Star Wars Sonderband 25: Imperium: Das Herz der Rebellion

Love is all around... auch im Star-Wars-Universum. Passend zum soeben vergangenen Valentinstag bringt Dino seinen neuen Comic-Sonderband #25 heraus, der ganz im Zeichen der Liebe steht: verflossener, hoffnungsloser, unerschütterlicher und sich zart anbahnender. Also öffnet eure Herzen und holt die Taschentücher raus für die Liebe in Zeiten des Krieges (der Sterne).

von Frank Stein

 

Der Titel des 96-seitigen Softcoverbands, der die US-Ausgaben Empire #20, #21, #22 und die so genannte „Valentine Story“ in sich versammelt, bezieht sich eigentlich auf Leia, die alderaanische Prinzessin, Senatorin und eben „das Herz der Rebellion“, deren Mitstreiter in der Zeit zwischen Yavin IV und Hoth vom Imperium von Planet zu Planet getrieben wird.

In der ersten Geschichte, „Ein kleines Stück Heimat“, begibt sich Leia auf eine diplomatische Mission zu einem der Monde im Ryloth-System, der scheinbar unbewohnt ist, in Wirklichkeit aber das Privateigentum alter Bekannter von Alderaan ist. Sie hofft, die alte Freundschaft nutzen zu können, um der Rebellion zu einem neuen Stützpunkt zu verhelfen. Vor Ort angekommen, wird sie mit gemischten Gefühlen empfangen. Heeth, der ältere der beiden Brüder, die – nachdem sie ihre wohlhabende Familie bei der Zerstörung von Alderaan verloren haben – gemeinsam mit ihrem Butler in einer Art Museum der Erinnerung leben, ist voller Vorurteil und Skepsis gegenüber Leias Anliegen. Er glaubt, dass Alderaan ihretwegen untergehen musste, und will nun nicht noch das letzte Stück Heimat der Rebellion opfern. Raal, der jüngere, freut sich indes, seine alte Flamme Leia wiederzusehen, und lässt nichts unversucht, die Prinzessin für sich zu gewinnen. Auf einem gemeinsamen Jagdausflug jedoch kommt es zu einem Unfall und plötzlich finden sich die beiden allein in der menschenfeindlichen Wildnis des Mondes wieder.

„Gemeinsam einsam“ ist eine eher humoristische Episode mit deutlichem Soap-Einschlag. Erzählt wird aus der Sicht der Rebellentechnikerin Deena, die vom Montageband weg zur Rebellion gegangen ist, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Sie wird in die Nähe der „großen Helden“ verschlagen – Han Solo, Luke Skywalker und Prinzessin Leia – und gibt sich teeniehaft schwärmerisch für den „männlichen“ Schmuggler. Entsprechend herrscht Zickenalarm zwischen der verträumten Deena und der hitzköpfigen Prinzessin. Als man gemeinsam einem Notruf auf einem unbekannten Planeten nachgeht, lernt Deena ein bisschen was über sich selbst und ihren Platz in der Rebellion.

Die „Valentine Story“ springt dann ein wenig nach vorne, kurz vor die Ereignisse von „Das Imperium schlägt zurück“. Die Allianz richtet ihre Basis auf Hoth ein und Han, Chewie und Leia bringen zwei Jäger hinab auf den Planeten. Dabei geraten sie in einen Eissturm und während Chewies Maschine einfach vom Monitor verschwindet, legen Han und Leia eine Bruchlandung hin. Obgleich sich die beiden nach wie vor wie Hund und Katze begegnen, bringt sie die Extremsituation – eingeschneit im ewigen Eis von Hoth und nichts als hoffen könnend, dass die Suchtrupps sie finden, bevor die Energie völlig ausfällt –doch näher zusammen. Doch bevor mehr als nur zarte Gefühle aufblühen können, ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

„Das Herz der Rebellion“ ist kein Star-Wars-Band im üblichen Sinne. In Zeiten, in denen uns überall die Klonkriege um die Ohren gehauen werden, in denen Blut und Tod und blitzende Laserschwerter und Blaster das Geschehen des Franchises bestimmen, wirken die hier erzählten Episoden regelrecht unglaublich banal. Es geht eigentlich um nichts anderes als das Gefühlsleben der Charaktere, die Mini-Konflikte dienen da nur als Hintergrund. Und trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – ist diese Abwechslung so willkommen. Viel zu selten trifft man in letzter Zeit auf lieb gewonnene Charaktere der klassischen Trilogie und hier begegnet man ihnen gleich in der besten aller Epochen des Star-Wars-Universums.

Dabei gefällt die erste der Geschichten vor allem deswegen, weil sie eine Frage aufwirft, die sich Leia (leider) nie wirklich gestellt hat: Wurde Alderaan nur zerstört, weil sie Gefangene von Großmoff Tarkin war? Auch hier wird die Thematik nur angerissen, aber sie zeigt doch, dass nicht unter allen Exil-Alderaanern Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Die zweite Story gewinnt einfach durch ihren grandios soapigen Charakter und die Erzählperspektive der blonden Tagträumerin Deena. Ohne direkt in die „Infinities“-Sparte abzugleiten (also Was-wäre-wenn durchzuspielen), wird hier doch mit deutlichem Augenzwinkern eine absolut unwichtige Episode im Leben der Helden gezeigt. Die „Valentine Story“ zieht ihre Stärke aus der treffenden Charakterisierung der Figuren – inklusive grandioser Wortgefechte zwischen Leia und Han – sowie ihrer wirklich nahtlosen Einfügung in die Timeline des Star-Wars-Universums. So ist das Schlussbild auf Hoth eine fast greifbare Überleitung in die Handlung von „Episode V“.

Auch visuell ist der Sammelband sehr hübsch. Das Schmusecover stimmt auf die im Inneren enthaltenen Geschichten ein (auf die Gefahr hin, Klischees zu bedienen: Das Comic müsste eigentlich der Renner unter weiblichen Fans werden) und insbesondere der Zeichenstil von Adriana Melo in „Gemeinsam einsam“ gefällt, weil er ein bisschen Neuland betritt und eine eigene Form hat und eben nicht dieses „Fließbandgefühl“ vermittelt, das einen bei den Bildern von Tomás Giorello („Ein kleines Stück Heimat“) immer wieder beschleicht. Paul Chadwick wiederum lässt zwar Solo die meiste Zeit wie einen zerknitterten Penner aussehen, dafür zeichnet er Leia so sinnlich wie kaum ein zweiter. Also immerhin drei von vier Laserpinseln für die Optik!

Fazit: „Das Herz der Rebellion“ ist Kuschel-Star-Wars im besten Sinne. Keine Klone, keine Kampfroboter und keine Laserschwertschwinger, dafür empfindsame Gefühlsduselei zwischen Han, Leia und Co (und ein Überlebenskampf auf einem Mond von Ryloth... aber naja). Fans, bei denen „Krieg der Sterne“ auf Krieg betont wird, sollten um den Sammelband sicher einen Bogen machen, wer allerdings schon immer den Dialog „Zufällig mag ich nette Männer“ – „Ich bin ein netter Mann.“ – „Das sind Sie nicht...“ liebte, wird auch diesen Geschichten voller Mitgefühl folgen. Prädikat: Herzerwärmend.


Star Wars Sonderband 25: Imperium: Das Herz der Rebellion
Comic
Ron Marz, Welles Hartley, Judd Winick u. a.
Dino Entertainment 2005
ISBN: 3-8332-1201-2
96 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 9,95

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