Star Wars: Planet der Verräter

Kinderromane sind im „Star Wars“-Universum neuerdings groß in Mode. Abgesehen von dem Monsterprojekt „Das Erbe der Jedi-Ritter“, das noch richtiges, episches Classic-Feeling bietet, gibt es in letzter Zeit nur noch Prequel- und Tie-In-Books, die sich mit dem Werdegang des jungen Obi-Wans, des jungen Anakins oder (in absehbarer Zukunft) des jungen Boba Fetts beschäftigen. Mit „Planet der Verräter“, dem „Star Wars“-Debüt des bekannten SF-Autoren Greg Bear („Äon“, „Slant“, „Der Amboss der Sterne“), liegt nun ein weiterer Kinderroman vor, der zwischen Episode I und II angesiedelt ist.

von Bernd Perplies

Die Handlung spielt zwei bis drei Jahre nach „Die dunkle Bedrohung“. Anakin ist mittlerweile zwölf Jahre alt und – obgleich einer der begabtesten Schüler des Jedi-Tempels – eine wahre Plage für seinen Meister Obi-Wan Kenobi. Statt sich in Disziplin zu üben, repariert er schrottreife Droiden, stiehlt sich heimlich zu gefährlichen Wettflügen über den Abfallgruben der Stadt davon oder widmet sich Tagträumereien von seiner großen Zukunft.

Da erhalten beide einen Auftrag, der die notwendige Abwechslung zu versprechen scheint, ohne großen Schaden anrichten zu können: Auf dem abgelegenen Planeten Zonama Sekot ist die Jedi Vegere verschwunden und Obi-Wan soll mit Anakin nach ihrem Verbleib forschen. Zur Tarnung sollen sie als potenzielle Kaufinteressenten eines der geheimnisumwobenen lebenden Schiffe, die dort im Auftrag von Privatkunden hergestellt werden, auftreten. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich für Zonama Sekot interessieren. Der ehrgeizige Commander Tarkin und der Industrielle Raith Sienar wollen unbedingt eines der hoch entwickelten Gefährte in die Hände bekommen, und so werden die beiden Jedi auf dem fernen Planeten nicht nur mit einer fremdartigen Kultur konfrontiert, sondern auch mit zwei zu allem entschlossenen Gegnern.

Schon die Handlung legt es nahe: In dem Roman passiert nicht wirklich etwas, das epische Bedeutung für das „Star Wars“-Universum hätte, und somit wirkt die abgeschlossene Geschichte irgendwie überflüssig. Das wäre nun nicht zwingend der Fall, wenn der Konflikt etwas spannender aufgebaut wäre, aber durch die „Planetenmission“ der beiden Jedi dreht sich die Story vor allem im Mittelteil einfach seitenlang um die Kultur der mysteriösen Welt und die Herstellung der lebendigen Raumschiffe, deren Bedeutung für die Galaxis aber noch im Abspann der Handlung – dem Kanon entsprechend – auf Null reduziert wird.

Die einzigen Lichtblicke liegen im Detail. Es macht Spaß, die beiden Classic- beziehungsweise „Expanded Universe“-Charaktere Tarkin und Sienar (der Kopf von Sienar Fleet Systems, das die TIE-Jäger herstellt) zu treffen und sie bei ihren ersten Gesprächen bezüglich einer Superraumstation zu beobachten. Leider hat George Lucas dem Autor mit „Episode II“ diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn hier wird der Ursprung des Todessterns den Geonosianern zugeschrieben. Danke für die Continuity, Mr. Lucas! Genial wird es noch mal am Ende, wenn sich Bear einen Vorverweis auf die etwa 40 Jahre später spielende „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Serie erlaubt. Diese Einzelheiten täuschen jedoch nicht über eine eher kindgerechte Story hinweg, die leider kaum das viel beschworene „Star Wars“-Feeling aufkommen lässt.

Fazit: Der Roman steht inhaltlich der „Padawan“-Reihe um den jungen Obi-Wan sehr nahe, nur dass diesmal Anakin der „Bubi vom Dienst“ ist. Er vermag über weite Strecken nicht, Spannung aufzubauen, sondern verliert sich in Kulturbeschreibungen, die an frühe „Star Trek TNG“-Geschichten erinnern. Fans der jüngeren Generation mögen sich an Anis Abenteuern erfreuen, der gestandene Rebell nimmt es jedoch eher mit Magengrummeln zur Kenntnis. Einzig im Detail liegen ein paar coole Querverweise verborgen, die allerdings die Handlung als Ganzes nicht zu retten vermögen.


Star Wars: Planet der Verräter
Film/TV-Roman
Greg Bear
Blanvalet 2001
ISBN: 3442354943
351 S., broschiert, deutsch
Preis: EUR 10,00

bei amazon.de bestellen