Star Wars Sonderband 20: Klonkriege III: Das letzte Gefecht um Jabiim

Ohne den Spruch über seine Belastungsgrenze hinaus strapazieren zu wollen: Die Klonkriege gehen weiter – noch immer. Multimedial in Computerspielen, Zeichentrick-Kurzfilmen, Romanen und vor allem der „Republic“-Comic-Reihe von Dark Horse respektive seinem deutschen Lizenznehmer Panini-Dino weitererzählt, wird nicht nur die Zeit zwischen der Schlacht von Geonosis und der finalen Konfrontation der Separatisten und der Republik überbrückt, sondern auch die Erdenjahre zwischen „Episode II“ und „Episode III“. „Das letzte Gefecht von Jabiim“ ist das jüngste Produkt dieser Erzählung.

von Bernd Perplies

 

Der 128 Seiten dicke Comic-Sammelband vereint in sich die US-Ausgaben der „Republic“-Reihe #55 bis #58. Zeitlich spielt er 15 bis 17 Monate nach dem Ausbruch der Klonkriege in einer Todesarena auf dem Außenrandplanet Geonosis. Zwei Abenteuer werden erzählt.

Zunächst ist da das Titel gebende, letzte Gefecht um Jabiim. Die republikanischen Truppen befinden sich auf der gleichnamigen Welt, auf der es ständig zu regnen scheint und der ganze Kontinent einem Schlammloch gleicht. Unter dem Kommando von General Obi-Wan Kenobi und seinem Schüler Anakin Skywalker kämpft eine Gruppe Jedi – viele von ihnen noch Padawane – sowie eine kleine Armee Klontrooper an der Seite einheimischer „Rebellen“ gegen den Kriegsherrn Alto Stratus, der durch einen Putsch die Macht an sich gerissen hat und nun mit der Konföderation gemeinsame Sache macht.

Doch so einfach wie vielleicht noch auf Geonosis liegen die Dinge hier schon nicht mehr. Dies zeigt sich schön direkt in der Eingangssequenz, in der sich zwei einfache Soldaten aus Alto Stratus‘ Armee über die vermeintlichen Greueltaten der Jedi unterhalten und furchtsam auf den Vormarsch der Republik warten, nur um dann völlig entgeistert einige riesige Kampfmaschinen über den Hügelkamm marschieren zu sehen – Prototypen von AT-ATs. Nicht zufällig erinnert dies an das bange Warten der Rebellen auf die imperialen Landungstruppen auf Hoth – und plötzlich ist man sich als Leser nicht mehr so sicher, ob die Jedi und die Klonkrieger wirklich die Guten sind, obwohl sie sich zumindest unschuldig wähnen (zumindest die Jedi; bei dem Klon-Offizier Alpha, einem wiederkehrenden Charakter unter den sonst gesichtslosen Weißpanzern, bricht schon ziemlich stark die Boba Fett’sche Lust am Kampf um des Kampfes Willen durch).

Die Lage ist natürlich mal wieder aussichtslos; das schlechte Wetter verhindert das Landen von Ersatztruppen. Und so sieht sich die Republik, obschon anfangs noch auf dem Vormarsch, schon bald in die Defensive gedrängt. Tag um Tag zieht sie sich kämpfend zurück. Und die Jedi sterben einer nach dem anderen. Am Ende ist Anakin Skywalker vor eine Entscheidung gestellt, die allzu deutlich zeigt, dass es im Krieg keine wirklich Guten gibt. Und zum Abschluss der erfreulicherweise nicht nur actionreichen, sondern auch in Einzelmomenten sehr stimmungsvollen Story gibt es noch einen Cliffhanger, der es wirklich in sich hat.

Persönlicher wird es in der zweiten Geschichte. Die Handlung spielt auf dem Wüstenplanet Aargonar, wo Anakin gemeinsam mit dem Jedi-Ritter A’Sharad Hett hinter feindlichen Linien abgeschossen wird und sich nun durch einen Sturm wieder zur eigenen Truppe zurückkämpfen muss. Pikanterweise ist Hett ein Tusken – und wer „Episode II“ noch halbwegs im Kopf hat, weiß, welcher Zündstoff in solch einer Paarung steckt. Interessant ist dabei weniger die Rahmenhandlung als die Gespräche der beiden Männer, die bedeutungsvolle Einblicke in ihr Inneres erlauben und dabei zeigen, wie kaputt mittlerweile Anakins Psyche, wie weit abgerutscht auf die Dunkle Seite er schon ist. Langsam entwickelt sich der Junge zum echten Antihelden und die brütende Dunkelheit in der Seele von Darth Vader, des Mannes, zu dem Anakin werden wird, scheint fast noch gemäßigt im Vergleich zu dem psychotischen Hass, der während der Klonkriege in dem Jungen schwelt, der das Gleichgewicht in der Macht herstellen soll.

Was die graphische Umsetzung angeht, so sind beide Comics guter Durchschnitt, wobei mir der Pinselstrich von Brian Ching („Das letzte Gefecht von Jabiim“) eindeutig besser gefällt als der von Jan Duursema („Der Sturm nach dem Sturm“). Die Figuren sind einfach detaillierter und in ihrer Mimik differenzierter gezeichnet, die Umgebung atmosphärischer in Szene gesetzt – wobei das letztere auch an der jeweiligen Handlung liegen mag. Aber Duursema hat unleugbar Probleme mit den emotionalen Ausbrüchen von Anakin. Der Knabe fletscht im Zorn einfach allzu verzerrt die fleischigen Lippen. Dumm nur, dass er dies in dieser zweiten Geschichte ständig tun muss.

Fazit: Ein nettes Comic, das die verlustreiche und gnadenlose Zeit der Klonkriege atmosphärisch fortschreibt. Im Gegensatz zu „Klonkrieg II: Im Visier des Bösen“ gefällt mir, dass weniger Wert auf den Coolness-Faktor sich duellierender Heroen gelegt wurde und stattdessen die geistige und körperliche Erschöpfung der Charaktere im Vordergrund steht, die sich in dem monatelangen Wechsel von Kampfschauplatz zu Kampfschauplatz sichtlich aufreiben. Die einzige Frage, die so langsam an einem nagt: Wie soll die Republik diesen Krieg noch gewinnen, wo sie doch an allen Fronten ständig nur verliert (und sei es – mal von Seiten der Macher gesprochen –, um die Zahl der Jedi beständig zu dezimieren)? Man darf gespannt sein.


Star Wars Sonderband 20: Klonkriege III: Das letzte Gefecht von Jabiim
Comic
Haden Blackman, John Ostrander
Dino Entertainment 2004
ISBN: 3833210753
128 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 12,95

bei amazon.de bestellen