Star Wars Sonderband 14: Imperium: Hochverrat

Alle „Star Wars“-Fans, denen die Ära der klassischen Trilogie immer noch die liebste ist, dürfen sich freuen. Nachdem auf dem Buchmarkt seit einiger Zeit junge Jedi und die Yuzzhan Vong dominieren und auch im Bereich galaktischer Bildergeschichten überwiegend rund um die Prequels erzählt wurde, kommt nun eine feine neue Comic-Serie aus den USA zu uns herüber, die sich ausschließlich mit den dunklen Jahren beschäftigen wird: „Imperium“.

von Bernd Perplies

 

Der erste, von Dino dieser Tage herausgebrachte Comic-Sonderband mit dem Titel „Hochverrat“, der in sich den vierteiligen Auftakt der amerikanischen Serie versammelt, dringt tief in das faulige Zentrum der Kommandostruktur des Imperiums ein. Eine Reihe hochrangiger Offiziere unter der Führung des sinistren Großmoff Trachta planen, sich der beiden Sith an der Spitze des Reiches – Palpatine und Vader – zu entledigen, um eine ordentliche Militärdiktatur zu errichten. Leider erweist sich einmal mehr der Fox Mulder’sche Leitsatz „Trust No One“ als überaus berechtigt, denn schon bald entspinnen sich tödliche Intrigen unter den Verschwörern – ganz abgesehen davon, dass sie sich einen Feind ausgesucht haben, der alles andere als ein leichtes Opfer ist…

Die Story hat natürlich den Nachteil, dass von vornherein klar ist, wie sie endet – denkt man zumindest zu Beginn. Und doch gelingt es Autor Scott Allie, ein paar nette Twists zum Finale hin einzubauen. Wirklich toll gelungen ist, wie mittels „filmischer“ Parallelmontage mehrere Male Erwartungshaltungen aufgebaut werden, nur um sich im nächsten Bild als Trick herauszustellen. Auch die zahllosen Bezüge zum Universum gefallen – vor allem der Cameo eines beliebten Bounty Hunters.

 

Etwas bemüht wirken dagegen die ständigen Rückblenden in die Prequel-Ära, die natürlich die Bande zwischen den Trilogien stärken sollen. Nachdem dies Lucas mit seinen bisherigen Filmen nicht wirklich gelingen wollte, gilt nun offenbar die Generalorder an das „Expanded Universe“, sich darum zu bemühen, wie auch schon der Comic „Das Imperium schlägt zurück – Infinities“ und der neue „Star Wars“-Roman von Troy Denning „Tatooine Ghost“ (in Deutschland noch nicht erschienen) bewiesen haben. Leider verliert der Mann hinter Atemmaske dadurch, dass er wie ein gebrochener Held ständig seiner Vergangenheit nachhängt, an Unnahbarkeit und machtvoller Bedrohung.

 

Vielleicht noch zwei Sätze zum Zeichenstil. Überwiegend gelungen, möchte man sagen. Vor allem der eine oder andere imperiale Offizier mit meterlangen Koteletten verbreitet stimmungsvolles 1970er-Jahre-Flair. Auch der technische Aspekt des imperialen Coruscants wurde gut getroffen. Etwas schwierig tun sich seltsamerweise alle Zeichner neuerer Comics mit Stormtooper-Helmen und Vader selbst. Seit den guten alten Classic-Alben von Goodwin und Williamson sind einem fast nur noch seltsam verknautschte Visagen über den Weg gelaufen, was zur Folge hat, dass der Inbegriff des Bösen mitunter aussieht, als hätte er eins auf den schwarze Metallnase bekommen. Auch Frauen gehören ganz offensichtlich nicht zu den Stärken von Zeichner Ryan Benjamin. Kein Meisterwerk also, aber okay.

 

Fazit: He, es ist ein Comic über das Imperium! Darth Vader und der Imperator spielen die Hauptrolle! Wer sich auch nur im Geringsten für „Star Wars“-Comics begeistern kann, kommt an diesem Band nicht vorbei. Der einzige Wermutstropfen: Man hat ihn viel zu schnell durchgelesen ... Aber nicht traurig sein: Die „Imperium“-Reihe wird fortgesetzt.


Star Wars Sonderband 14: Hochverrat
Comic
Ryan Benjamin, Curtis Arnold, Scott Allie
Panini Comics 2003
ISBN: 3897487225
100 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 9,95

bei amazon.de bestellen