Star Wars Sonderband 22: Klonkriege IV: Licht und Schatten

Wir nähern uns, wir nähern uns... nur noch acht Monate und „die Rache wird unser sein“ – um es in den Worten der Sith zu sagen, die in „Star Wars – Episode III: Revenge of the Sith“ im Mai 2005 die Klonkriege zu einem fulminanten Ende bringen und die Alte Republik untergehen lassen. Doch bis es so weit ist, wird den Fans noch einiges geboten. Die „Star Wars“-DVD-Box hat den Hype um die klassische Trilogie soeben neu entzündet, das Computerspiel „Star Wars: Battlegrounds“ verspricht feinstes Multiplayer-Geballere und Panini-Dino beschert uns ein neues Kapitel aus den Klonkriegen, welche die Galaxis weit weit entfernt mit unverminderter Härte erschüttern.

von Bernd Perplies

 

 

„Licht und Schatten“ heißt der „Star Wars“-Sonderband 22, der die englischen Dark-Horse-Comics „Republic #54“, „Jedi: Aayla Secura“, „Jedi: Dooku“ und „Republic #63“ versammelt. Das Cover stammt von dem ersten der beiden „Republic“-Comics und zeigt den Jedi-Agenten Quinlan Vos und seine Getreue Khaleen während eines beschaulichen Nachmittagsausflugs.

Zu Beginn befinden wir uns auf dem Schurkenmond Nar Shaddaa. Quinlan Vos, der im Auftrag des Jedi-Rats versucht, sich undercover in die Organisation des Separatistenführers Count Dooku einzuschleusen, verkauft scheinbar wertvolle Codes der Republik. Sein Deal platzt allerdings, als ein übereifriger Jedi auftaucht und ihn verhaften will. Das kann Vos natürlich nicht zulassen, und so kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd durch den Großstadtdschungel von Nar Shaddaa, in deren Verlauf Khaleen, die Halbwelt-Geliebte von Vos, in Gefangenschaft gerät. Der Jedi aber kann entkommen und was sein Jäger später dem Jedi-Rat berichtet, gibt zu denken. Ist Quinlan Vos dabei, der Dunklen Seite zu verfallen?

Jedi-Ritterin Aayla Secura hört diese Gerüchte nur sehr ungern, war sie doch einst die Schülerin von Vos. Doch im Moment verlangen drängendere Probleme ihre Aufmerksamkeit. Plünderer greifen die Nachschubkonvois der Republik auf der Corellianischen Hyperraum-Handelsroute an. Eine devaronianische Senatorin ist der Ansicht, dass jemand auf ihrem Planeten seine Hände bei der Sache im Spiel hat, doch bevor sie ins Detail gehen kann, wird sie erschossen. Eine Gruppe Jedi – unter ihnen auch Aalya – begibt sich nach Devaron, um die Intrigen vor Ort aufzudecken. Dabei trifft Aayla auf eine Gegnerin, die der Jedi mehr als gewachsen ist!

Quinlan Vos verfolgt derweil die Spur Count Dookus nach Antar 4 und macht sich daran, dessen Vertrauen zu gewinnen. Hinreichend erfolgreich darin darf er Dooku auf Verhandlungen erst nach Tibrin, dann nach Kiffu begleiten. Dort, auf seiner Heimatwelt, wird Vos allerdings gezwungen, seine Tarnung aufzugeben, als Dooku den Mord an Sheyf Tinte, seiner Verwandten, befiehlt. Doch Dooku verfolgt beide und zwingt Vos, im Geist Tintes zu lesen, wo der labile Jedi sieht, dass die alte Anführerin einst für den qualvollen Tod seiner Eltern verantwortlich war. Volles Hass streckt er sie nieder und ergibt sich damit sowohl Count Dooku als auch der Dunklen Seite der Macht – scheinbar?

Neun Monate später... Quinlan Vos hat sich in einen fähigen Diener Count Dookus verwandelt – wenngleich er sich selbst einredet, er sei „nur etwas tiefer in die Dunkelheit abgeglitten“. Im Auftrag des Grafen reist er nach Coruscant, um dort einen „Feind“ zu töten. Vos glaubt an die Chance, den zweiten der beiden Sith – in Dooku glaubt er den ersten gefunden zu haben – umzubringen und damit der Republik einen großen Dienst zu erweisen. Ein Irrtum, wie er feststellen muss... und der Rat der Jedi fragt sich, ob er Quinlan Vos vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hat.

Also zunächst einmal: Dieser Comic-Band ist nichts für Einsteiger in die Materie. Er spielt praktisch nur im „Expanded Universe“ und weist fast ausschließlich Dark-Horse-eigene Protagonisten auf. Zudem gehören die Geschichten zu Handlungssträngen, die bereits in verschiedenen früheren Bänden der „Republic“-Reihe verfolgt wurden. Insofern können sich Neulinge höchstens an der krachenden Action erfreuen, die einem aus den Seiten praktisch entgegen springt, wie auch an der schönen Düsterkeit der Stories, die weit von dem fröhlichen Rumgehopse manch eines „Main Charakters“ der „Star Wars“-Saga auf Naboo entfernt sind.

Für den Kenner hingegen sind die Geschichten einfach klasse! Die Niedergang des Quinlan Vos, sozusagen die Dark-Horse-eigene Variante des Niedergangs von Anakin Skywalker, ist von düsterer Tragik, denn wir haben es hier mit dem lebenden Beispiel eines Mannes zu tun, der „um das Monster zu jagen, zum Monster werden muss“ – und selbst gar nicht realisiert, in welcher Gefahr er schwebt, sich dabei um sein Seelenheil zu bringen. Neben Vos gibt sich eine erstklassige Riege von „Nebendarstellern“ der Kinofilme hier die Klinke in die Hand: Aayla Secura, Mace Windu, Aurra Sing und Count Dooku haben allesamt das Prädikat „besonders cool“ auf der Stirn prangen und entsprechend Spaß macht es, sie alle in den Comics wiederzutreffen.

Zeichnerisch ist die Sammlung keine Offenbarung, aber ordentlicher Durchschnitt. Am Besten gefällt mir noch das „Jedi: Dooku“-Comic, weil hier zumindest etwas eigener, gehobener Stil zu erkennen ist – seltsamerweise scheint die Qualität von Panel zu Panel zu schwanken, so als hätten sich unterschiedliche Graphiker am gleichen Comic versucht. (Aber es steht – wie so oft – mal wieder nur Jan Duursema drauf...)

Fazit: Für Einsteiger nur bedingt zu empfehlen, ist dieser Comic-Sonderband für Fans der Klonkriege ein echter Leckerbissen. Markige Action wechselt sich mit düsterer Charakterentwicklung ab und die coolen Protagonisten ziehen einen regelrecht durch die Seiten. Ganz Aufmerksame werden zudem Anspielungen auf Bücher wie „Mace Windu und die Armee der Klone“ sowie „Medstar 1: Battle Surgeons“ entdecken, ein netter Beweis, dass intermediale Vernetzung eine der großen Stärken des „Star Wars“-Universums ist.


Star Wars Sonderband 22: Klonkriege IV: Licht und Schatten
Comic
John Ostrander, Jan Duursema u. a.
Dino Entertainment 2004
ISBN: 383321077X
136 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,95

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