Star Wars Sonderband 26: Klonkriege VI: Schlachtfelder

Im Kino haben die Klonkriege mit der Premiere von „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“ ein fulminantes Ende gefunden (der die Tage übrigens auch auf DVD noch einmal zu erleben ist). In den beiden Sonderbänden „Klonkriege IV“ und „Klonkriege VII“, die kurz darauf bei Dino erschienen, wird auch die Comic-Reihe mit epischer Wucht zu einem vorläufigen Schlusspunkt gebracht (tatsächlich setzt sich die Handlung nach „Episode III“ fort, aber das ist eine andere Rezi).

von Kurt Wagner

 

In einer von Fans durchaus mit Wohlwollen betrachteten Aktion legte sich der Verlag noch einmal mächtig ins Zeug, um den mehrmonatigen Vorsprung, den die US-Reihe „Republic“ von Dark Horse im Frühjahr hatte, durch das Erscheinen von gleich zwei sozusagen back-to-back produzierten Sonderbänden dahinschmelzen zu lassen und den Lesern der Reihe gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, den Abschluss des Klonkriegs-Handlungsbogens zeitnah zum Kinoerlebnis zu vollziehen. Passend zum Erscheinen der DVD von „Die Rache der Sith“ am 31.10.2005 werfen auch wir einen Blick auf die letzten Monate vor der Schlacht um Coruscant.

„Klonkriege VI: Schlachtfelder“ fasst die US-Ausgaben #65-#71 der „Republic“-Reihe zusammen, ist also mit der Versammlung von sieben Einzelausgaben, vier Stories und 168 Seiten ein echtes Schwergewicht unter den Sonderbänden.

In „Kräftemessen“ sehen sich die Jedi inmitten der Klonkriege einer neuen Gefahr gegenüber. Auf dem Planeten Null werden sie von Kopfgeldjägern angegriffen und Berichten zufolge handelt es sich bei dem Vorfall um keine Einzeltat. Jemand hat ein Kopfgeld auf Jedi ausgesetzt und die Gruppe „Crimson Nova“ der Kopfgeldjägergilde hat den Kontrakt bestätigt. Jedi-Meister Mace Windu entscheidet daraufhin, dass es an der Zeit ist, ein paar Leuten zu zeigen, was es bedeutet, sich mit einem Jedi anzulegen. Als einsamer Streiter macht er sich auf in die Höhle der Löwen.

Die Geschichte gewinnt vor allem durch die unglaubliche Coolness der Mace-Windu-Figur. In bester Italo-Western-Manier ‚reitet er mitten auf den Hof der Hazienda der Schurken‘ und stellt klar, dass es nur zwei Wege gibt, dieses Problem zu lösen: entweder die Schuldigen ergeben sich und stehen vor einem Gericht für ihre Schandtaten ein – oder sie werden hier und jetzt bezahlen. Nicht unbedingt jedi-like, aber absolut lässig.

Im Hintergrund brodelt übrigens weiterhin der Handlungsbogen um den der Dunklen Seite der Macht verfallenen Jedi Quinlan Vos. Sein Meister Tholme macht sich schwere Vorwürfe, dass er den Jungen auf die unmögliche Mission geschickt hat, Count Dookus Reihen zu infiltrieren, um die Identität des zweiten Sith-Lords herauszufinden. Er spürt, dass es seine Pflicht ist, Vos zu stoppen... (kennen wir das nicht irgendwie aus „Episode III“?)

„Für immer jung“ erzählt eine weitere Episode auf einem beliebigen Schlachtfeld der tobenden Klonkriege. Auf Zaadja im Äußeren Rand soll ein neues Zentrum der Separatisten zur Droidenfabrikation entstanden sein. General Kenobi landet mit seinen Truppen vor Ort, um dem Gerücht nachzugehen. Als er mit Anakin und der sehr jungen Jedi-Meisterin Tohno (die kein Mann ist, wie der Rückumschlag des Comics fälschlicherweise suggeriert!) die Umgebung auskundschaftet, entdecken sie tatsächlich die Fabrik und Tausende von Droiden, die sich davor eingegraben haben. Ein Frontalangriff scheint unmöglich. Stattdessen sollen die Truppen als Ablenkung dienen, um Meister Tohno ein Eindringen in die Anlage und deren Sprengung zu erlauben. Ein gefährliches Unterfangen...

Die Episode erfüllt meines Erachtens vor allem einen Zweck: zu zeigen, dass Anakin im Laufe des Krieges mehr Freunde verlieren muss, als er emotional verkraften kann. Auf schmerzlichste Weise muss er lernen, dass es manchmal wichtiger ist, ein Opfer zu bringen, als blinden Aktionismus an den Tag zu legen und damit die Mission als Ganze zu gefährden (wobei mir nicht ganz klar werden wollte, warum Anakin unbedingt bei der in sicherem Abstand aufmarschierten Klonarmee bleiben muss, um diese Schlacht erfolgreich für die Republik zu schlagen). Ein Panel irritiert besonders in dieser eher mittelmäßigen Geschichte: Als Tohno in den Stock der Geonosianer eindringt, sind die Korridorwände übersäht mit Leichen in mandalorianischer Rüstung. Die Symbolik dieser Szene will sich mir nicht ganz erschließen. Und wortwörtlich darf man das Bild sicher auch nicht nehmen (wo kämen all die Jango Fetts her?).

