Star Wars Sonderband 27: Klonkriege VII: Waffenbrüder

Im Kino haben die Klonkriege mit der Premiere von „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“ ein fulminantes Ende gefunden (der die Tage übrigens auch auf DVD noch einmal zu erleben ist). In den beiden Sonderbänden „Klonkriege IV“ und „Klonkriege VII“, die kurz darauf bei Dino erschienen, wird auch die Comic-Reihe mit epischer Wucht zu einem vorläufigen Schlusspunkt gebracht (tatsächlich setzt sich die Handlung nach „Episode III“ fort, aber das ist eine andere Rezi).

von Kurt Wagner

 

„Klonkriege VII: Waffenbrüder“ fasst die US-Ausgaben #72 bis #77 der „Republic“-Reihe zusammen und erzählt auf 148 Seiten von den Ereignissen des letzten Monats vor der Schlacht um Coruscant. In diesem wird es noch einmal richtig dramatisch. Im Zentrum steht ein Geheimprojekt, das der gefallene Jedi Sora Bulq überwacht, der kurz nach der Schlacht von Geonosis von Count Dooku zur Dunklen Seite der Macht verführt wurde. Jedi-Meister Tholme reist mit der Jedi Aayla Secura nach Anzat, denn dort wurde Bulq mehrfach in letzter Zeit gesichtet. Tatsächlich führt von dort aus die Spur weiter nach Saleucami und was Tholme dort findet, kann das Gleichgewicht der Klonkriege erschüttern.

Während er die Anlage infiltriert, in der alle von Dookus Helfershelfern (zumindest die, die von Dark Horse eingeführt wurden) versammelt sind – Sora Bulq, Skorr und der Morgukai Bok – entbrennt draußen die Schlacht zwischen den Klonsoldaten unter der Führung der Jedi Oppo Rancisis, Quinlan Vos, Aayla Secura sowie ein paar weiteren und den Gefolgsleuten dieses bösen Triumvirats. Fünf Monate zieht sich die Belagerung von Saleucami hin (die allerdings zwischen Ausgabe #73 und #74 übersprungen werden). Am Ende entlädt sich schließlich alle aufgestaute Spannung in einer letzten Großoffensive der republikanischen Armee und in einem finalen Duell zwischen den Streitern des Lichts und den Jüngern der Dunklen Seite, währenddessen es für Quinlan Vos, der endlich den zweiten Sith enttarnt zu haben glaubt, zur ultimativen Prüfung seines Glaubens kommt.

Ich weiß nicht, wie ich es mit der gebotenen Objektivität eines Rezensenten formulieren soll, aber dieser Comic ist einfach zum Niederknien. Autor John Ostrander und Zeichnerin Jan Duursema, das dynamische Duo der „Republik“-Storyline, legen hier einen unglaublich packenden Endspurt hin. Action, Intrigen, Liebe, Hass, Verzweiflung und Vertrauen – dies alles durchlebt eine Riege an wirklich coolen Charakteren. Man fühlt sich ein bisschen an die dritte Staffel „Farscape“ oder die vierte Staffel „Babylon 5“ erinnert. Die Dichte der Ereignisse und die Intensität der Gefühle streben auf ein wirklich großes Ende hin.

Im Zentrum des Dramas steht dabei Quinlan Vos, die Dark-Horse-eigene Interpretation von Anakin Skywalker. Rückblickend ist es hochspannend, wie sehr dessen eigene Odyssee durch die Gefilde der Dunklen Seite der Macht der von Anakin ähnelt. Zwar wurden viele Motive durch die Autoren umgedeutet, aber im Kern erkennt man das Vorbild, ebenso wie das Spiel, dass im Comic damit getrieben wird. Quinlan ist wie Anakin – eine Obsession lässt ihn jedes Maß für Gut und Böse vergessen. Tholme ähnelt Obi-Wan, ein ruhiger und gefasster Planer, der sich doch hinsichtlich der schleichenden Kraft der Dunklen Seite verkalkuliert. Ihr Duell über den Lavagruben von Saleucami erinnert natürlich an den schicksalhaften Zweikampf zwischen Anakin und Obi-Wan auf Mustafar (wenngleich dieser natürlich ein bisschen spektakulärer war).

Nur das Ende, das Ende weicht ein wenig von der Vorbildhandlung ab – vielleicht deshalb, weil Vos eben nicht wie Anakin wirklich von der Dunklen Seite erfüllt ist, sondern ‚nur‘ von ihr besessen. Und vielleicht auch deshalb, weil Ani eben immer schon ein verzogener, hochmütiger Bengel war, ein trotziges Kind ohne wirklichen Charakter, leicht verführbar durch einen Mann wie Darth Sidious und dabei lange Zeit völlig naiv gegenüber der Gefahr, in der er sich befindet, derweil Vos ein Mann ist, der genau weiß, was er tut, der das Risiko der Gradwanderung im Prinzip kennt und nur, ein bisschen wie ein Süchtiger, lange Zeit nicht realisiert, wie tief er schon gesunken ist. Ein Glück, wenn man gute Freunde hat, die einem ein Licht in dunkler Nacht sind. (Witzig. Je länger ich darüber nachdenke, desto einleuchtender erscheint mir die Parallele der Dunklen Seite der Macht zu einer Droge. Leicht, verführerisch und „folgst du einmal diesem dunklen Pfad, beherrschen wird auf ewig die dunkle Seite dein Geschick.“ Man sollte den Gedanken mal weiter verfolgen...)

Fazit: Wer eine wirklich dramatische Geschichte aus der Zeit der Klonkriege lesen will, der sollte die Zeichentrickserie vergessen, die Jugendromane, ja sogar die Romane aus dem Blanvalet-Verlag. Die packendste Storyline überhaupt bieten die Comics der „Republic“-Reihe von Dark Horse (dt. Dino), deren Abschluss mit „Klonkriege VII: Waffenbrüder“ nun vorliegt. Natürlich sind nicht alle Ausgaben gleich gut, aber vor allem der Handlungsbogen rund um Quinlan Vos, Aayla Secura, Meister Tholme, Skorr und wie sie alle heißen gehört zum spannendsten, was „Star Wars“ im Augenblick zu bieten hat.


Star Wars Sonderband 27: Klonkriege VII: Waffenbrüder
Comic
John Ostrander, Jan Duursema
Dino 2005
ISBN: 3-8332-1227-6
148 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,95

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