Star Wars Sonderband 19: Klonkriege II: Im Visier des Bösen

Die Klonkriege – das sind jene dunklen Jahre, von denen uns schon in „Episode IV“ verkündet wurde, Obi-Wan Kenobi habe als General in ihnen gedient. Lange Zeit dachte die Fan-Gemeinde, dass die Klone damals die Bösen gewesen seien (und auch der Titel von „Star Wars – Episode II: Angriff der Klonkrieger“ suggeriert dies noch), doch tatsächlich gehören die weißgepanzerten Proto-Sturmtruppler zu den Kräften des Guten und kämpfen gemeinsam mit den Jedi gegen die Droiden-Schergen der Separatisten unter Count Dooku. Im Kino gezeigt wurde und wird uns von diesem Konflikt nur der Beginn und das Ende. Wie eine Klammer schließen sich „Episode II“ und „Episode III“ um ein multimediales Gebilde, wie es vorher nur „Shadows of the Empire“ gewesen war: Bücher, Comics, Computerspiele, Actionfiguren und eine Zeichentrickserie beschwören den Krieg der Klone herauf. Ein neuer Comic ist jüngst bei Panini-Dino erschienen: Sonderband #19 – „Klonkriege II: Im Visier des Bösen“.

von Bernd Perplies

 

Der Comic besteht aus den vier US-Comic-Bänden „Republic #51-#53“ sowie „Star Wars Jedi: Shaak Ti“. Die ersten beiden Bände sind ein Two-Shot namens „Graveyard Moon“ (dt. „Im Visier des Bösen“ – wobei es der amerikanische Titel mal wieder erheblich besser trifft). Zehn Wochen nach der Schlacht um Geonosis trifft ein Jedi-Kommando unter Obi-Wan Kenobi über Naboo ein, um das Verstummen einer Gungan-Kolonie auf dem Mond Ohma-D’un zu untersuchen. Es stellt sich heraus, dass die Gungans abgeschlachtet wurden. Schlimmer noch: Eine ansässige Gruppe Gewürzschürfer wurde ihrer Frachter beraubt, die nun mit Giftgas gefüllt auf Naboo stürzen sollen. Drahtzieher dahinter sind der monströse Kopfgeldjäger Durge sowie die dunkle Jedi Asajj Ventress, eine Schülerin Dookus. Was folgt, ist ein paralleles Wettrennen gegen die Zeit. Während Obi-Wan und sein Jedi-Squad sich mit zwei übermächtigen Feinden herumschlagen müssen, versuchen Anakin und Klon Alpha, die Todesschiffe zu stoppen.

Band 3 – „Welle der Vernichtung“ – spielt etwa sechs Wochen später. Obi-Wan hat derweil ein Gegenmittel gegen das Giftgas beschafft, allerdings zu einem furchtbaren Preis. Sein ganzes Team wurde aufgerieben. Rückblickend erzählt er Anakin und Mace Windu von der finalen Phase seiner Mission, die ihn auf den Höllenplaneten Queyta führte, wo er auf vier weitere Jedi, einzelgängerische Nomaden des Ordens und – wie jeder Rollenspieler bestätigen würde – gleichzeitig eine klassische Adventure-Party samt düsterem Waldläufer, vorwitzigem Schurken, edlem Barbaren und bezaubernder Elfenmagierin, stößt. Gemeinsam dringen sie in einen Fabrikkomplex ein und treffen dort erneut auf Durge und Sentress, die einmal mehr Todesopfer unter den Jedi fordern.

Die letzte Geschichte führt fünf Monate nach der Schlacht von Geonosis nach Brentaal IV, das die Republik von den Separatisten zurückerobern will. Jedi-Meisterin Shaak Ti und ihre kleine Schar Klonkrieger müssen sich dazu mit meuternden Gefangenen verbünden, um den Schildgenerator und die Ionengeschütze von Separatistenführer Shogar Tok auszuschalten, die es der Republik unmöglich machen, mit größeren Verbänden auf dem Planeten zu landen – eine Mission mit mehreren unerwarteten Wendungen.

Insgesamt hat man das Gefühl, „Star Wars“ soll hipper, stylischer, manga-mäßiger werden. Extensive Jedi-Martial-Arts-Sequenzen sind ein Indiz, die zunehmende Coolness der neuen Charaktere ein anderes. Es ist nicht zu leugnen: Durge und Sentress, die auch das Cover schmücken, sind endcool. Er – eine muskelbepackte, kybernetische Kampfmaschine, sie – eine glatzköpfige Gothic-Queen im hautengen Lack-und-Leder-Outfit und mit zwei Lichtschwertern bewaffnet. Han Solo und Leia wirken dagegen wie Helden aus Opas Mottenkiste – und trotzdem sind sie mir lieber, denn „Star Wars“ war eigentlich immer eher Pulp-Phänomen im Stil der klassischen Serials, denn ein Hyper-Power-Manga, zu dem es mehr und mehr „verkommt“.

Die Stories sind eigentlich eher schlicht. Mission – Kampf, Mission – Kampf, Mission – Kampf. Viel zu viele Jedi und ein paar harte Klontrooper säbeln und blastern sich von Panel zu Panel. Die beste Atmosphäre bietet dabei die dritte Story um Shaak Ti. Hier sind die „Star Wars“-Momente noch am häufigsten, die Charaktere noch am ambivalentesten und der Ausgang nicht mehr oder minder von vorne herein klar. Netter Gag beispielsweise: die Umkehrung der Situation aus „Episode IV“ im Todesstern. Hier eskortieren nicht zwei „Sturmtruppler“ einen „Zivilisten“, sondern zwei „Zivilisten“ einen Klontrooper, um sich einzuschleichen. Außerdem erfreut der Auftritt einiger typischer Schurken (einer Art pervertiertem Han/Chewie-Gespann) und auch das Finale erinnert irgendwie an die dramatische Frage aus „Episode IV“, ob der Superlaser des Todessterns oder die Rebellen von Yavin IV das Rennen gegen die Zeit gewinnen.

Graphisch geben sich die drei Stories kaum etwas. Ich persönlich finde den Stil von Tomas Giorello („Im Visier des Bösen“) am schwächsten, den von Brian Ching („Welle der Vernichtung“) am besten, und Jan Duursema („Shaak Ti“) zeichnet als Hausautorin der Reihe eben wie immer – qualitativ durchschnittliche Massenware. Vor allem an den Figuren – in der Art, wie Mimik und Gestik umgesetzt werden – zeigt sich dabei die Schwäche oder Meisterschaft der Künstler. Der vorhergehende Sonderband #18 „Darklighter“ bleibt diesbezüglich weiterhin unerreicht.

Fazit: Rasante Action (unbenommen) und coole Charaktere stehen einer durchwachsenen Handlung und dem Gefühl gegenüber, dass „Star Wars“ – vor allem zur Zeit der Prequels – nicht mehr ganz das ist, was es mal war.


Star Wars Sonderband 19: Klonkriege II: Im Visier des Bösen
Comic
Haden Blackman, John Ostrander
Dino Entertainment 2004
ISBN: 3833210745
128 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 12,95

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