Star Wars Sonderband 23: Klonkriege V: Auf Messers Schneide

Sechzehn Monate nach der Schlacht um Geonosis toben die Klonkriege unvermindert überall in der Galaxis. Und derweil die Jedi und ihre Klontruppen auf unzähligen Planeten gegen die Droidenarmeen der Separatistenbewegung anzutreten gezwungen sind, findet ein ganz anderer und weitaus subtiler geführter Kampf in den Hallen des Senats auf Coruscant statt. Der „Star Wars“-Sonderband #23 von Dino-Comics mit dem Titel „Klonkriege V: Auf Messers Schneide“ lässt uns unter anderem einen Blick hinter die politischen Kulissen werfen.

von Bernd Perplies

 

Der Comic-Sammelband enthält Reprints der amerikanischen Dark-Horse-Comics Republic #60, #61, #62 und #64 sowie „Star Wars: Jedi: Yoda“. Die Autoren sind mit Hayden Blackman und John Ostrander die üblichen Verdächtigen, nur „Yoda“ wurde von Jeremy Barlow ersonnen. Für die Graphiken „zeichnen“ (wortwörtlich) Tomás Giorello und Brandon Badeaux verantwortlich, die sich beide durch eine äußerst stimmungsvolle Figuren„zeichnung“ aus„zeichnen“‘ (okay, jetzt reicht’s mit den dummen Wortspielen) – jedenfalls gefallen mir ihre Bilder um einiges besser die Arbeiten der (ebenfalls) „Star Wars“-Stammzeichnerin Jan Duursema, vor allem die von Brandon Badeaux, der die ersten beiden Geschichten des Sammelbands visuell zu verantworten hat. Ein regelrechtes graphisches Experiment mit – meines Erachtens – äußerst sehenswertem Ergebnis haben sich die Macher bei „Yoda“ erlaubt, indem sie Hoon an Feder, Tusche und Computer gelassen haben. Der Name sagt mir zwar nichts, aber die Bilder sind in einem ebenso eigenwilligen wie interessanten Manga-Stil gehalten, unter nachhaltigem Einsatz von CGI und mit schicken Licht- und Schatteneffekten. Aber kommen wir zum Inhalt...

Die ersten beiden Kapitel führen uns nach Coruscant, ins Herz der Intrigen und Korruption. In „Kampf ums Überleben“ hat der Senator von Alderaan Bail Organa zunehmend das Gefühl, eine Schachfigur in den Plänen des Obersten Kanzlers Palpatine zu sein – ein Verdacht, der ihm bestätigt wird, als er unvermittelt Besuch von einem alten Bekannten erhält: Finis Valorum, dem Ex-Kanzler der Republik, der für Palpatine sein Amt räumen musste. Kurz darauf widerfährt diesem ein „tragischer Unfall“, den der amtierende Kanzler gleich für sich auszunutzen weiß. Und Bail Organa muss erkennen, dass er sich mit einem mächtigen Gegner anzulegen plant.

Im zweiten Kapitel „Blutige Fronten“ wird in einer verschachtelten Rückblende die Geschichte des Jedi-Meisters Ronhar Kim erzählt. Ronhar, wie Palpatine von Naboo stammend, betrachtete sich lange Zeit als Freund und Beschützer des Kanzlers. Erst im Augenblick seines Todes erkennt er endlich, wie lange und perfide Palpatine alle Ereignisse, die über die Jahre scheinbar so zusammenhangslos waren, vorausgeplant hatte. Wer schon immer der Ansicht war, der zukünftige Imperator sei ein Meister der Intrige, der wird sich hier einmal mehr auf’s Hinterhältigste darin bestätigt sehen!

Kapitel drei und vier geben sich actionlastiger und nehmen den Handlungsfaden auf, der in „Klonkriege III: Das letzte Gefecht um Jabiim“ mit einem fiesen Cliffhanger abgebrochen worden war. Obi-Wan und Alpha sind in der Gewalt von Asajj Ventress, die beide schmerzhaften Verhörs unterzieht, um Informationen über die Produktionsanlagen der Republik zu erlangen – natürlich vergeblich. Stattdessen schaffen es die beiden doch tatsächlich, auszubrechen. Interessant an dieser Episode, die den Titel „Hass und Furcht“ trägt, ist vor allem, dass einiges übers Asajjs Vergangenheit erzählt wird und wie es zu dem unverbrüchlichen Zorn auf den Jedi-Orden kam. Interessanter fast noch, dass Obi-Wan gegen Ende zu ihr durchzudringen scheint und damit möglicherweise – spannend wäre es, aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt – einen Wandel in der Figur anstößt. Auf ihrer Flucht stürzen Obi-Wan und Alpha über dem Planeten Riflor ab und es ist mal wieder an Anakin Skywalker, eine dreiste Rettungsmission für seinen Meister anzuzetteln.

Die letzte Geschichte führt den Jedi-Meister Yoda nach Thustra, wo die Republik einen erbitterten Kampf gegen die einheimischen Sephi führt. Erschwert wird dem alten Jedi die Mission durch die Tatsache, dass er ein langjähriger Freund von König Alaric ist, dem Anführer des Feindes. Verzweifelt versuchen die beiden weisen alten Männer, ihre gegensätzlichen Beweggründe auf zivilisierte Weise in Einklang zu bringen, während machthungrige Höflinge und verblendete junge Jedi-Adepten zu Tätern und Opfern in einem Spiel werden, das für sie nur einen Ausgang kennt: den Untergang mit Tod und Feuer! Das große „Königsdrama“, das sowohl visuell als auch inhaltlich unübersehbare Anleihen an epische Fantasy-Mangas aufweist, gehört für mich zu den echten Überraschungen der jüngsten „Star Wars“-Comic-Produktion und zeigt, dass Dark Horse hier nicht nur irgendwelche allwöchentliche Fließbandware am Zeichentisch herstellt.

Fazit: Auch der fünfte Comic-Sammelband um den Fortgang der Klonkriege bietet wirklich gute „Star Wars“-Unterhaltung. Alle fünf Geschichten sind – jede auf ihre Weise – äußerst lesenswert, wobei mir die politischen Intrigenspiele auf Coruscant am Besten gefallen haben, weil sie eben mal nicht zum wiederholten Male „ein neuer Planet, ein neuer Konflikt“ sind. Aber auch die weitergeführte Handlung um Obi-Wan, ARC-Trooper Alpha und Anakin ist ganz nett, wenngleich vor allem actionlastig. Die Yoda-Geschichte schließlich erinnert schon fast an ein klassisches „Königsdrama“ und bildet auch visuell eine interessante Ausnahme von der Regel.


Star Wars Sonderband 23: Klonkriege V: Auf Messers Schneide
Comic
John Ostrander, Haden Blackman, Jeremy Barlow u. a.
Dino Entertainment 2004
ISBN: 3-8332-1078-8
144 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,95

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