„Armor“ führt auf den Planeten Honoghr. Bei einem Kampf im Orbit ist ein Separatisten-Schiff mit einem Biokampfstoff abgestürzt. Die blaue Twi’lek-Jedi Aayla Secura und eine Gruppe Klone unter dem Kommandanten Bly landen auf der Oberfläche, um das „Wissenschaftliche Instrumenten-Paket“ (WIP) für den Kampfstoff 1138 (mal wieder ;-) ) zu bergen. In einem Tempel der Noghri stoßen sie auf den Renegaten Quinlan Vos, der für Count Dooku mit der gleichen Mission betraut wurde. Kann Aayla ihm noch trauen oder ist er wirklich zum Werkzeug des Bösen geworden?

Die Story führt den Klonsoldaten Bly ein, der auch in „Die Rache der Sith“ eine kurze Rolle spielt. Ansonsten gefällt sie durch das Wiedersehen mit Quinlan Vos, dessen Odyssee durch die Dunkelheit der Macht wundervoll quälend und unvorhersehbar geschildert wird und damit zuweilen fast spannender und gelungener erscheint, als eine vergleichbare Verführung eines jungen Jedi namens Anakin Skywalker.

Den Abschluss-Dreiteiler bildet „Schlachtschiffe über Rendili“. Rendili hat sich vorschnell den Separatisten angeschlossen, die Flotte aus Dreadnaughts steht der Republik im Weg. Jedi-Meister Plo Koon soll gemeinsam mit Captain Dodonna in Verhandlung mit dem Oberbefehlshaber Captain Jace Dallin treten, den beide noch aus dem Stark-Hyperspace-Krieg kennen. Dabei werden sie von jungen Aufrührern innerhalb der Flotte als Geiseln genommen. Unterdessen untersucht Obi-Wan die Havarie der Titavian IV, eines Schiffes der Intergalaktischen Zoologischen Gesellschaft. Dabei trifft er auf Quinlan Vos, der hierher vor den zwei Schergen Count Dookus, Skorr und Asajj Ventress, geflohen ist, nachdem er bei seinem letzten Auftrag auf Honoghr versagt hat und von Dooku fallengelassen wurde. Gemeinsam kämpfen sich beide zurück zur Flotte vor Rendili, nur um dort in eine gewaltige Raumschlacht verwickelt zu werden.

Ein spannender, actionreicher Abschluss des Comic-Sonderbandes, der einmal mehr zeigt, wie dicht verwoben die Ereignisse der „Star Wars“-Galaxis untereinander sind. Verweise auf frühere und spätere Geschichten finden sich in Form von Figuren (Dallin, Dodonna, Ventress), in Form von Handlungsparallelen (Anakins Anflug auf die Navigationskontrolle des Rendili-Flaggschiffs erinnert an Lukes Angriff durch den Graben des Todessterns) und immer wiederkehrenden Motiven. Von hoher Dramatik und erzählerischer Eleganz ist auch die Montage gegen Ende, die Anakins wütendes Duell gegen Asajj Ventress (eine Remineszenz an ihr Duell auf Yavin IV in der Klonkriegs-Zeichentrickserie) mit der Anhörung von Quinlan Vos vor dem Jedi-Rat parallel setzt und über beides die Frage nach der Natur der Dunklen Seite und die Möglichkeiten von Vertrauen stellt. Sequenzen wie diese zeigen immer wieder, auf welch großartigem Erzählniveau sich die „Star Wars“-Comics mitunter bewegen.

Fazit:
„Klonkriege VI: Schlachtfelder“ setzt stimmungsvoll die Klonkriegs-Handlung der „Republic“-Comicreihe fort. Auch wenn man die versammelten Geschichten durchaus einzeln als Episoden der Kriegsmonate genießen kann, empfiehlt es sich, die vorherigen Klonkriegs-Sonderbände gelesen zu haben, denn vor allem die fortlaufenden Handlungsbögen wie die Verführung des Quinlan Vos zur Dunklen Seite der Macht, lassen sich nur im Gesamtzusammenhang vollständig erfassen und wertschätzen. Für jeden Fan, der dreckiges Kriegsgeschehen dem naiven Space-Opera-Charme anderer „Star Wars“-Produkte vorzieht, auf jeden Fall ein Muss!


Star Wars Sonderband 26: Klonkriege VI: Schlachtfelder
Comic
John Ostrander, Randy Stradley u.a.
Dino 2005
ISBN: 3-8332-1226-8
168 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,95

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