie die Rebellen sich weigern, den Droiden zu retten, weigert sich auch Autor Jason Aaron, dem Goldjungen mehr Zeit als nötig zu gönnen. Dabei wäre die Rettung C-3POs die Geschichte gewesen, die man jetzt lesen will!

Salvador Larocca macht seine Sache als Illustrator nach wie vor solide, wobei ich mit seinem Stil nicht warm werde. Zu oft wirken die Gesichter seltsam verzerrt. Wobei man sagen muss, dass manche Panels auch großartig aussehen und dass er gerade mit Yoda offenbar gut umgehen konnte, denn der wirkt fast immer gut getroffen.

Die „Annual“-Story führt uns auf den Planeten Skorii-Lei, wo Prinzessin Leia mal wieder in der Klemme steckt, nachdem sie für die Rebellion wichtige Daten beschafft hat. Die muskulöse Dockarbeiterin Pash Davane, die eigentlich nichts mit der Rebellion zu tun haben will, findet sie zufällig – und verhilft ihr widerwillig zur Flucht vor den Sturmtruppen. Es ist eine kleine Entwicklungsgeschichte mit einer angenehm frischen Heldin (eine mürrische Muskelfrau ist mir bei „Star Wars“ noch nicht untergekommen), die hier geboten wird. Allerdings erinnert Pash mit ihren roten Haaren, den grünen Augen und dem grünen Tank-Top ein bisschen zu sehr an Mara Jade – wenngleich eine sehr kräftige Mara Jade. Und das reißt die noch immer nur schlecht verheilte Wunde auf, dass einer der großartigsten Charaktere des alten Expanded Universe nie seinen Weg in den Disney-Kanon gefunden hat.

Am Ende steht wie immer eine erfreulich vollständige Cover-Galerie.

Fazit: „Yodas geheimer Krieg“ erzählt, zweifach rückblickend verschachtelt, ein Solo-Abenteuer des grünen Jedi-Meisters zur Zeit der Prequels. Für sich genommen eine solide Planetengeschichte ohne Folgen für die Galaxis, passt das Ganze jedoch nur schlecht zu fortlaufenden „Star Wars“-Comic-Serie, die hier überhaupt nicht vorangetrieben wird. Die B-Story ist ein netter Bonus mit einem sympathischen Neuzugang zur Heldenriege, macht den Comic aber nicht nennenswert relevanter. Man könnte ihn im Grunde überspringen, ohne dabei viel zu verpassen. Für Komplettisten und Yoda-Fans.

Star Wars: Yodas geheimer Krieg
Comic
Jason Aaron, Salvador Larroca, Edgar Delgado u.a.
Panini Comics 2018
ISBN: 978-3-7416-0761-5
148 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 17,00

bei amazon.de bestellen